Aktualisiert 07.04.2020 09:19

Pigniu GR

«Vier Wölfe schlichen um unseren Hof»

Leser-Reporterin Edith Spescha sah, wie vier Wölfe auf ihrem Bauernhof herumschlichen. Der Vorfall bereitet ihr schlaflose Nächte.

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«Wir hatten extrem Angst und wussten nicht, was wir machen sollen», erzählt Leser-Reporterin Edith Spescha von ihrem schockierenden Erlebnis. Am Montagmorgen fütterte Spescha mit ihrem Ehemann Hubertus wie jeden Tag die Tiere auf ihrem Bauernhof in Pigniu GR. Als sie sich gegen 7.15 Uhr zu ihrem Frühstück begaben, sei ihrem Ehemann ein Tier aufgefallen. «Wir dachten, es sei ein Fuchs. Wir waren schockiert, als wir realisierten, dass da vier Wölfe auf unserem Bauernhof herumschlichen», so die 50-Jährige.

Die Wölfe seien gemütlich zwischen den zwei Ställen hin und her spaziert. In den Ställen haust momentan eine Herde aus Schafen und ihren 35 neugeborenen Lämmern und Mutterkühen mit ihren Kälbern. Sie hätten auch keinerlei Menschenscheue gezeigt. «Die Wölfe haben auch uns immer wieder angeschaut», so Spescha. Das Ehepaar empfindet den Vorfall als belastend und ist stets angespannt. Dies führe sogar zu Schlafproblemen. «In der Nacht erwache ich ständig, da ich das Gefühl habe, Geräusche aus dem Stall zu hören», sagt Spescha.

Nutztiere auf den Weiden in Gefahr

Doch der Vorfall sei nicht der erste. Bereits im März und November 2019 konnte die Bäuerin Wölfe in ihrer Umgebung beobachten. «Man merkt, dass die Population der Wölfe in letzter Zeit stark wächst», so die Bäuerin. Das Ehepaar und weitere Bauernfamilien würden sich trotz aufwendigem Herdenschutz insbesondere Sorgen um das zukünftige Weiden ihrer Tiere im Frühling und im Sommer machen. «Ich will nicht jeden Tag auf die Weide gehen und mich fragen, ob ich lebendige oder tote Tiere auffinden werde», sagt Spescha.

Laut Spescha wurde bisher keines ihrer Tiere von einem Wolf gerissen. Doch bei einem Bauern aus der Umgebung wurden bereits auf der Alp viele Tiere von den Wölfen gerissen. «Man merkt, dass die Bevölkerung teils wütend und verunsichert ist. Einerseits müssen wir die Wölfe tolerieren, andererseits Angst um unsere Tiere haben», so Spescha.

Noch am gleichen Tag kam ein Wildhüter zum Bauernhof der Speschas, um die Situation vor Ort zu analysieren. Er habe sogar die Nacht vor Ort verbracht und gewartet, ob die Wölfe wieder zurückkehren. Doch in der Umgebung des Bauernhofs waren in derselben Nacht und bisher keine Wölfe mehr zu sehen. «Um unsere Tiere zu schützen, haben wir nun stromgeladene Netze an unserem Stall montiert», sagt Spescha.

Wölfe sind unter Beobachtung

Adrian Arquint, Vorstehender des Amts für Jagd und Fischerei im Kanton Graubünden, ist der Fall bekannt. «Die Wölfe gehören dem Rudel Ringelspitz an», weiss er. «Ein Wildhüter war vor Ort. Aufgrund der Filmaufnahme kann man noch nicht von einem auffälligen Verhalten sprechen. Im Winter ist das Wild in Dorfnähe, so auch die Wölfe», so Arquint. In Pigniu habe man Wildhüter postiert, um zu beobachten, ob die Wölfe

zurückkehrten und – falls nötig – Vergrämungsschüsse abzugeben. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen.

Spescha habe sich mit der Video-Aktion in keine gefährliche Lage begeben. «Ich kann die Angst und Unsicherheit aber vollkommen nachvollziehen. Obwohl Wölfe menschenscheu sind, sind sie Wildtiere», sagt Arquint. Auch er spüre die Bedenken der Bevölkerung. Daher versuche man, mit Informationsanlässen und aktiven Gesprächen die Landwirte und die Bevölkerung für das Thema Wölfe zu sensibilisieren. Doch das Amt sei sich der Gefahr für die Nutztiere im Frühling und Sommer bewusst, da sie insbesondere auf den ungeschützten Weiden leicht zugänglich für Wölfe sind.

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