Aktualisiert 29.04.2020 06:33

Schussabgabe in Sins AG

«Vielleicht hat dem Schützen der Lockdown zugesetzt»

In Sins AG kam es am Sonntag zu einem Zwischenfall mit einer Schusswaffe. Zwei Männer wurden am Kopf verletzt. Im Dorf ist man schockiert. Ein Nachbar glaubt nicht an kriminelle Absichten.

von
Nathan Keusch
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Zwei Männer im Alter von 61 und 66 Jahren haben sich in Sins AG aus noch ungeklärten Gründen Schussverletzungen am Kopf zugezogen.

Zwei Männer im Alter von 61 und 66 Jahren haben sich in Sins AG aus noch ungeklärten Gründen Schussverletzungen am Kopf zugezogen.

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Zunächst rückten die Rettungskräfte wegen einer gemeldeten Selbstverletzung aus. In der Wohnung angekommen, fanden sie aber zwei Verletzte vor

Zunächst rückten die Rettungskräfte wegen einer gemeldeten Selbstverletzung aus. In der Wohnung angekommen, fanden sie aber zwei Verletzte vor

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Kurz vor 21 Uhr mussten am Sonntagabend Einsatzkräfte wegen eines Vorfalls ins Dorfzentrum der Freiämter Gemeinde ausrücken.

Kurz vor 21 Uhr mussten am Sonntagabend Einsatzkräfte wegen eines Vorfalls ins Dorfzentrum der Freiämter Gemeinde ausrücken.

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Darum gehts

  • Nach einer Schussabgabe in einer Wohnung in Sins AG werden zwei verletzte Männer aufgefunden
  • Der genaue Tatablauf war zunächst unklar
  • Anwohner sind schockiert. Sie beschreiben die Männer als Aussenseiter

In Sins AG mussten am Sonntagabend Rettungskräfte ausrücken, weil die Meldung einging, ein Mann habe sich eine Selbstverletzung mit einer Schusswaffe zugezogen.

Zweites Opfer in Wohnung entdeckt

Die ersten Rettungskräfte, die vor Ort in einer Wohnung im Zentrum der Freiämter Gemeinde eintrafen, fanden den 66-jährigen Bewohner am Boden liegend vor. Dieser sei ansprechbar gewesen und habe eine Kopfverletzung aufgewiesen. Die Rettungskräfte hätten vor Ort überrascht feststellen müssen, dass sich in der selben Wohnung eine weitere verletzte Person befand, wie Polizeisprecher Roland Pfister sagt. Beim zweiten Verletzten handelt es sich um einen 61-jährigen Schweizer, der ebenfalls eine Kopfverletzung erlitten haben dürfte und ansprechbar war.

«Wer auf wen geschossen hat und was genau in der Wohnung passierte, ist noch Gegenstand der laufenden Untersuchungen», sagt Polizeisprecher Pfister. Die Spurensicherung habe die Wohnung genau unter die Lupe genommen. Beide Männer seien in der Folge zur medizinischen Versorgung ins Spital geführt worden. Bei beiden wurden Anzeichen von Alkoholeinfluss festgestellt, teilt die Polizei mit. Die Staatsanwaltschaft eröffnete eine Strafuntersuchung gegen den 66-jährigen Schweizer.

Ein Dorf rätselt

Im Dorf ist man geschockt von der Gewalttat: «Ich wohne seit 20 Jahren in Sins. So etwas ist hier noch nie passiert», sagt eine Anwohnerin. Eine zweite Anwohnerin pflichtet ihr bei: «So etwas kommt nie vor hier im Dorf!» Sie konnte den Polizeieinsatz genau beobachten: «Plötzlich war unsere Strasse voll mit Einsatzwagen. Als ich hörte, dass Schusswaffen im Einsatz waren, bin ich sehr erschrocken.» Sie habe gesehen, wie einer der Verletzten aus dem Haus transportiert wurde. Er habe Hände und Kopf einbandagiert gehabt, sei aber ganz normal am Sprechen gewesen. Was in der Wohnung vorgefallen sein könnte, weiss auch sie nicht.

Der Wirt eines nahen Restaurants kennt die Betroffenen. Er beschreibt sie als Aussenseiter und nicht gut in die Gesellschaft integriert. «Es sind sozial eher schwache Menschen. Aber ich bin mir sicher, dass hier keine kriminelle Energie dahinter steckt», sagt der Wirt. Der 66- jährige Bewohner sei womöglich depressiv gewesen, glaubt er. «Vielleicht hat er den Lockdown einfach nicht mehr ausgehalten», rätselt eine weitere Anwohnerin. Sie hofft, dass sich solche Fälle während der Corona-Krise nicht häufen.

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