Tiefe Erwerbsquote: Vier von fünf Eritreern im Aargau haben keinen Job
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Tiefe ErwerbsquoteVier von fünf Eritreern im Aargau haben keinen Job

Die Integration von Flüchtlingen führt über Sprache und Arbeit. Hapert es an Ersterem, klappt es auch mit dem Zweiten kaum.

von
ofi
Im Kanton Aargau befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Arbeitsintegration: Asylbewerber in einem Durchgangszentrum im Tessin. (Archivbild)

Im Kanton Aargau befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Arbeitsintegration: Asylbewerber in einem Durchgangszentrum im Tessin. (Archivbild)

Keystone/Gabriele Putzu

Von allen Menschen, die als Flüchtlinge in die Schweiz kommen und um Asyl ersuchen, wird derzeit über die Eritreer wohl am meisten diskutiert. Dies nicht erst, seit eine Parlamentariergruppe um SVP-Nationalrat Thomas Aeschi und die Grüne Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli in das ostafrikanische Land gereist sind und eine Neubeurteilung der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Eritrea vorgeschlagen haben.

Zahlen des Staatssekretariats für Migration zeigen, wie es im Kanton Aargau um die Integration von Eritreern auf dem Schweizer Arbeitsmarkt steht. Ende Januar lebten 2191 Eritreer im Kanton, 999 davon als anerkannte Flüchtlinge. 1192 befinden sich in einem Asylverfahren, wovon 441 vorläufig aufgenommen wurden – sie haben zwar kein Asyl, können aber in der Schweiz bleiben, weil eine Rückführung unzumutbar ist.

Die anerkannten Flüchtlinge sowie die vorläufig Aufgenommenen dürfen sich eine Arbeit suchen. Nur klappt das grösstenteils nicht, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Die Zahlen zeigen, dass gerade einmal 16,6 Prozent der vorläufig aufgenommenen Eritreer im erwerbsfähigen Alter arbeiten. Über alle Nationalitäten gerechnet sind es 32,2 Prozent, fast doppelt so viele.

Sprache und Alphabetisierung sind die höchsten Hürden

Erstaunlich sei vor allem der Vergleich mit Menschen aus Somalia, so die «Aargauer Zeitung». Für diese Gruppe liegt die Erwerbsquote nämlich bei 42 Prozent. Diese Differenz zwischen den ostafrikanischen Nachbarländern sieht Balz Bruder, Sprecher des Aargauer Sozialdepartements, primär bei der Alphabetisierung und der Sprache. «Erstens bilden die Eritreer eine grosse Gruppe und zweitens verfügen bei ihnen mit Blick auf die genannten Faktoren nicht wenige über nicht optimale Ausgangsbedingungen.»

Etwas besser sieht es für anerkannte Flüchtlinge aus Eritrea aus. Hier liegt die Erwerbsquote bei 18,6 Prozent und damit nur knapp unter dem kantonalen Durchschnitt von 20,6 Prozent. Je länger die Menschen in der Schweiz leben, desto höher wird die Quote. Von den Eritreern, die seit vier bis fünf Jahren im Aargau leben, arbeiten 27,8 Prozent.

Der Kanton hat sich der Problematik angenommen, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, und eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Balz Bruder sagt: «Diese ist nun daran, Massnahmen zu erarbeiten, dabei geht es schwergewichtig um die Erwerbsintegration.»

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