«Vielleicht werde ich für diese Worte getötet»: Igor Denissow kritisiert Putin
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Wegen des Ukraine-Kriegs«Vielleicht werde ich für diese Worte getötet» – Russland-Star kritisiert Putin

Der ehemalige Captain der russischen Nationalmannschaft, Igor Denissow, stellt sich öffentlich gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Nun fürchtet er deswegen um sein Leben.

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Der Ex-Fussballprofi Igor Denissow hat sich öffentlich über den Angriffskrieg Russlands geäussert. 

Der Ex-Fussballprofi Igor Denissow hat sich öffentlich über den Angriffskrieg Russlands geäussert. 

imago/Chernykh
Der 38-jährige Ex-Spieler von Dynamo oder Lok Moskau fürchtet deshalb um sein Leben. 

Der 38-jährige Ex-Spieler von Dynamo oder Lok Moskau fürchtet deshalb um sein Leben. 

REUTERS
«Ich weiss nicht, vielleicht werde ich für diese Worte eingesperrt oder getötet, aber ich sage es, wie es ist», so der Russe.

«Ich weiss nicht, vielleicht werde ich für diese Worte eingesperrt oder getötet, aber ich sage es, wie es ist», so der Russe.

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Darum gehts

Seit beinahe vier Monaten läuft Russlands Invasion in der Ukraine. Eine Lösung des blutigen Konflikts ist nach wie vor nicht in Sicht. Deshalb brach nun der Ex-Fussballprofi Igor Denissow sein Schweigen und äusserte sich nun öffentlich zum Krieg. Und das mit markigen Worten! Vor allem für einen, der in Russland ein absoluter Star ist und ein Idol für viele Fussballer.

Denn: Der 38-Jährige trug 54 Mal das Trikot der Sbornaja, der russischen Nationalmannschaft, war von 2012 bis 2016 auch Captain des Teams. Seinen grössten sportlichen Erfolg feierte er mit dem Uefa-Cupsieg 2008. Dazu gewann er noch den Super Cup 2008 gegen Manchester United (2:1) und fünf russische Meisterschaften.

Nun sagte Denissow im Gespräch mit dem Sportjournalisten und Blogger Nobel Arustamyan: «Diese Ereignisse sind eine Katastrophe. Völliger Horror. Ich kann nicht mehr dazu schweigen.» Denissow erzählte, dass er sich schon zu Beginn des Kriegs in einer Videobotschaft an seine Landsleute wenden wollte. Freunde hätten ihm davon jedoch abgeraten. Er versuchte, seine Botschaft über russische Sender zu vermitteln. Doch niemand habe sein Video ausstrahlen wollen, so der russische Ex-Fussball-Star, der seine Karriere 2019 beendete. 

Denissow würde vor Putin auf die Knie gehen

«Ich weiss nicht, vielleicht werde ich für diese Worte eingesperrt oder getötet, aber ich sage es, wie es ist. Meine Wahrnehmung hat sich drastisch verändert. Ich habe nicht geschlafen. Ich war einfach schockiert», beschrieb der Ex-Fussballer von Dynamo oder Lok Moskau die Tage nach dem 24. Februar – dem Start des russischen Angriffs. 

Die Gründe des Krieges kann Denissow bis heute nicht nachvollziehen. «Niemand kann es mir erklären. Vielleicht, weil ich nicht belesen bin, weil ich mich nicht gut in Geschichte auskenne. Aber ich mag es nicht, wenn Menschen sterben. Ich kann dazu nicht mehr schweigen», so der 38-Jährige emotional. In seinem Video habe er Putin angeboten, vor ihm auf die Knie zu gehen, wenn der russische Präsident den Krieg beendet. 

«Ich kann nicht anders»

Mittlerweile ist es in Russland verboten, vermeintliche Falschnachrichten über die Armee zu verbreiten. Das beschäftigt auch Denissow. «Ich habe sogar jetzt Angst, aber ich kann nicht anders, als mich zu Wort zu melden. Ich verstecke mich nicht. Ich habe das nicht nötig», schloss Denissow. 

Sein Mut? Beachtlich. Gemäss dem «Guardian» ist er praktisch der einzige Russen-Sportler, der noch in Russland lebt und Wladimir Putins Ukraine-Krieg öffentlich so scharf kritisiert. Ob die Worte des Sport-Stars in seiner Heimat Gehör finden, darf wohl dennoch bezweifelt werden. Zu streng ist das Regime, zu gross ist die Angst vor Putin. Fakt ist aber auch: Die Stimme des 38-Jährigen hat in Russland Gewicht.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

(heute.at./hua/nih)

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