FDP-Krise: «Vielleicht braucht es die FDP nicht mehr»

Aktualisiert

FDP-Krise«Vielleicht braucht es die FDP nicht mehr»

Die Wirtschaft hat sich rasant verändert. Politologe Andreas Ladner stellt darum das Überleben der FDP in ihrer Form als Wirtschaftspartei in Frage.

von
Elisabeth Rizzi

Die FDP schwenkt auf Schmusekurs um: Letzte Woche riefen die Liberalen zum Boykott des CS-Vergütungsberichts auf. Und auch die Weissgeldstrategie erhält plötzlich Support. Die Partei muss um Wähler buhlen: Seit den 80er-Jahren ist die Partei, die 1848 den Schweizer Staat gegründet und danach 40 Jahre lang sämtliche Bundesräte gestellt hatte, schwindsüchtig. «Vielleicht braucht es heute die FDP schlicht nicht mehr», sagt And­reas Ladner, Politologieprofessor in Lausanne. Die Wirtschaft, deren Interessen die FDP ursprünglich vertreten habe, hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. «Und Ereignisse wie das Swissair-Grounding, das UBS-Debakel oder die Boni-Exzesse tragen nicht zur Popularität einer Partei bei, die als Vertreterin der Wirtschaft gilt.»

Die FDP kann seines Erachtens erst wieder erfolgreich sein, wenn die Leistungen der Wirtschaft anerkannt und in breiten Kreisen geschätzt werden. Dafür brauche es positive Signale von den Unternehmen. «Aber wegen der Globalisierung wird die Wirtschaftsspitze immer weniger durch Personen vertreten, die in der Schweiz verwurzelt sind und einen Bezug zur Partei haben», so Ladner.

Konkret: Der Finanzplatz hat ganz andere Interessen als der Werkplatz Schweiz. Das Gewerbe wiederum hat seine Heimat in der SVP beziehungsweise in deren Vorläuferin, der Schweizerischen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB).

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