Vier Prozent weniger IV-Neurenten
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Vier Prozent weniger IV-Neurenten

Die Zahl der Neurenten bei der Invalidenversicherung (IV) hat sich stabilisiert. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden im Vergleich zur Vorjahresperiode vier Prozent weniger Neurenten zugesprochen. Der Schuldenberg der IV ist jedoch nach wie vor enorm.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres haben die IV-Stellen 9.300 Neurenten zugesprochen - das sind 500 oder vier Prozent weniger als in der gleichen Vorjahresperiode, wie das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) am Donnerstag mitteilte. Das Total der Renten hat mit 253.200 seit Januar dieses Jahres leicht abgenommen. Insgesamt könne von einer Stabilisierung der laufenden Renten gesprochen werden, schreibt das BSV.

Die Zahlen wiesen auch darauf hin, dass sich auch die Zahl der Neurenten abflachen dürfte. So hätten sich die erstmaligen Anmeldungen und die Ablehnungsquote erstmals auf dem Niveau des Vorjahressemesters stabilisiert. Zudem hat die Zahl der Neurenten im ersten Semester 2007 viel weniger stark abgenommen als in der Vorjahresperiode, als der Rückgang 18 Prozent betrug. Die kleinere Zahl der Neurenten ist laut BSV eine Nachwirkung des rückläufigen Anmeldungen bis 2006, über die 2007 entschieden wurde. Das BSV nimmt zudem an, dass die Unternehmen wegen der steigenden Kosten des IV-Risikoanteils der 2. Säule weniger Angestellte via Invalidität «vorzeitig pensionierten».

Riesige Finanzierungslücke

Trotz der Stabilisierung ändere sich am Reformbedarf bei der IV nichts, denn auch das Defizit verharre auf hohem Niveau, schreibt das BSV weiter. Per Ende 2007 erwartet das BSV ein Finanzloch von 1,7 Milliarden Franken - 2006 hatte das Defizit 1,6 Milliarden betragen. Die Massnahmen der 5. IV-Revision würden zur Sanierung nicht reichen: Bei jährlichen Defiziten in der Grössenordnung von 1,6 Milliarden Franken erlaube die Revision eine durchschnittliche Entlastung von 320 Millionen Franken. Ohne Massnahmen auf der Einnahmenseite werde die IV noch lange rote Zahlen schreiben.

Die Sozialversicherung sitze auf einem enormen Schuldenberg: Die IV stand beim AHV/EO-Fonds im vergangenen Juni mit 10,4 Milliarden Franken in der Kreide - bis Ende Jahr dürften die Schulden auf elf Milliarden anwachsen. Mittlerweile betragen die Schuldzinsen gemäss BSV 147 Millionen Franken, was mehr ist als die Ausgaben der IV für Hilfsmittel in der Höhe von 117 Millionen Franken. Wenn sich die IV weiter beim AHV/EO-Fonds verschulden müsse, sei die Liquidität der AHV und der Erwerbsersatzordnung EO gefährdet. Die IV brauche dringend zusätzliche Einnahmen, lautet der Appell des BSV. (dapd)

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