Murat Yakin: Das meint die 20-Minuten-Community zum neuen Nati-Trainer
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Das meint die 20-Minuten-Community«Vielleicht streikt ja der Kugelschreiber von Yakin beim Unterschreiben»

Am Montag soll Murat Yakin den Vertrag als Nati-Coach unterschreiben. Die Schweizer Medienlandschaft ist gespannt auf die neue Ära, die 20-Minuten-Community ist skeptisch, ob Yakin der richtige Mann ist.

von
Nils Hänggi
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Seit Sommer 2019 arbeitet er beim FC Schaffhausen. Davor war er bei den Grasshoppers nach nur acht Monaten vor die Tür gestellt worden.

Seit Sommer 2019 arbeitet er beim FC Schaffhausen. Davor war er bei den Grasshoppers nach nur acht Monaten vor die Tür gestellt worden.

Marc Schumacher/freshfocus
Nach mehr als einem Jahrzehnt mit Trainerstationen überall im Schweizer Profifussball (u.a. Basel, GC, Thun und Sion) und im Ausland (Spartak Moskau) weiss der 49-fache Nationalspieler, wie das Geschäft läuft.

Nach mehr als einem Jahrzehnt mit Trainerstationen überall im Schweizer Profifussball (u.a. Basel, GC, Thun und Sion) und im Ausland (Spartak Moskau) weiss der 49-fache Nationalspieler, wie das Geschäft läuft.

Marc Schumacher/freshfocus
Doch die 20-Minuten-Community ist skeptisch. 

Doch die 20-Minuten-Community ist skeptisch.

Andy Mueller/freshfocus

Darum gehts

  • Murat Yakin soll am Montag den Vertrag als Nati-Trainer unterschreiben.

  • Die 20-Minuten-Community sieht die Wahl Yakins skeptisch.

  • Marco Streller freut sich für seinen ehemaligen Mitspieler.

Dass Murat Yakin neuer Nati-Coach wird, sorgte am Samstagabend für ein Erdbeben. Zwar wollte der Schweizerische Fussballverband die Meldung noch nicht bestätigen, doch gemäss diversen Medienportalen wird der 46-Jährige am Montag den Vertrag unterzeichen.

Klar also, war am Sonntag die Verpflichtung Yakins das grosse Thema in der Schweizer Medienlandschaft. Die «Sonntagszeitung» schrieb von einer «sehr mutigen Wahl». An Yakins überragender Fachkompetenz könne keiner zweifeln. Aber: «Es ist eben auch der Yakin, der als einst begabter Fussballer immer mit dem Vorwurf leben musste, zu wenig aus sich gemacht zu haben. Der als Trainer bis heute mit dem Vorwurf leben muss, nicht zu den Fleissigsten der Branche zu gehören.»

Die «NZZ am Sonntag» blieb sehr skeptisch: «Es wird hier und da heissen, es komme zusammen, was zusammengehört: dieses so talentierte Nationalteam mit diesem einst so talentierten Fussballer, der das Spiel als Trainer so gut sehen und riechen soll wie wenige andere. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass Yakin im Nationalteam auch auf selbstbewusste Figuren träfe – und in Yakins Karriere gab es wiederholt Schwierigkeiten mit Führungsspielern.» Der «Blick» lobte Yakin «Schweizer Lösung mit internationaler Erfahrung, mit 46 im richtigen Alter, ein absoluter Fachmann.»

«Vielleicht streikt ja der Kugelschreiber von Yakin»

Die 20-Minuten-Community ist sehr gespalten, in der Tendenz aber eher negativ gegenüber Yakin eingestellt. In einer nicht repräsentativen Umfrage, bei der rund 34’000 Menschen (Stand Sonntag, 10.20 Uhr) mitmachten, gaben 51 Prozent an, dass sie mit der Wahl Yakins nicht zufrieden seien. Nur 27 Prozent waren happy. 22 Prozent machten ihr Kreuz bei «Ist mir egal».

In der Kommentarspalte auf 20 Minuten das gleiche Bild: Viele Userinnen und User äussern sich skeptisch. «SaNoed» fragt sich, ob schon wieder 1. April sei. «Ohenati» schreibt: «Dieser Mann hat keine Erfahrung, wieso findet man keinen anderen Trainer. Er konnte bis jetzt gar nichts vorweisen. Der Verband ist verzweifelt, und man nimmt den nächstmöglichen Trainer.» User «Bedenkenträger» denkt an die Mannschaft und meint: «Mir tut einfach das Team leid.» «Oje, oje .... Vielleicht streikt ja der Kugelschreiber von Yakin beim Unterschreiben des Vertrages ...» wünscht sich «Buckelwahl».

Es gibt aber auch positive Stimmen. «LunaCat13» findet, dass jeder Mensch eine Chance verdient habe. «Sommerräge» appelliert an die anderen Userinnen und User: «Und schon fängt das Bashing wieder an. Lasst ihn doch einfach zuerst mal anfangen, bevor ihr schon wieder motzt.» «Töm66» ist regelrecht begeistert: «Diese Kommentare, meine Damen und Herren… so schlecht war bzw. ist Yakin auch nicht … Fischer bei Union, ich bin begeistert, meine erste Wahl. Aber bei den Natispielern hat Yakin vielleicht sogar den besseren Draht. Lassen wir uns überraschen. Drei Punkte am 05.09 gegen den Europameister und alles ist wunderbar.»

Europa-League-Halbfinal mit Basel

Fakt ist: Yakin, der aktuell noch Schaffhausen-Coach ist, ist ein Mann, der viel Erfahrung hat. Nach mehr als einem Jahrzehnt mit Trainerstationen überall im Schweizer Profifussball (u.a. Basel, GC, Thun und Sion) und im Ausland (Spartak Moskau) weiss der 49-fache Nationalspieler, wie das Geschäft läuft. Erfolge hat er durchaus vorzuweisen. Mit dem FCB wurde er zwei Mal Meister, erreichte die Champions League und in der Europa League 2013 die Halbfinals. Und: Aus seiner Zeit als FCB- und GC-Coach kennt der 46-Jährige bereits einige Nati-Stars.

An seiner Fachkompetenz zweifeln die wenigsten Menschen. Er hat als Trainer das Auge, das ihn schon als Spieler ausgezeichnet hat. Und er ist wohl auch ein Coach, den die Nati-Stars wie Xherdan Shaqiri oder Granit Xhaka respektieren würden. Aber man muss auch festhalten, dass in Yakins Trainerkarriere nicht alles rund lief. Seit Sommer 2019 arbeitet er beim FC Schaffhausen. Davor war er bei den Grasshoppers nach nur acht Monaten vor die Tür gestellt worden. Bei Sion scheiterte er auch nach kurzer Zeit. Sion-Boss Christian Constantin meinte gar: «Ihm fehlt der nötige Wille für die Arbeit.»

Die Fussstapfen, in die Yakin tritt, sind gross. Vladimir Petkovic hatte die Schweizer Fussballnationalmannschaft im Jahr 2014 von Ottmar Hitzfeld übernommen. Er führte die Nati nacheinander an die EM 2016 in Frankreich, die WM 2018 in Russland und jüngst an die EM 2020, die mit einem Jahr Verspätung über den ganzen europäischen Kontinent verteilt durchgeführt wurde. Petkovic ging auf dem Höhepunkt seines Schaffens. An der EM erreichte er mit der Schweiz den Viertelfinal – zum ersten Mal seit 1954 an einer Endrunde.

«Er kennt die Spieler, er hat den Migrationshintergrund»

Ex-Nati-Star Marco Streller meinte am Sonntag im blue-Studio: «Ich freue mich sehr für Muri, er hat das verdient. Er kennt die Spieler, er hat den Migrationshintergrund. Er weiss, wie es ist, wenn zwei Herzen in der Brust schlagen.» Weiter meint der 40-Jährige, der einst beim FC Basel Teamkollege von Yakin war: «Er versteht sehr viel vom Fussball. Er war immer ein intuitiver Spieler. Er wird den Draht zu den Spielern haben. Das ist jetzt fast das Wichtigste, weil die Mannschaft eingespielt ist, gross Änderungen wird es nicht geben. Wichtig ist, dass er sie auch auf der emotionalen Ebene abholt. Und das kann er, weil er selber ein Genie als Spieler war. Er kann auch mit schwierigen Spielern umgehen und auch harte Entscheidungen treffen.»

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