Simbabwe: Viele Wähler boykottieren die Stichwahl

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SimbabweViele Wähler boykottieren die Stichwahl

Die umstrittene Stichwahl um das Präsidentenamt in Simbabwe hat begonnen. Zur Wahl steht nur einer: Amtsinhaber Robert Mugabe. Entsprechend gering war heute Morgen die Beteiligung.

In einem Klima der Angst hat am Freitag die Stichwahl um die Präsidentschaft in Simbabwe stattgefunden. Einziger Kandidat war der seit 28 Jahren regierende Staatschef Robert Mugabe, nachdem Oppositionsführer Morgan Tsvangirai angesichts fortgesetzter Repressionen am Sonntag seinen Verzicht auf die weitere Kandidatur erklärt hatte. Sein Name stand aber noch auf den Stimmzetteln.

Zur Öffnung der Wahllokale in der Hauptstadt Harare erschienen am Freitag jeweils nur etwa zehn Wähler. Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl im März hatten sich noch mehrere hundert Bürger zur Stimmabgabe gedrängt. Der staatliche Rundfunk räumte die geringe Beteiligung ein und führte dies auf das kühle Wetter zurück.

In einer am Tag der Stichwahl verschickten E-Mail an seine Anhänger erklärte Tsvangirai, das Ergebnis der Abstimmung werde «nur die Angst der Menschen in Simbabwe» zum Ausdruck bringen. Es sei damit zu rechnen, dass die Regierungspartei ZANU-PF Gewalt einsetzen werde, um die Menschen zur Stimmabgabe zu zwingen.

Tsvangirai, Vorsitzender der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), erhielt vor drei Monaten die meisten Stimmen, verfehlte nach dem offiziellen Ergebnis aber die absolute Mehrheit. Der zweitplatzierte Amtsinhaber Robert Mugabe setzte daraufhin die Stichwahl durch, um seine bereits vor 28 Jahren begonnene Herrschaft weiter zu verlängern.

Die Stichwahl stiess international auf scharfe Kritik. Die Aussenminister der G-8-Staaten äusserten sich am Freitag in der japanischen Stadt Kyoto tief besorgt über die Situation in dem ostafrikanischen Land. «Systematische Gewalt, Behinderung und Einschüchterung» hätten eine freie und faire Stichwahl unmöglich gemacht, hiess es in der Erklärung.

Bereits am Vorabend der Wahl herrschte in Harare eine gespannte Stimmung. Lastwagen mit jungen Männern der Regierungspartei fuhren durch die Stadt. Geschäfte und Fabriken blieben geschlossen. An den meisten Schulen wurde der Unterricht bereits am Montag eingestellt.

(dapd)

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