von
Anja Zingg
Publiziert

Vier Amerikaner auf der 20-Min-Redaktion«Es geht um Leben und Tod»

Wir haben die Wahlnacht mit vier in der Schweiz wohnenden Amerikanerinnen und Amerikanern verbracht. Für sie war es eine Nacht voller Emotionen.

Darum gehts

  • Die Amerikaner haben abgestimmt.

  • Zurzeit wird in den USA noch die Stimmen ausgezählt.

  • Die Wahlnacht verbrachten vier Amerikaner auf der 20-Minuten-Redaktion.

  • Der aktuelle Stand der Wahlen führte zu Diskussionen.

Unsere Gäste:

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Zwei Amerikaner und zwei Amerikanerinnen begleiten uns durch die Wahlnacht. 

Zwei Amerikaner und zwei Amerikanerinnen begleiten uns durch die Wahlnacht.

20 Minuten
Alexandra Dufresne (47) lebt seit vier Jahren in der Schweiz. Sie unterrichtet Amerikanisches Recht an einer Hochschule. 

Alexandra Dufresne (47) lebt seit vier Jahren in der Schweiz. Sie unterrichtet Amerikanisches Recht an einer Hochschule.

20 Minuten
Chase F. (36) kam vor fünf Jahren der Liebe wegen in die Schweiz. Aufgewachsen ist er in Illinois. Er arbeitet als Landwirt.

Chase F. (36) kam vor fünf Jahren der Liebe wegen in die Schweiz. Aufgewachsen ist er in Illinois. Er arbeitet als Landwirt.

20 Minuten

Welche Daten nun wichtig sind

Nun bleiben den Amerikanern noch 79 Tage, dann wird der neue Präsident vereidigt. Dabei sind folgende Daten wichtig:

08. Dezember: An diesem Tag müssen die Staaten alle Stimmen ausgezählt haben. Anhand der Stimmen wird die Liste der Elektoren bestimmt.

14. Dezember: Die Elektorenstimmen werden formal nach Washington D.C. übermittelt.

03. Januar 2021: Der neu gewählte Kongress versammelt sich das erste Mal.

06. Januar 2021: Der Kongress ernennt den Präsidenten.

21. Januar 2021: Der neue Präsident tritt seine Amtszeit an.

Kompliziert wird es, wenn die Frist bis zum 8. Dezember nicht eingehalten werden kann. Falls bis zu diesem Datum noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind, kann es sein, dass die Swing-States unterschiedliche Elektorenlisten nach Washington senden. Das könnte zu eine konstitutionellen Krise führen.

Wichtig ist daher, dass bis dann ein Präsidentschaftskandidat seine Niederlage anerkannt hat. Ashleigh Zambada bezweifelt, dass Trump dies bei einem knappen Vorsprung Bidens tun würde. «Ich kann mir vorstellen, dass die USA in eine politische Krise stürzen.»

Unsicherheit macht sich breit

Mittlerweilen ist die Unsicherheit unter den Biden-Wähler unseren Gästen anzusehen. «Ich bin überrascht, dass es nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen ist», sagt Chase F. «Vor vier Jahren wusste man noch nicht genau, was auf einen zukommt. Aber heute wissen wir, was uns mit Trump erwartet. Ich verstehe nicht, wieso nach wie vor so viele Leute Trump wählen.» Alexandra Dufresne hoffte ebenfalls auf einen Landslide, einen Erdrutschsieg. Und Ashleigh Zambada fühlt sich gar ins Jahr 2016 zurückversetzt. «Es kommen gewisse Gefühle und Ängste hoch, die ich verdrängt habe. Aber ich hab nach wie vor Hoffnung.»

Für wen haben sie gestimmt?

Der Tenor unserer Gäste ist einstimmig – fast: Es gebe keine Entscheidung, nur Joe Biden sei überhaupt wählbar. Nur Michael B. ist anderer Meinung: «Ich hab Trump gewählt. Aussenpolitisch denke ich, macht er einen besseren Job als Biden. Bidens Umgang mit der Pandemie und seine Klimapolitik sind jedoch besser. Ich mag keinen von beiden, aber ich kann beide akzeptieren.»

Unsere Gäste blicken zurück

Chase F. muss nicht lange überlegen um die Amtszeit von Trump zu beschreiben: «Disgusting!» Auch Alexandra Dufresne findet klare Worte: «Ich liebe mein Land mehr als alles andere, aber es ist hart Amerika, gegen aussen zu verteidigen. Gerade in der Schweiz. Es ist schwierig, zu erklären, weshalb man z.B. die Leute vom Wählen abhält, wieso man andere demokratische Staaten beleidigt, aber mit Tyrannen Freundschaften schliesst. Glücklicherweise sehen viele in Europa, dass es Populismus nicht nur in Amerika gibt.» Michael B. fand Trumps Amtszeit grenzte an Komik. Alexandra Dufresne widerspricht ihm: «Amerika ist hart von der Corona-Pandemie getroffen. Fast jeder Amerikaner kennt jemanden, der an Covid gestorben ist. Das hat mit Komik schon längst nichts mehr zu tun. Es geht um Leben und Tod.»

«Ich finde es unangebracht, über den möglichen Tod des Präsidenten zu sprechen»

Chase F. hält fest: «Es ist tatsächlich so, egal ob Biden oder Trump gewählt wird, es wird der älteste Präsident in der amerikanischen Geschichte sein.» Wie realistisch das Szenario ist, dass der zukünftige Präsident seine Amtszeit nicht überleben wird, darüber möchte niemand sprechen. «Ich finde es unangebracht über den möglichen Tod eines Präsidenten zu sprechen», sagt Alexandra Dufresne. Ashleigh Zambada betont: «Wenn wir wählen, wählen wir immer auch den Vize. Im Wissen, dass wir auch mit dieser Person als Präsident leben könnten.» Das sei für sie ein weiterer Grund gewesen, um für Biden zu stimmen, so Ashleigh Zambada. «Ich kann gut mit Kamala Harris leben. Aber ich finde, der erzkonservative Mike Pence ist schlimmer als Trump.»

US-Rechts-Expertin Alexandra Dufresne mit einer ersten Einschätzung zum Wahlkampf

 (Video: T. El Sayed / M. Kall)

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