Ski-WM-Rückblick: Vier Hoffnungsträger und ein Superstar
Aktualisiert

Ski-WM-RückblickVier Hoffnungsträger und ein Superstar

Was bleibt von der Ski-WM in Schladming? Für die Schweiz nicht viel. Für Österreich eine Gewissheit. Und für die USA ein Gefühl zwischen Himmel und Hölle. Die Bilanz.

von
Herbie Egli
Schladming

Wie vor zwei Jahren in Garmisch-Partenkirchen muss sich die Schweiz an der Ski-WM in Schladming mit einer Medaille zufrieden geben. 2011 gewann Didier Cuche Silber in der Abfahrt, nun sicherte sich Lara Gut im Super-G das gleiche Edelmetall. Sonst konnten die Eidgenossen nicht um Medaillen fahren. Da gaben andere Athleten den Ton an.

Im ersten Rennen die erste Medaille: Besser hätte die WM für die Schweiz nicht beginnen können. Lara Gut hatte mit der Silbernen im Super-G dem Team bereits den Druck von den Schultern genommen. Die Frage von der ersten Medaille war geklärt. Während Gut ihr drittes WM-Edelmetall einheimste, ging Dominique Gisin einmal mehr bei einem Grossanlass leer aus. Ihr Sturz in der Abfahrt, der ihr einen Mittelhandbruch und Prellungen bescherte, ist sinnbildlich dafür. Der vierte Platz von Nadja Kamer in diesem Rennen und der fünfte Rang von Sandro Viletta in der Super-Kombi sind als Überraschungen zu werten. Die knapp verpassten Medaillen tun weh.

Janka wirft den Bettel hin

Die Männer zeigten das, was man von ihnen erwartet hatte. Zum Teil ansprechende Leistungen, aber nicht mehr. Der WM-Winter ist zu verkorkst. Bei Silvan Zurbriggen waren Anzeichen der Besserung zu erkennen. Ob er diese bestätigen kann, ist ungewiss. Ein grosses Fragezeichen muss hinter Carlo Janka gesetzt werden. Der ehemalige Weltmeister und Olympiasieger ist weit von seiner Topform entfernt. Dass er im Riesenslalom nicht mehr zum zweiten Lauf antrat, weil er sich müde und körperlich kraftlos fühlte, weckt Erinnerungen an seine Zeit vor zwei Jahren, als er mit einem Virus und Herzproblemen kämpfte. Am Dienstag lässt sich der ehemalige Champion untersuchen.

WM-Bilanz von Swiss Ski

Im Gegensatz zu den arrivierten Schweizer Athleten sorgten die WM-Neulinge für Freude. Der 20-jährige Gino Caviezel rettete mit dem 15. Platz im Riesenslalom die Schweizer Ehre und die 19-jährige Wendy Holdener zeigte mit dem 11. Platz im Slalom, dass sie sich der Weltspitze nähert. Auch der dreifache Junioren-Weltmeister Reto Schmidiger und der 20-jährige Ramon Zenhäusern sind ein Versprechen für die Zukunft. Etablieren sich diese Fahrer im Weltcup, können sie bei der nächsten WM im Team-Event für mehr Furore sorgen, als hier in Schladming, wo im ersten Duell gegen Kanada bereits Schluss war.

Himmel und Hölle bei den Amis

Unbestrittener Star der WM ist Ted Ligety. Der Amerikaner gewann drei Goldmedaillen, was zuletzt dem Franzosen Jean-Claude Killy vor 45 Jahren gelang. Ligety sicherte sich die WM-Titel im Super-G, der Super-Kombination und im Riesenslalom. Für Ligetys Landsfrau Lindsey Vonn war die WM dafür nach dem ersten Rennen bereits vorbei. Sie verletzte sich nach einem Sturz im Super-G schwer am Knie und fällt lange aus. Die 28-Jährige arbeitet bereits wieder an ihrem Comeback.

Überraschend stark präsentierte sich Frankreich. Die Frauen triumphierten mit den beiden Goldmedaillen in der Abfahrt (Marion Rolland) und im Riesenslalom (Tessa Worley). Im Super-G der Männer gewann Gauthier de Tessières Silber. Er rückte überhaupt erst ins WM-Kader, weil sich Johan Clarey kurz vor dem Grossanlass verletzte. David Poisson sicherte der Grande Nation in der Abfahrt ausserdem die Bronzemedaille, was die Franzosen hinter den USA und Österreich auf den dritten Platz im Medaillenspiegel brachte.

Österreichs Gewissheit: auf Hirscher ist Verlass

Österreich musste bei der Heim-WM lange unten durch. Die erhofften Medaillen blieben zu Beginn aus, Kritik wurde laut. Einzig Nicole Hosp gewann in der Super-Kombi Bronze. Erst als Marcel Hirscher in der zweiten Woche im Team-Event seinen ersten Auftritt hatte, gab es Gold. Der lokale Superstar hielt dem Riesendruck weiter stand und krönte sich zum Abschluss mit dem WM-Titel im Slalom. Im Riesenslalom gewann er Silber. Die rot-weiss-rote Nation darf schlussendlich auf eine gelungene WM zurückblicken. Sie war gut organisiert und die Fans verwandelten das Zielstadion der Planai mit ihrer Euphorie in einen Hexenkessel.

Deine Meinung