25.10.2015 14:29

Vietnams Tempelruinen mitten im Regenwald

An der beeindruckenden Tempelanlage My Son hat nicht nur der Zahn der Zeit genagt. Während des Vietnamkriegs stand sie unter Beschuss.

von
sei
25.10.2015

Einst sollen 70 Tempel auf dem Areal gestanden haben. Heute sind nur noch wenige Türme und Gebäude halbwegs intakt. Steinhaufen und übrig gebliebene Details, wie eine einsame Treppe ins Nirgendwo, lassen die einstigen Prachtbauten erahnen. Zwischen dem 4. und 14. Jahrhundert liessen die Könige von Champa in My Son die Tempel zu Ehren der Hindu-Gottheit Shiva errichten.

Im 15. Jahrhundert wurden die Cham aus Zentralvietnam vertrieben und die Tempel im Regenwald ihrem Schicksal überlassen. Jedoch hat nicht nur das feuchtheisse Klima Zentralvietnams den Gemäuern aus fugenlos zusammengesetzten roten Backsteinen zugesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Ruinen von französischen Archäologen wieder entdeckt, was nicht nur deren Wiederaufbau, sondern auch den Abtransport wichtiger Kulturgüter zur Folge hatte. Verheerender war jedoch ein anderes Ereignis: der Vietnamkrieg.

In einer Woche zerstört

«Die Vietcong haben sich hier versteckt», erklärt ein Fremdenführer. Die Tempelanlage wurde von den Amerikanern deshalb mit Flächenbombardements überzogen und innerhalb einer Woche zu grossen Teilen zerstört. Noch lange nach Kriegsende 1975 wurden hier Landminen gefunden. Das Gebiet ist überzogen mit tiefen Bombenkratern. 1999 wurde es von der Unesco dennoch zum Weltkulturerbe erklärt. «Die Monumente sind einzigartig und suchen in Südostasien ihresgleichen», wird die Wahl begründet. My Son veranschauliche den Wandel einer Kultur und lege Zeugnis einer vergangenen Zivilisation ab.

In den letzten Jahren hat sich My Son denn auch zu einem beliebten Touristenziel entwickelt. Wer die Ruinen ganz für sich allein haben möchte, kommt am besten am frühen Morgen oder erst gegen Abend. So meidet man nicht nur die Touristenmassen, die hier in Busladungen aus der historischen Hafenstadt Hoi An angekarrt werden, sondern auch die brütende Mittagshitze.

Danang und My Son

My Son liegt unweit der prosperierenden Hafenmetropole Danang. Während des Vietnamkriegs war der dortige Küstenabschnitt unter dem Namen «China Beach» bekannt. Wo sich während dem Vietnamkrieg die US-Soldaten von ihren Einsätzen erholten, sonnen sich heute die – vornehmlich einheimischen und asiatischen – Touristen der neu gebauten Luxushotels. Die drittgrösste Stadt Vietnams will die Besucherzahlen mit Entertainmentangeboten und nigelnagelneuen Reorts weiter ankurbeln.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche neuzeitliche Tempel errichtet: Einerseits Casinos, andererseits Wohlfühloasen wie das Fusion Maia. Das Fünfsternehotel ist unter Schweizer Leitung. Eine Nacht in der Privatvilla kostet circa 300 Franken pro Person – Spa-Behandlung inklusive.

Im örtlichen Museum of Cham Sculpture sind zahlreiche Skulpturen aus My Son ausgestellt.

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