Kilchberg ZH: Viereinhalb Jahre für «primitiven Macho» gefordert
Aktualisiert

Kilchberg ZHViereinhalb Jahre für «primitiven Macho» gefordert

Laut Anklage hat türkischer Kurde in Kilchberg seine junge Lebenspartnerin bis zu 60mal neben der Kinderwiege vergewaltigt.

von
Attila Szenogrady

Während die Staatsanwaltschaft einen hohen Freiheitsentzug verlangte, sprach der Verteidiger von Lügen und setzte sich für die sofortige Haftentlassung seines Klienten ein.

Selbst gemäss den Angaben des Verteidigers ist der heute 32-jährige Angeklagte kaum ein Sympathieträger. Vor acht Jahren wanderte der von sich selbst überzeugte und aufbrausende Kurde in die Schweiz ein und bandelte schon bald gleichzeitig mit mehreren Schweizer Frauen an. Ein davon heiratete er, verliess sie aber kurz darauf. Im Frühling 2006 lernte er eine heute 22-jährige Schülerin aus Kilchberg kennen.

Vergewaltigungen neben der Wiege?

Zuerst war es für die junge Schweizerin die grosse Liebe. Nach wenigen Monaten lernte sie aber die Kehrseite ihres charmanten Verehrers kennen. So gebärdete er sich immer kontroll- und eifersüchtiger. Als die Geschädigte im dritten Monat schwanger war, schlug er sie erstmals zusammen. Im Januar 2007 kam eine gemeinsame Tochter zur Welt. Die Kilchbergerin freute sich über das junge Familienglück. Doch damit war es laut Anklage bald wieder vorbei. Einen Monat nach der Geburt des Kindes verlangte er Sex. Als sie sich weigerte, zwang er sie neben der Wiege des Säuglings zum Geschlechtsverkehr. In den folgenden Monaten widerholte sich diese Szenerie immer wieder. Die Staatsanwaltschaft rechnete bis zum September 2007 rund 60 sexuelle Uebergriffe hoch.

Dreieinhalb Jahre in Horgen

Im Frühjahr 2008 eskalierte die Situation. Die Geschädigte verzeigte den Angeklagten, der seit dem Frühling 2008 im Gefängnis sitzt. Im Juli 2009 erhielt er am Bezirksgericht Horgen wegen mehrfacher Vergewaltigung sowie diversen weiteren Delikten eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Die Verteidigung ging in die Berufung und präsentierte am Dienstag vor Obergericht neue «Entlastungsbeweise». Es handelte sich um diverse angebliche Liebes-SMS, die das Opfer seinem Klienten gesendet haben soll. Vor, während und nach den eingeklagten Vergewaltigungen. Allerdings waren es keine Original-Nachrichten, sondern Aufzeichnungen, die der Angeklagte in seinem Kopf aufbewahrt haben will. Die echten Speicherkarten habe ein Gefängnisaufseher gelöscht, sagte er. Da die Botschaften bis auf den Mai 2006 zurückgingen, sprach der zuständige Staatsanwalt Ulrich Weder den Schriften jeglichen Beweiswert ab und von einem blanken Unsinn.

Straferhöhung oder Haftentlassung

Staatsanwalt Weder bezeichnete den Angeklagten als primitiven Macho und verlangte eine markante Straferhöhung auf viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Bei der Geschädigten handle es sich dagegen um ein klassisches Missbrauchsopfer, das langer geschwiegen habe.

Der Verteidiger stellte die junge Mutter hingegen als berechnende Lügnerin dar. Sie habe ihren Freund und Vater des Kindes wegen eines neuen Partners loswerden wollen. Bei den sexuellen Handlungen habe es sich nicht um Vergewaltigungen, sondern um gesellschaftseingebundene Formen von Prostitution gehandelt, plädierte er und verlangte die sofortige Haftentlassung. Das Obergericht wird sein Urteil in den nächsten Tagen eröffnen.

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