Aktualisiert 27.07.2015 18:30

GeschlechterfrageViermal mehr Cannabis-Psychosen bei Männern

Wenn es um Psychosen im Zusammenhang mit dem Kiffen geht, spielt das Geschlecht eine Rolle. Das legt eine britische Studie nahe.

von
jcg

Mehr als ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren hatte schon Erfahrung mit Cannabis. Mindestens 190'000 kiffen regelmässig. Bei den meisten bleibt das ohne langfristige Folgen für die Psyche. Doch für diejenigen, die eine psychische Störung entwickeln, können die Folgen verheerend sein. Cannabis kann vorübergehend zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen führen oder im schlimmsten Fall gar zu Schizophrenie.

Ein Forscherteam aus England hat nun untersucht, ob Männer und Frauen gleichermassen von sogenannten Cannabis-Psychosen betroffen sind. Dafür verglichen sie Zahlen aus Grossbritannien über einen Zeitraum von elf Jahren. Es zeigte sich, dass Männer viermal häufiger als Frauen mit dieser Diagnose ins Spital eingeliefert wurden, wie das Team der Universität York im Fachjournal «Advances in Dual Diagnosis» schreibt.

Dieser grosse Unterschied verblüfft die Forscher. Besonders, da bei Männern die Wahrscheinlichkeit, dass sie kiffen, nur etwa doppelt so hoch ist wie bei Frauen. In einer Umfrage von 2012 gaben hierzulande in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen 30 Prozent der Männer an, schon mal gekifft zu haben, während es bei den Frauen 17 Prozent waren. Ein Trend, der sich in allen Altersgruppen fortsetzt.

Östrogen könnte schützen

Ein möglicher Erklärungsversuch ist, dass Östrogen für Frauen eine Schutzwirkung im Bezug auf Psychosen hat, wie frühere Studien zeigten. Das könnte laut den Forschern die Diskrepanz bei der Geschlechterverteilung erklären.

Allerdings vermuten sie die Ursachen auch bei den Gesundheitsdiensten für die Behandlung von Drogenproblemen und psychische Krankheiten. Dort dominieren jeweils klar die männlichen Patienten, was zu einer gewissen Spezialisierung führt. Deshalb, so die Forscher, dürften die Mediziner bei Männern eher eine Cannabis-Psychose diagnostizieren, während sie bei Frauen mit einer möglicherweise Schwierigkeiten hätten, eine solche zu identifizieren.

Kommt dazu, dass Frauen mit Kindern eher auf einen Arztbesuch verzichten würden. Sie müssten fürchten, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, so der Hauptautor der Studie, Ian Hamilton, im «Independent».

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