Aktualisiert 18.12.2008 11:20

«Time-out» mit Klaus ZauggVierzig Sieger gegen Deutschland

Vor 20 Jahren feierten wir Länderspielsiege gegen Deutschland wie sportliche Wunder. Heute haben wir zwei Mannschaften, die stark genug sind, um den Erzrivalen zu bodigen. Das 2:1 nach Verlängerung in Hamburg hat historischen Charakter. Noch nie hatte die Schweiz so viele international taugliche Spieler.

Am 9. November 1989 gelang der Schweiz nach 13 Jahren wieder einmal ein Sieg gegen Deutschland (8:2). Die Deutschen waren damals für uns so schwierig zu besiegen wie im Fussball.

Heute sind Siege gegen Deutschland Pflichtübungen. Von den letzten 15 Partien haben wir nur noch eine verloren. Die letzten zwei Siege sind ganz besonderer Natur: Am 7. November dieses Jahres arbeiteten wir die Deutschen beim Deutschland Cup in Mannheim 1:0 vom Eis. Am letzten Mittwoch folgte nun ein 2:1 n.V. in Hamburg - und nur noch zwei Spieler aus dem Deutschland Cup-Kader vom November waren dabei: Valentin Wirz und Raphael Diaz. Oder anders gesagt: Vierzig verschiedene Spieler waren an den zwei Siegen aktiv beteiligt. Die Schweiz, die jahrelang nicht eine Mannschaft aufstellen konnte, die dazu in der Lage war, gegen Deutschland zu gewinnen, hat jetzt zwei Teams, die den ewigen Rivalen besiegen.

Aus der Not eine Tugend

Nationaltrainer Ralph Krueger hat aus der Not eine Tugend gemacht: Die Spitzenteams monierten zu Recht, dass ein Aufgebot der besten Spieler für alle Länderspieltermine im November, Dezember und Februar plus eine WM eine zu grosse Belastung ist. Deshalb bekommen die Stars Pausen. Diesmal sind beispielsweise keine Spieler des HC Davos mit dabei. Und siehe da: Wir haben eine erstaunliche Anzahl international tauglicher Spieler. Letzte Saison entdeckte Krueger bei den Sichtungen im November und Dezember den Zuger Verteidiger Raphael Diaz. Er wäre früher wohl nie zu einem Nationalmannschaftsaufgebot gekommen. Er bewährte sich in den Testspielen so gut, dass er schliesslich für die WM in Kanada nominiert wurde.

Neuentdeckungen gesucht

Eine Neuentdeckung gibt es vielleicht auch diese Saison - und eine prominente Wiederentdeckung: Plüss, Romano Lemm und Emanuel Peter bildeten bei der Partie am Mittwoch in Hamburg die beste Sturmlinie. Zwei der drei waren bei der letzten WM nicht dabei. Plüss war von Krueger vor der WM ausgemustert worden und Peter stürmte letzte Saison in der NLB beim EHC Biel. Weitab von der Nationalmannschaft.

Dieses Trio harmonierte so gut, dass ein Aufgebot für die WM 2009 in Bern denkbar ist. Plüss war sogar der beste Spieler der Partie. Krueger zeigte sich von allen drei beeindruckt: «Plüss hat sich mit seiner sehr starken Leistung in die Mannschaft zurückgemeldet. Lemms Leistung ist nach der langen Verletzungspause erstaunlich und Peter ist mit seiner Spielintelligenz eine sehr gute Ergänzung.»

Nächster Neuling steht bereit

Die Tore zum 2:1 n.V. Verlängerung schossen freilich andere: Langnaus Mathis Joggi und Zugs Duri Camichel. Auch sie waren an der letzten WM nicht dabei. Und gegen die Slowakei kommt am Freitag in Poprad (17.00 Uhr) schon wieder ein Neuling eine Chance: ZSC-Torhüter Lukas Flüeler.

Krueger wird für die WM die Qual der Wahl haben. Er kann nicht nur aus den 40 aktuellen Siegern über Deutschland auswählen. Zu diesen 46 kommen mit grosser Wahrscheinlichkeit fünf NHL-Profis (Mark Streit, Luca Sbisa, Jonas Hiller, Tobias Stephan und Martin Gerber) plus ein Verteidiger, der noch

kein Länderspiel bestritten hat, aber vielleicht bei der WM spielen wird: Berns Roman Josi, zur Zeit bei der U-20-WM in Herisau im Einsatz.

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