Strafgericht BL - Vietnamesischer Kokain-Dealer (46) als Härtefall anerkannt
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Strafgericht BLVietnamesischer Kokain-Dealer (46) als Härtefall anerkannt

Der Mann wurde am Donnerstag unter anderem wegen qualifizierten Drogenhandels verurteilt. Dafür hätte er ausgeschafft werden können; das Gericht berief sich aber auf die Härtefallregelung.

von
Steve Last
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Am Donnerstag verurteilte das Baselbieter Strafgericht einen 46-jährigen vietnamesischen Staatsangehörigen zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Zuvor muss er aber eine bereits angetretene Suchttherapie fortsetzen.

Am Donnerstag verurteilte das Baselbieter Strafgericht einen 46-jährigen vietnamesischen Staatsangehörigen zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Zuvor muss er aber eine bereits angetretene Suchttherapie fortsetzen.

Kanton BL/Tom Bisig
Zwar muss der Mann ins Gefängnis, ausgeschafft wird er aber trotz Katalogdelikt nicht.

Zwar muss der Mann ins Gefängnis, ausgeschafft wird er aber trotz Katalogdelikt nicht.

Kanton BS/Andi Cortellini
Das Gericht befand, dass es sich um einen Härtefall handelt. Der Verurteilte kam im Alter von vier Jahren in die Schweiz und hat keinen Bezug zu Vietnam.

Das Gericht befand, dass es sich um einen Härtefall handelt. Der Verurteilte kam im Alter von vier Jahren in die Schweiz und hat keinen Bezug zu Vietnam.

Kanton BL/Tom Bisig

Darum gehts

  • Ein 46-jähriger Konsumdealer muss 22 Monate ins Gefängnis, wird aber nicht nach Vietnam ausgeschafft.

  • Dieses noch nicht rechtskräftige Urteil hat das Baselbieter Strafgericht am Donnerstag gefällt.

  • Der Mann war im Juni 2020 in eine Familienwohnung eingedrungen und hatte die Personen dort mit einer Waffe bedroht.

  • Nachdem er von der Polizei angehalten wurde, kam der Verdacht auf, dass er nicht nur Drogen konsumiert, sondern auch mit ihnen handelt.

Eine unbedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten, aufzuschieben zu Gunsten einer stationären Therapie, sowie eine Busse von 300 Franken. So lautet das noch nicht rechtskräftige Urteil des Baselbieter Strafgerichts gegen einen 46-jährigen Vietnamesen. Der Mann war im Juni 2020 in eine Familienwohnung eingedrungen und hatte dort Personen mit einer Waffe bedroht. Dies geschah im Wahn und hatte keine Folgen für ihn, bei seiner Verhaftung wurden aber Hinweise auf Drogenhandel gefunden, weswegen ihm die Ausschaffung drohte.

Das Gericht sah am Donnerstag aber davon ab, den Mann, der vierjährig in die Schweiz kam, ausser Landes zu weisen. Es berief sich auf die Härtefallregelung. Die Staatsanwaltschaft hatte diesbezüglich sieben Jahre wegen qualifizierten Drogenhandels gefordert. Eine solche Verurteilung, die das Gericht auch aussprach, zieht normalerweise einen obligatorischen Landesverweis nach sich.

83 Gramm Kokain verkauft

Die Qualifikation (im Gegensatz zu einer einfachen Widerhandlung) ergab sich in dem Fall aus der Menge. Der Verurteilte verkaufte nachweislich 83 Gramm Kokain – die Grenze liegt bei 18 Gramm. Zudem traf er Anstalten, 89 Kilo Marihuana zu veräussern. «Das sind beachtliche Mengen, die Sie weitervermittelt haben», sagte der Gerichtspräsident.

Eine Ausschaffung nach Vietnam erachtet das Gericht aber als «nicht zumutbar». «Sie haben keinerlei Bezug zu dem Land und waren seit Ihrer Flucht einmal als Tourist dort», hiess es in der Begründung. Der Mann beherrsche die Sprache nur mündlich und sein gesamtes soziales Netz sei in der Schweiz.

Therapie wird fortgesetzt

Der Mann befindet sich bereits in einer stationären Suchttherapie. Diese soll auf Anordnung des Gerichts fortgesetzt werden. «Dass Sie eine Massnahme brauchen, ist unbestritten», so der Richter. Damit entsprach das Gericht nicht dem Wunsch des 46-Jährigen, ihn in eine ambulante Behandlung zu überweisen. «Das können wir heute nicht vorwegnehmen. Das muss die Vollzugsbehörde zur gegebenen Zeit entscheiden», hiess es.

Das Gericht nahm ferner die Fortschritte des Mannes, der schwerstabhängig von Kokain ist, in der Therapie zur Kenntnis. Es folgte aber in der Feststellung einer hohen Rückfallgefahr in den Drogenkonsum dem Expertengutachten. «Die Therapie funktioniert, aber Ihre Prognose ist nicht gut und die Bewährungsprobe haben Sie noch vor sich», stellte der Richter fest. Er mahnte den Verurteilten, es langsam anzugehen. Zudem warnte er ihn davor, erneut straffällig zu werden: «Wenn Sie nochmal vor Gericht erscheinen müssen, wird die Situation anders aussehen».

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

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