Aktualisiert 06.09.2007 12:18

«Vielleicht wird mir irgendwann die Reiserei zu viel»

Während Andre Agassi eine gigantische Lobeshymne auf Roger Federer singt, denkt dieser bereits ans Aufhören - allerdings wird er den Fans noch ein Weilchen erhalten bleiben.

Kurz nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Andy Roddick äusserte sich Roger Federer über seine Zukunft (siehe Interview unten). Gastkommentator Andre Agassi erklärte derweil den TV-Zuschauern wieso Federer so gut ist.

Dass die Partie zwischen Roger Federer und Andy Roddick mehr war als ein «gewöhnlicher» Major-Viertelfinal, merkte man auch an der übertragenden Fernsehstation. Der Sender «USA» hatte Andre Agassi als Co-Kommnetator neben Ted Robinson und John McEnroe eingeladen.

Es war, als ob er nie weg gewesen wäre. Als Andre Agassi nach dem ersten Satz in den Fokus der TV-Kameras und Grossleinwände kam, gab es kein Halten. Der 37-Jährige aus Las Vegas, nicht mehr mit einem Racket, dafür für einmal mit einem Mikrofon ausgestattet, wurde mit einer Ovation bedacht, wie sie aktiven Spielern nur ganz selten zuteil wird.

Besuch in Federers Garderobe

Roger Federer hatte seinen letztes Jahr in New York zurückgetretenen Finalgegner von 2005 schon vorher getroffen. «Er war völlig unerwartet in die Garderobe gekommen», erzählte Federer. «Es schien fast so, als wolle er einen Match bestreiten.» Der Weltranglisten-Erste war froh, dass sich der letzte Viertelfinal der Frauen zwischen Venus Williams und Jelena Jankovic bis ins Tiebreak des dritten Satzes hinzog: «So konnten wir viel länger plaudern.»

Obwohl auf amerikanischen Kanälen dem Gusto des Publikums entsprechend normalerweise mehrheitlich den «local heroes» gehuldigt wird, war die folgende Live-Ubertragung eine fast permanente Lobeshymne auf Federer, der verschiedentlich wohl errötet wäre. Agassi konstatierte unter anderem, dass normalerweise ein Spieler das Tennis schon dominieren kann, wenn er in zwei Bereichen der Beste ist. Er habe aber das Gefühl, dass Federer etwa in fünf Bereichen die Nummer 1 sei. Federer dazu: «Ich weiss, dass ich auf viele Dinge zählen kann. Wenn mein Service nicht funktioniert, kann ich auf mein Grundlinienspiel zurückgreifen. Damit mein Spiel zusammenbricht, muss schon viel passieren, weil ich ja normalerweise körperlich fit bin und meinen Gegner nie unterschätze.»

«...wird man 1:6, 1:6 weggeputzt»

Von McEnroe auf die Differenz zwischen Pete Sampras und Federer angesprochen, fand Agassi einen zahlenmässigen Vergleich: «Wenn man gegen Pete gut spielte, verlor man vielleicht 5:7, 6:7. Wenn man schlecht spielte, manchmal auch, weil bei ihm vieles über den Aufschlag ablief. Wenn man gegen Roger gut spielt, verliert man vielleicht auch 5:7, 6:7. Wenn man aber schlecht spielt, wird man 1:6, 1:6 weggeputzt, weil er so komplett ist.»

Schliesslich rückte Agassi Federers Leistungen in noch gleissenderes Licht: «Wenn man vor Saisonbeginn sagen muss, ob Federer eher vier Grand-Slam-Turniere gewinnen wird oder zwei, muss man sich für vier entscheiden.»

Kurzinterview mit Roger Federer

Roger Federer, Sie haben gegenüber US-Fernsehstationen verlauten lassen, Sie möchten noch fünf bis zehn respektive neun Jahre Profitennis spielen. Was hat es mit diesen Zahlen auf sich?

Roger Federer: «Nun, ich habe mir 35 als Zahl vorgestellt. Ich möchte sicher mindestens noch fünf Jahre bis zu den Olympischen Spielen 2012 (in Wimbledon, Red.) dabeibleiben. Aber eigentlich möchte ich so lange wie möglich Tennis spielen. Ich glaube, dass das bis 35 durchaus realistisch ist. Ich würde vielleicht dann nicht mehr 20 bis 25 Turniere spielen, sondern nur noch 10 bis 15. aber ich glaube, es wäre auch für die Tour gut, wenn ich so lange wie möglich dabei bleibe. Natürlich muss ich dafür auch fit bleiben.»

Was könnte Sie ausser möglichen schweren Verletzungen von diesem Vorhaben abbringen? Motivationsprobleme scheinen Sie ja nicht zu kennen.

Federer: «Wer weiss, vielleicht kommt das eines Tages. Vielleicht wird mir irgendwann die Reiserei zu viel. Aber im Moment gehen die Jahre extrem schnell vorüber. Es ist wahnsinnig: Wir sind schon wieder beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Ich fühle mich, wie wenn ich erst noch bei den Junioren gespielt hätte. Ich kann mich immer noch an alle Resultate und Begebenheiten von damals erinnern.»

(si)

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