02.09.2015 21:15

Ecuadorianische Botschaft

Vier Fluchtwege für Julian Assange

Der Zwangsaufenthalt von Wikileaks-Gründer Assange in Ecuadors Botschaft in London ist für alle belastend. Entsprechend tüftelte man an Auswegen aus der verfahrenen Situation.

von
sut
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Seit über drei Jahren hält sich WikiLeaks-Gründer Julian Assange als Asylant in der Botschaft Ecuadors in London versteckt. Dort empfängt er Prominenz aus aller Welt. Bild: mit dem amerikanischen Schwarzenführer Jesse Jackson (links) am 21. August 2015.

Seit über drei Jahren hält sich WikiLeaks-Gründer Julian Assange als Asylant in der Botschaft Ecuadors in London versteckt. Dort empfängt er Prominenz aus aller Welt. Bild: mit dem amerikanischen Schwarzenführer Jesse Jackson (links) am 21. August 2015.

epa/yui mok
Bei seinen Wutausbrüchen kann sich Assange schwer kontrollieren. Laut internen Berichten stiess er im September 2012 im sicheren Kommunikationsraum der Botschaft Computer um.

Bei seinen Wutausbrüchen kann sich Assange schwer kontrollieren. Laut internen Berichten stiess er im September 2012 im sicheren Kommunikationsraum der Botschaft Computer um.

Ecuadorianischer Regierungsbericht via Buzzfeed
Im nachfolgenden Januar krachte in Assanges Zimmer das Büchergestell zu Boden - selbsttätig, behauptet der Botschaftsgast.

Im nachfolgenden Januar krachte in Assanges Zimmer das Büchergestell zu Boden - selbsttätig, behauptet der Botschaftsgast.

Ecuadorianischer Regierungsbericht via Buzzfeed

Das Personal der ecuadorianische Botschaft in London scheint von Julian Assange langsam genug zu haben. Wie Buzzfeed Botschaftsdokumenten entnimmt, hat sich der 44-jährige Wikileaks-Gründer seit seiner Ansiedlung im Botschaftsasyl mehrere Male Wutausbrüche geleistet, die Sicherheitsprobleme für das Personal aufwarfen. Laut einem internen Bericht müsse auch «der Zugang zu Alkohol kontrolliert werden».

Am liebsten würden die Diplomaten den ungebetenen Gast aus der Botschaft entfernen und nach Ecuador überstellen. Assange selbst leidet unter Stresssymptomen und würde wohl auch lieber in einem fernen Land Zuflucht suchen. Das Gebäude, in dem sich die Botschaft als eine von mehreren Mietern befindet, wird nämlich von britischen Sicherheitsleuten rund um die Uhr bewacht. Regelmässig sollen über 20, teilweise gar über 50 Agenten und Polizisten im Einsatz stehen.

Möglichkeiten, die Briten auszutricksen

Buzzfeed zeigt Fotos handschriftlicher Einsatzbefehle. Darin werden die Polizisten angewiesen, «Assange unter allen Umständen zu verhaften». Die Metropolitan Police wolle den Flüchtigen festnehmen, weil er seine Kaution gebrochen habe, erklärt eine Auskunftsperson der Polizeibehörde.

Laut einem ecuadorianischen Dokument haben die Diplomaten die britischen Einsatzbefehle studiert und nach Möglichkeiten gesucht, sie zu umgehen. Das Diagramm erwähnt vier denkbare Wege, wie Assange aus dem Gebäude geschafft werden könnte:

1. Als «Botschafter» Assange

Erwogen wurde die Option, Assange zum Vertreter Ecuadors bei den Vereinten Nationen zu erklären. Dann genösse er diplomatische Immunität und könnte unbehelligt aus dem Gebäude der Botschaft spazieren. Als Gegengrund wird erwähnt, dass die Uno-Generalversammlung Assanges Status rückgängig machen könnte. Doch dieser Prozess dürfte ausreichend lange dauern, so dass der Asylant nach Ecuador reisen könnte.

2. Im geschützten Botschaftsauto

Als diplomatisches Gefährt könnte ein Auto Assange als Insassen vor dem Zugriff der Polizei bewahren. Unklar ist indes, wie der Gast ins Auto gelangen könnte. «Die Polizei besetzt die Eingangshalle, die Treppen und die Liftausgänge», schreibt die Botschaft in dem Diagramm. «Die britische Polizei ist auf allen Routen zu finden, auf denen Assange zu einem Diplomatenwagen gelangen könnte.»

3. Im Diplomatenkoffer

Behörden des Gastlands dürfen diplomatische Post nicht öffnen, auch wenn es sich um ein grösseres Paket handelt. Diese Regel gelte jedoch nur, wenn es sich um normalen Postverkehr handle, wird eingeschränkt. Zudem verfügten die Briten über «fortgeschrittene Technologie zur Feststellung von Körperwärme», heisst es. Angeblich «bombardieren» Agenten das Gebäude mit Mikrowellen, um alle Signale aus der Botschaft auffangen zu können.

4. Im Karnevalskostüm, per Heli oder in der Menge

Als letzte Möglichkeit erwähnen die Ecuadorianer, Assange könnte sich geschickt verkleiden, um die britischen Späher auszutricksen. Oder er könnte über die Hausdächer zu einem Helikopterlandeplatz gelangen. Oder sich in der Menschenmenge des Harrods-Warenhauses verlieren. Doch auch diese wohl nicht ganz ernst gemeinten Ideen sind bisher nicht getestet worden.

So bleibt der Wikileaks-Gründer vorläufig in seinem Botschaftsasyl. Das ärgert weiterhin die Ecuadorianer, die Londoner Polizei – und auch Assange selbst.

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