Merkel und Laschet im Krisengebiet - «Vielleicht ist die gute alte Sirene nützlicher als man gedacht hat»
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Merkel und Laschet im Krisengebiet «Vielleicht ist die gute alte Sirene nützlicher als man gedacht hat»

Kanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Armin Laschet sind zum zweiten Mal im vom Hochwasser zerstörten Katastrophengebiet.

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Angela Merkel und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet in der stark beschädigten Stadt Bad Münstereifel.

Angela Merkel und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet in der stark beschädigten Stadt Bad Münstereifel.

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Merkel hat den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe schnelle Unterstützung zugesichert.

Merkel hat den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe schnelle Unterstützung zugesichert.

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Angesichts der Zerstörung sagte Merkel, es sei klar, «dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden».

Angesichts der Zerstörung sagte Merkel, es sei klar, «dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden».

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Bundeskanzlerin Angela Merkel ist noch einmal ins Hochwasser-Krisengebiet gereist, diesmal in Begleitung des nordrheinwestfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet, der dieses Mal ernst auftrat.

Merkel sagte den Menschen in den Hochwasserregionen unbürokratische Soforthilfe zu: «Ich hoffe, dass das eine Sache von Tagen ist». Man werde alles daran setzen, «dass das Geld schnell zu den Menschen kommt», sagte die Kanzlerin am Dienstag beim Besuch in der stark vom Hochwasser beschädigten Stadt Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen.

«Werden einen sehr langen Atem brauchen»

Merkel ging laut Spiegel.de davon aus, dass die Wiedererrichtung der zerstörten Infrastruktur und der Wiederaufbau der Stadt länger als ein paar Monate dauern wird. Es sei klar, «dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden».

Bei ihrem Besuch in der schwer beschädigten Stadt betonte Merkel, dass Sirenen künftig im Katastrophenschutz Deutschlands wieder eine grössere Rolle spielen könnten. «Vielleicht ist die gute alte Sirene nützlicher als man gedacht hat», sagte sie.

SMS oder Sirenen?

Jetzt werde genau analysiert, was beim Katastrophenschutz und den Frühwarnsystemen geklappt habe und was nicht. Merkel gab zu bedenken, dass die SMS-Benachrichtigung nicht funktioniere, «wenn das Mobilfunksystem ausgefallen ist». Dies sei beim jüngsten Hochwasser «zum Teil rasend schnell» passiert. Merkel lobte die deutsche Warninfrastruktur grundsätzlich.

Der Feuerwehrverband hat derweil den Wiederaufbau solcher Warnsirenen gefordert, die vielerorts abgeschafft worden sind. «Ich habe das Gefühl, nicht alle Menschen nehmen das so ernst, was da kommt», sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Banse mit Blick auf Warn-Apps für Smartphones. «Ich persönlich finde es viel sinnvoller, wenn die Sirenenanlagen wieder flächendeckend aufgebaut werden.»

«Rechne damit, dass wir noch Leichen finden»

Im rund 17 Kilometer von Bad Münstereifel entfernten Altenahr ist die Zerstörung nicht minder schlimm. Im gesamten Landkreis sind bislang 117 Hochwassertote gefunden worden – und es werden noch immer mehrere Hundert Menschen vermisst, wie der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr dem Spiegel sagte. «Vor den Brückenpfeilern der Ahr liegen Tausende Kubikmeter Treibgut», sagte er weiter. «Ich rechne damit, dass wir da noch Leichen finden.»

Bevor die gezielte Suche starten könne, müssten aber die kaputten Strassen und Brücken für die Hilfskräfte zumindest provisorisch befahrbar sein. Die lokalen Helfer und Helferinnen vor Ort arbeiten unter grossen Widrigkeiten – angefangen mit der Kommunikation, die unter dem schwachen Netz leidet.

«Noch im Anpackmodus»

Eine Notfallseelsorgerin, die seit Tagen im Einsatz ist, geht davon aus, dass das Schlimmste für die Menschen in den Katastrophengebieten erst noch komme. «Die Menschen sind noch im Anpackmodus«, sagt sie. Traumatische Störungen träten aber häufig auf, wenn wieder Ruhe einkehre.

Die Unwetter in der vergangenen Woche hatten vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in mehreren Orten schwere Schäden angerichtet. Mindestens 168 Menschen kamen ums Leben.

(gux)

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