Kämpferisch: Vierzig Schweizer trotzen Gaddafi
Aktualisiert

KämpferischVierzig Schweizer trotzen Gaddafi

Während Max Göldi um seine Rückkehr aus Libyen bangt, befinden sich vierzig Schweizer freiwillig im Wüstenstaat. Sie haben Glück, noch nicht Opfer der Willkür zu sein.

von
Amir Mustedanagic
Noch hat Muammar Gaddafi nicht alle Schweizer aus Libyen herausgeekelt: 41 Schweizerinnen und Schweizer leben noch immer im Wüstenstaat.

Noch hat Muammar Gaddafi nicht alle Schweizer aus Libyen herausgeekelt: 41 Schweizerinnen und Schweizer leben noch immer im Wüstenstaat.

Max Göldi wartet seit fast zwei Jahren darauf, in seine Heimat zurückzukehren. Doch noch immer wird er vom unberechenbaren libyschen Herrscher Muammar Gaddafi im Wüstenstaat festgehalten. Aber Göldi ist nicht der einzige Schweizer, der in Libyen sitzt.

Ende letzten Jahres befanden sich neben Göldi und Rachid Hamdani - der zweiten Schweizer Geisel, die damals noch in Libyen festsass - vier weitere Schweizer und 34 Doppelbürger im Gaddafi-Land, wie die Auslandsschweizerstatistik 2009 des Eidgenössischen Departements für Auswärtiges (EDA) zeigt. In der Statistik fehlen die beiden letzten verbliebenen Mitarbeiter der Schweizer Botschaft.

Zahl der Doppelbürger steigt sogar

Die Schweizer Botschaft in Libyen hat nach dem 19. Juli 2008 und der Freilassung von Hannibal Gaddafi zwar alle ihr gemeldeten Schweizer Bürger kontaktiert und ihnen die Ausreise empfohlen, der Empfehlung nachgekommen sind aber längst nicht alle: Die Zahl der Doppelbürger stieg im Jahresverlauf 2009 sogar von 28 auf 34 Personen an (nicht mitgezählt ist die Ex-Geisel Hamdani, der neben der schweizerischen die tunesische Staatsbürgerschaft besitzt). Libyen den Rücken gekehrt haben 2009 sechs Schweizer. Die 38 freiwillig verbliebenen Schweizer und die beiden EDA-Mitarbeiter trotzen folglich als letzte der politischen Krise und dem Wüstenherrscher.

Über die Situation der Schweizer in Libyen ist wenig bekannt. Der Bund steht mit ihnen regelmässig in Kontakt. Wie es ihnen geht und aus welchen Gründen die vierzig Schweizer in Libyen verharren, ist nicht bekannt, beziehungsweise wird nicht kommuniziert. Amnesty International liegen keine Informationen über die allgemeine Situation der Schweizer in Libyen vor.

Rachid Hamdani konnte Libyen im Februar 2010 verlassen. Mit Max Göldi und den beiden Botschaftsmitarbeitern dürften sich also zurzeit 41 Schweizer in Gaddafis Reich aufhalten. Davon sind gemäss der aktuellsten Statistik 16 Frauen, 15 Männer und zehn Kinder unter 18 Jahren. 29 Personen sind zwischen 18 und 65 Jahre alt und zwei älter als 65 Jahre. Die Angaben sind aber nicht auf «Nur-Schweizer» aufgeschlüsselt. Sicher ist einzig: Die vom EDA erfassten Schweizer in Libyen sind nicht verhaftet worden; sie sind von Haftstrafen verschont geblieben und können von Glück reden.

Es hätte jeden treffen können

Im Juli 2008 wurde in Libyen verhaftet, was Rang und Schweizer Pass hatte. Darunter waren auch Max Göldi und der inzwischen freie Rachid Hamdani. Es hätte aber jeden treffen können, sagt Daniel Graf von Amnesty International: «Die Libyer haben einfach ihr Netz ausgeworfen und geschaut, was reingeht.» Diesen Eindruck bestätigte am Mittwoch Hamdani in seinem ersten Interview seit seiner Rückkehr. Tripolis habe Haftbefehle gegen alle Direktoren von Schweizer Firmen in Tripolis erlassen. «Unter den etwa 25 Direktoren waren nur Max und ich Schweizer», so Hamdani gegenüber der Westschweizer «Illustré». Neben Hamdani und Göldi wurden im Juli 2008 rund 50 weitere Personen verhaftet, ausser den beiden Schweizern kamen aber alle Verhafteten im Verlauf des Jahres wieder frei.

Gemutmasst hat man es längst, doch nach den neuerlichen Schilderungen von Hamdani scheint klar: Die Verhaftungen waren willkürlich. «Hätte Libyen einen weiteren Schweizer verhaftet, hätten sie den auch behalten», ist Graf überzeugt. Noch deutlicher wird dieser Eindruck, wenn man betrachtet, wann die beiden Schweizer Geiseln verhaftet wurden: Max Göldi und Rachid Hamdani wurden noch am Tag der Freilassung von Hannibal Gaddafi in Genf am 19. Juli 2008 verhaftet. Dies bestätigten die Brüder von Max Göldi am Donnerstag in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Was bisher nicht bekannt war: Auch Max Göldis Frau Yasuko war von der politischen Krise betroffen. Sie konnte sich zwar in die Botschaft retten, ausreisen durfte sie aber erst nach rund vier Monaten in der Schweizer Botschaft. Sie erhielt im November 2008 gemeinsam mit sechs weiteren Schweizerinnen und Schweizern eine Ausreisegenehmigung.

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Schweizer in Libyen

Per 31.12.2007: Doppelbürger 28 (+3 im Vergleich zum Vorjahr) / Nur-Schweizer 20 (+3)

Per 31.12.2008: 29 (+1) / 13 (-7)

Per 31.12.2009: 35 (+6) / 7 (-6)

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