Neue Berechnungen - Vier Prozent aller Krebserkrankungen weltweit mit Alkohol verbunden
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Neue BerechnungenVier Prozent aller Krebserkrankungen weltweit mit Alkohol verbunden

Das allabendliche Gläschen Wein oder der Halbliter Bier könnten dem ein oder anderen künftig nicht mehr ganz so gut schmecken. Denn schon diese Menge erhöht laut Expertinnen und Experten bereits das Krebsrisiko.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Für viele Menschen gehört zu einer richtigen Party auch Alkohol dazu. Bevor man allerdings kräftig zulangt, ...

Für viele Menschen gehört zu einer richtigen Party auch Alkohol dazu. Bevor man allerdings kräftig zulangt, ...

Flickr.com/Brad K./CC BY 2.0
... sollte man sich bewusst machen, dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein.

... sollte man sich bewusst machen, dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein.

Flickr.com/Michael Smith/CC BY 2.0
Doch wie so oft gelten auch hier die viel zitierten Worte des Schweizer Mediziners Paracelsus (1493–1541), der frei übersetzt sagte: «Die Dosis macht das Gift.» Soll heissen: Gegen Alkohol spricht nichts, solange er massvoll getrunken wird.

Doch wie so oft gelten auch hier die viel zitierten Worte des Schweizer Mediziners Paracelsus (1493–1541), der frei übersetzt sagte: «Die Dosis macht das Gift.» Soll heissen: Gegen Alkohol spricht nichts, solange er massvoll getrunken wird.

Wikimedia Commons/PD

Darum gehts

  • Über 740’000 Fälle von Krebserkrankungen weltweit hängen mit dem Konsum von Alkohol zusammen.

  • Zu diesem Schluss kommt ein Expertengremium.

  • Die Mitglieder haben konkrete Forderungen.

Rund vier Prozent aller im Jahr 2020 diagnostizierten Krebserkrankungen weltweit könnten nach Einschätzung von Forschenden mit dem Konsum von Alkohol zusammenhängen. Exakt 741’000 Fälle, wovon rund drei Viertel auf Männer entfielen. Davon berichtet das Team um Harriet Rumgay von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon im Fachjournal «The Lancet Oncology».

Zwar gingen die meisten Krebserkrankungen auf starken Alkoholkonsum und Komasaufen zurück, so die Forschenden. Doch bereits zwei Drinks am Tag können schwerwiegende Folgen haben: Ihren Berechnungen zufolge gingen 14 Prozent der Krebsdiagnosen im Jahr 2020 auf solch mässige Mengen Alkohol (siehe Box) zurück. Riskanter Konsum führte zu 39 Prozent und starker Konsum zu 47 Prozent der neuen Krebsfälle.

So lief die Studie ab

Für die Arbeit ermittelten die Forschenden zunächst den Alkoholkonsum pro Person und Land für das Jahr 2010. Diese Daten kombinierten sie mit den neu diagnostizierten Krebserkrankungen im Jahr 2020. Dabei konzentrierten sie sich auf jene Krebsarten, für die ein Zusammenhang mit Alkohol bereits nachgewiesen wurde. Den Abstand von zehn Jahren wählten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, weil es etwa zehn Jahre dauert, bis Alkoholkonsum zu Krebs führt. Auf diese Weise konnten sie die Zahl der auf Alkohol zurückzuführenden Krebsfälle pro Land abschätzen.

Als mässigen Alkoholkonsum definierten sie 0,1 bis 20 Gramm Alkohol (ein bis zwei Gläser) pro Tag, die tägliche Aufnahme von 20 bis 60 Gramm (zwei bis sechs Gläser) und die von mehr als 60 Gramm (mehr als sechs Gläser) als starken Alkoholkonsum.

Um die Folgen des Konsums auf jede der einbezogenen Krebsarten abzuschätzen, verwendeten die Forschenden Zahlen aus bestehenden wissenschaftlichen Berichten, die das Risiko für diese Krebsart durch Alkoholkonsum (pro 10 Gramm Alkohol pro Tag) beschreiben.

Neue Erkenntnisse, bekannte Forderungen

Nach Angaben der Studie beschädigt Alkohol die menschliche DNA und beeinflusst den Hormonhaushalt im Körper, was zu einer Krebserkrankung beitragen kann. Besonders häufig im Zusammenhang mit Alkohol seien Speiseröhren-, Leber- und bei Frauen auch Brustkrebs. Weiter, so schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, könne Alkohol auch die krebserregende Wirkung anderer Substanzen wie etwa Tabak verschlimmern.

Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern, diese weitgehend ignorierte Gefahr mehr zu thematisieren: «Wir müssen dringend das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebsrisiko bei politischen Entscheidungsträgern und der allgemeinen Öffentlichkeit schärfen.»

Die Forderungen sind nicht neu. Schon im Jahr 2017 forderten die Autorinnen und Autoren einer im Fachjournal «The Lancet» erschienenen Studie Warnhinweise auf Wein, Bier und Spirituosen. Zwei Jahre später kam ein anderes Forschungsteam zu dem Schluss, dass eine Flasche Wein so schlimm wie zehn Zigaretten ist.

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