Aktualisiert 06.05.2020 18:39

Neue Welle?

Virologe rechnet im Herbst mit «viralem Orkan»

Deutschland lockert die Corona-Beschränkungen massiv. Der Virologe Alexander Kekulé hält das für brandgefährlich. Er rechnet damit, dass es wegen der Vernachlässigung der Schutzmassnahmen im Herbst wieder deutlich mehr Infektionen geben wird.

von
Vroni Fehlmann
1 / 6
Der Virologe Alexander Kekulé kritisiert das Konzept zu den Lockerungen in Deutschland

Der Virologe Alexander Kekulé kritisiert das Konzept zu den Lockerungen in Deutschland

imago
Im Sommer werde das Virus zwar voraussichtlich weitgehend verschwinden, dafür erwartet Kekulé im Herbst eine neue Infektionswelle.

Im Sommer werde das Virus zwar voraussichtlich weitgehend verschwinden, dafür erwartet Kekulé im Herbst eine neue Infektionswelle.

KEYSTONE
Geplant sind etwa Lockerungen bei der Gastronomie.

Geplant sind etwa Lockerungen bei der Gastronomie.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Deutschland lockert die Corona-Beschränkungen für Schulen, Kitas, Läden und Sport.
  • Der Virologe Alexander Kekulé warnt, dass dadurch im Herbst eine neue Infektionswelle kommt.
  • Erfahrungen zeigten, dass das Virus über den Sommer wohl verschwinde, im Herbst aber wieder zuschlage.


Die Menschen in Deutschland können sich auf erhebliche Lockerungen der Beschränkungen in der Corona-Krise einstellen – bei Schule, Kindertagesstätten, allen Geschäften und im Sport. Zugleich will die Bundesregierung die Verantwortung für darüber hinausgehende Öffnungen gerade bei den Kontaktbeschränkungen weitgehend den Ländern überlassen. Er besteht aber auf einer Obergrenze von Neuinfektionen, ab der wieder härtere Beschränkungen greifen müssten.

Das geht aus einer Beschlussvorlage des Bundes für die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Regierungschefs der Länder am Mittwoch hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Besonders sensibel seien Lockerungen bei den Schulöffnungen, in der Gastronomie und bei den Hotels. Denn dann komme es wieder zu Reisen in Deutschland, und die Gefahr von neuen Infektionen nehme zu, so die Kanzlerin.

«Im Herbst könnte ein viraler Orkan entstehen.»

Alexander Kekulé

Die Lockerungen mit gleichzeitigen Interventionen bei einer Überschreitung der Obergrenze sind für den Professor für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg, Alexander Kekulé, «brandgefährlich», wie er in einem Gastbeitrag in der «Zeit» schreibt. Die Pandemie sei noch längst nicht ausgestanden. Zwar würden die Fallzahlen in den nächsten Wochen zurückgehen, das Virus breite sich aber gerade in Entwicklungsländern und auf der südlichen Hemisphäre weiter aus.

Die Erfahrung mit den bereits bekannten Coronaviren zeige, dass das Virus im Sommer weitgehend verschwinde, im Herbst und im Winter jedoch eine erhöhte Aktivität auftrete. «Es muss deshalb damit gerechnet werden, dass die Fallzahlen für Covid-19 wieder deutlich ansteigen, wenn auf der Nordhalbkugel der Herbst beginnt», schreibt Kekulé. «Bis dahin wird es keine Herdenimmunität, keinen Impfstoff und wahrscheinlich auch keine lebensrettende Therapie geben.» Gerade im Sommer könnte die Abnahme der Fälle die Politik dazu verleiten, weitere Lockerungen vorzunehmen. «Aus fehlender Immunität, vernachlässigtem Social Distancing und unzureichendem Schutz der Risikogruppen könnte dann im Herbst ein viraler Orkan entstehen.»

«Eine Pandemie hat die Dynamik einer Explosion.»

Alexander Kekulé

Auch die Tatsache, dass die Entwicklung eines Impfstoffs wegen der aufwendigen Sicherheitsprüfungen Zeit benötige, werde die Pandemie nicht eindämmen. Kekulé geht auch davon aus, dass Länder, die bereits mit der Errichtung von Produktionsanlagen für ein Medikament begonnen haben, als Erstes ihren eigenen Bedarf decken werden. Bis das Virus also in Europa durch eine Impfkampagne eingedämmt werden könne, werde es vermutlich noch anderthalb Jahre dauern.

Kekulé rechnet auch damit, dass die Fallzahlen wieder steigen, wenn Kitas und Grundschulen geöffnet werden. Dies würden Untersuchungen zur Spanischen Grippe und Covid-19 zeigen. Gerade ältere Menschen würden durch die Lockerungen einem höheren Risiko ausgesetzt. «Mangels ausreichender Aufklärung des Infektionsgeschehens sind die konkreten Massnahmen nicht primär epidemiologisch, sondern grossteils wirtschaftlich und politisch begründet.» Kekulé plädiert für ein effektives Schutzkonzept nach dem Lockdown. «Eine Pandemie ist keine Katastrophe in Zeitlupe, sondern hat die Dynamik einer Explosion. Durch früheres Eingreifen hätte Europa viele Tote verhindern können.»

(SDA)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
457 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Bartli

16.05.2020, 10:43

Das ein Meinungsblatt und gleichzeitig Meinungsspay. Die Zeilen wurden derartig reduziert, so dass sich Ansichten/ Meinungen kaum mehr detailiert und schon gar nicht differenziert erklären lassen. Es wird fleissig zensuriert, primär das was nicht genehm ist. Edward Bernays lässt grüssen. Einer Demokratie unwürdig und höchst bedenklich. Bereits altbekannte Propagandaminister wussten wie das geht, diese würden sich auch heute die Hände reiben.

Bartli

16.05.2020, 10:03

Dieter, die Rezession/Depression/Inflation, was immer, wäre eh eingetroffen. Nun hat das Geschehen einen Namen. AHV-Kassen haben etwas mehr Luft. Gewinne privatisiert, Kosten sozialisiert. Die Pflegeinudstrie wird Roboterchen einführen, Aktionäre weiterhin befrieden. Corona hat exakt jenem Vorschub geleistet, welches längst in Schubladen lag. Digitalisierung, IdD/IoT, die überwachte, vernetzte Gesellschaft, nicht wegen aber mit Corona19. Systemrelevantes unterstützt, wir bürgen dafür.

Bartli

16.05.2020, 09:42

@Rino, weiter unten. Seien sie nicht so böse mit Virologen. Es gibt übrigens jene die zu Wort kommen und einige nicht bis nie. Erste macheten Karriere und verzeichnen ansehnliche Einkommen. Die wollen doch auch beschäftigt sein oder nicht? Und von wo her kriegen diese ihre Forschungsgelder, wenn nicht von jenen Quellen die inzwischen vielen bekannt sind? Die Geldgeber meinen es gut und waren schon immer sehr besorgt um unser aller Gesundheit. Ähhhhm ja, aber sicher doch.