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Richterswil«Vielleicht hätte man den Fuchs noch retten können»

Stundenlang suchte Joel Sapin in Richterswil Hilfe für einen zitternden Fuchs-Welpen. Von der Polizei fühlte er sich nicht ernst genommen – für den Leser-Reporter «komplett daneben».

von
rom/som
Diesen Fuchs fand Joel Sapin in Richterswil am Samstagmorgen - ein Wildhüter musste ihn später erlösen.

Diesen Fuchs fand Joel Sapin in Richterswil am Samstagmorgen - ein Wildhüter musste ihn später erlösen.

Leser-Reporter/Joel Sapin

Mit seiner Freundin war Leser-Reporter Joel Sapin am Samstagmorgen in Richerswil in der Nähe des Zürichsees unterwegs. «Da sahen wir auf der Strasse plötzlich einen jungen Fuchs, der am Zittern war», sagt der 23-Jährige. «Wir haben ihn nicht angefasst, aber gaben ihm meine Jacke zum Wärmen.»

Sapin rief die Polizei an und meldete den Fund: «Wir dachten, man kann den Welpen doch nicht einfach seinem Schicksal überlassen.» Nach einigen Minuten sei eine Patrouille eingetroffen. «Die Polizisten meinten, sie könnten nichts tun, wir sollen doch den jungen Fuchs in den Wald bringen», so Sapin. Dann seien sie wieder gegangen.

«Vielleicht hätte man das Tier retten können»

Irritiert blieben Sapin und seine Freundin zurück. Sie versuchten nun, anderweitig Hilfe zu holen: Tierarzt, Tierspital, Tierrettungsdienst. «Alle sagten ab, wir wussten bald nicht mehr, was tun», sagt er. «Jemand gab uns dann den Tipp, den zuständigen Wildhüter anzurufen.» Dieser sei nach einer Stunde vorbeigekommen. «Er meinte, das Tier sei zu schwach, um in der Wildnis zu überleben», sagt Sapin. «Also hat er es mitgenommen und erlöst.»

Dafür hat der Leser-Reporter Verständnis, nicht aber für das Verhalten der Polizei: «Dass diese nicht geholfen hat, finden wir komplett daneben – immerhin handelt es sich um ein Lebewesen und vielleicht hätte man ihn da noch retten können.»

Polizei dachte, der Fuchs sei betrunken

Martin Heer, Stv. Polizeichef der Stadtpolizei Wädenswil, bestätigt, dass eine Patrouille vor Ort war: «Die Einsatzzentrale der Kantonspolizei konnte den zuständigen Wildhüter nicht erreichen und bot uns deshalb auf.» Die Polizisten hätten den Anwohner gefragt, ob er offensichtliche Verletzungen am Tier feststellen konnte, was dieser verneint habe.

«Da in der Nähe ein paar leere Bierdosen aus einem aufgerissenen Abfallsack lagen, sind die Polizisten davon ausgegangen, dass sich der Fuchs an dem restlichen Bier vergnügt haben könnte und nun leicht benommen ist», so Heer. Zumal sich das Tier ruhig verhalten hätte. Sie hätten deshalb den Anwohner gefragt, ob dieser den Fuchs in den nahen Wald bringen könnte: «Er hatte ihn ja bereits in eine Jacke eingewickelt und war damit einverstanden. Die Polizisten wollten unnötigen Stress für das Tier vermeiden.»

Tier auf keinen Fall anfassen

Dass der Fuchs beschwipst war, bezweifelt der zuständige Wildhüter Marcel Kasseroler: «Mein Kollege war vor Ort und er ging davon aus, dass das Tier krank war oder innere Verletzungen hatte.» Wenn ein Fuchs zittert und nicht mehr selbstständig wegläuft, dann gehe es ihm schlecht: «Deshalb bleibt uns in einer solchen Situation nichts anderes übrig, als das Tier zu erlösen.»

Denn kein Spital oder Arzt würde ein Wildtier behandeln, sagt Kasseroler: «Wenn Menschen einen Fuchs oder ein Reh aufpäppeln, ist es schwierig, es später wieder auszuwildern.» Laut Kasseroler sollte man ein Wildtier, das man auf der Strasse findet, nicht anfassen sondern in eine Decke einwickeln. Richtig sei es, die Polizei zu kontaktieren: «Diese ruft dann den Wildhüter. Das klappt gewöhnlich sehr gut.» Warum es in diesem Fall nicht funktionierte, wundert Kasseroler: «Vielleicht gab es ein Missverständnis.»

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