Organspende - Vier von fünf Kinderherzen kommen aus dem Ausland
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OrganspendeVier von fünf Kinderherzen kommen aus dem Ausland

Die Zahlen der Organtransplantationen in der Schweiz sind rückläufig. Während die Wartelisten länger werden, wird die internationale Zusammenarbeit immer wichtiger.

von
Nathan Keusch
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Seit April 2019 seien die Spenderzahlen in der Schweiz rückläufig, teilt Swisstransplant mit. Im Jahr 2020 war die Zahl der Transplantationen tief, die Wartelisten wurden länger und die Sterberate auf der Nationalen Warteliste ist um über 50 Prozent angestiegen im Vergleich zu 2019.

Seit April 2019 seien die Spenderzahlen in der Schweiz rückläufig, teilt Swisstransplant mit. Im Jahr 2020 war die Zahl der Transplantationen tief, die Wartelisten wurden länger und die Sterberate auf der Nationalen Warteliste ist um über 50 Prozent angestiegen im Vergleich zu 2019.

Swisstransplant
«Geht der Trend so weiter, könnte die Zahl der jährlichen Transplantationen von 500 auf 400 sinken», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer.

«Geht der Trend so weiter, könnte die Zahl der jährlichen Transplantationen von 500 auf 400 sinken», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer.

Swisstransplant
Während die Spenderzahlen in der Schweiz sinken, wird die internationale Zusammenarbeit in der Transplantationsmedizin immer wichtiger. So werden jährlich rund 60 Organe aus dem Ausland in der Schweiz in einen Menschen eingesetzt.

Während die Spenderzahlen in der Schweiz sinken, wird die internationale Zusammenarbeit in der Transplantationsmedizin immer wichtiger. So werden jährlich rund 60 Organe aus dem Ausland in der Schweiz in einen Menschen eingesetzt.

Team_TDG

Darum gehts

  • In der Schweiz kommt es zu immer weniger Organspenden.

  • Angehörige tun sich schwer, für die Verstorbenen zu entscheiden.

  • Der Bundesrat möchte ein neues Transplantationsgesetz.

  • Der internationale Austausch von Spenderorganen wird immer wichtiger.

Swisstransplant befürchtet einen drastischen Rückgang der Organtransplantationen: Seit April 2019 seien die Spenderzahlen in der Schweiz rückläufig, teilt die Organisation am Montag mit. «Geht der Trend so weiter, könnte die Zahl der jährlichen Transplantationen von 500 auf 400 sinken», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer. «Bereits im Jahr 2020 war die Zahl der Transplantationen tief, die Wartelisten wurden länger und die Sterberate auf der Nationalen Warteliste ist um über 50 Prozent angestiegen im Vergleich zu 2019.»

Einen Grund für die sinkenden Zahlen sieht Immer in der Coronakrise. «Gerade während der ersten Welle war das Gesundheitssystem sehr angespannt und es wurden weniger Organe entnommen und eingesetzt. Hauptgrund der Entwicklung sei aber die hohe Ablehnungsrate unter den potenziellen Spendern oder deren Angehörigen, die nach dem Tod über den Verbleib der Organe entscheiden müssen. «In mehr als der Hälfte der Gespräche kennen die Angehörigen den Wunsch des Verstorbenen nicht und tun sich schwer, in dieser Situation stellvertretend in den Organspendeprozess einzuwilligen», erklärt Immer.

Organe werden in Europa verteilt

Aber nicht alle Spenderorgane in der Schweiz finden auch einen passenden Empfänger. Immer: «In der Transplantationsmedizin ist die internationale Zusammenarbeit in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.» Über die Plattform FOEDUS (Facilitating Exchange of Organs Donated in EU Members States) und bilaterale Wege verteile die Schweiz jährlich fünf bis zehn Organe ins nahe Ausland.

«Hat ein Spender beispielsweise eine seltene Blutgruppe, findet man manchmal keinen passenden Empfänger im eigenen Land», sagt Immer. Sei dies der Fall, werde das Organ zunächst engen Partnerländern wie Frankreich angeboten. Gibt es auch dort keinen Bedarf, werde es schliesslich über FOEDUS in ein anderes europäisches Land vergeben. «Bei der Transplantation zählt jede Minute.» Auf den Empfänger könne man nicht warten.

«Gleichzeitig werden jedes Jahr rund 60 Organe in die Schweiz importiert», sagt Immer. Diese Zahl habe während Corona sogar noch zugenommen. Auf die Unterstützung aus dem Ausland greife man meistens in dringenden Fällen wie akutem Leberversagen zurück. Vor allem in einem Bereich sei der internationale Organaustausch nicht mehr weg zu denken: «Von fünf Herzen, die in der Schweiz einem Kind eingesetzt werden, stammen vier aus dem Ausland», sagt Immer. Grösse und Gewicht von Spender und Empfänger müssten hierbei sehr genau passen.

Bringt das neue Transplantationsgesetz die Wende?

Der Nationalrat entscheidet am Mittwoch über das neue Transplantationsgesetz. Bis jetzt dürfen Organe von Toten ohne die Einwilligung der Angehörigen nicht entnommen werden. Der Bundesrat will dies nun neu regeln: Wer nach dem Tod seine Organe nicht spenden möchte, soll das künftig explizit festhalten müssen. Falls die Angehörigen der Organspende nicht widersprechen, werden diese entnommen.

An dieser Lösung findet auch Immer Gefallen. Aber auch mit einem neuen Gesetz bleibe es wichtig dass der Wille der verstorbenen Person bekannt ist. «Das entlastet die Angehörigen und das Spitalpersonal», sagt Immer. Momentan seien im nationalen Organspenderegister 120’000 Menschen eingetragen, von denen rund 90 Prozent einer Organentnahme zusagen. «Wir gehen von einer Ablehnungshaltung von 15 Prozent in der Gesamtbevölkerung aus.» Wichtig sei, sich der Frage zu stellen, bevor es zu spät ist und diese auch zu kommunizieren. «Dies kann man auch noch bis ins hohe Alter machen. Der durchschnittliche Organspender ist 65 Jahre alt.»

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Hier findest du Hilfe:

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Intensiv-Kids, Elternvereinigung

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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