10.09.2020 02:57

JugendarbeitslosigkeitVirus-Krise trifft Lehrabgänger besonders hart

Die Jugendarbeitslosigkeit ist im August deutlich gestiegen. Ein Grund dafür sind Lehrabgänger, die keine Stelle finden. Jetzt brauche es Hilfsgelder für Ausbildungsbetriebe und mehr Stipendien, fordern Gewerkschaften.

von
Daniel Graf
1 / 8
Lehrabgänger, die keine Stelle finden, tragen im Juli und August zu einer steigenden Arbeitslosigkeit bei. 

Lehrabgänger, die keine Stelle finden, tragen im Juli und August zu einer steigenden Arbeitslosigkeit bei.

Getty Images/iStockphoto
Im August stieg die Jugendarbeitslosigkeit auch Corona-bedingt erneut um 0,5 Prozentpunkte an. 

Im August stieg die Jugendarbeitslosigkeit auch Corona-bedingt erneut um 0,5 Prozentpunkte an.

Getty Images/iStockphoto
Viele Unternehmen hatten ihren Lehrabgängern nach der Lehre eine Stelle zugesichert. 

Viele Unternehmen hatten ihren Lehrabgängern nach der Lehre eine Stelle zugesichert.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Die Jugendarbeitslosigkeit steigt seit März sprunghaft an, zuletzt im August um 0,5 Prozentpunkte.
  • Ein Grund dafür sind Lehrabgänger, die keine Anschlusslösung finden.
  • Gewerkschaften und Politik fordern deshalb staatliche Anreize für Ausbildungsbetriebe.

Mehr als 20’000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren hatten Ende August keinen Job. Die Arbeitslosigkeit ist seit März sprunghaft angestiegen. Im August betrug der Anstieg 0,5 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent – es ist einer der höchsten Werte seit 2010. «Damals zeigten sich die Nachwirkungen der Finanzkrise noch in den Arbeitslosenzahlen, jetzt die Corona-Krise. Es ist ein typisches Muster, dass die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen in Krisen stärker ansteigt», erklärt Fabian Maienfisch, stellvertretender Kommunikationsleiter des Seco (siehe 3 Fragen an).

Eine der Ursachen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit im August sind Lehrabgänger, welche keinen Job finden. 70’000 Lernende haben diesen Sommer ihre Lehre abgeschlossen. «28 Prozent der Lehrbetriebe, die wir im August befragt haben, sagten, es sei für ihre Lernenden schwieriger, einen Job zu finden, als im Vorjahr», sagt Ursula Renold. Sie forscht an der ETH zu Bildungssystemen und ist Co-Autorin von «LehrstellenPuls», einer monatlichen Erhebung zu diesem Thema.

Subventionen für geringere Lohnkosten gefordert

Wie schwierig die Situation für Lehrabgänger derzeit ist, zeigen die Beispiele von Eduard, Aurora, Céline und Angel Luis. Auch die Politik hat das Problem erkannt. Der Zürcher Kantonsrat forderte etwa Anfang Woche ein Anreizsystem, damit Lehrbetriebe ihre Lehrlinge weiterbeschäftigen. Konkret sind Subventionen vorgesehen, damit die Betriebe die Lernenden mit weniger Lohnkosten weiterbeschäftigen können. Das Postulat wurde mit 160 zu 8 Stimmen an den Regierungsrat überwiesen.

Lösungen fordert auch die Unia: «Neben dem Anreizsystem für Betriebe, wie es in Zürich jetzt diskutiert wird, müssten die Stipendien für weiterführende Schulen ausgebaut werden. Die Nachfrage wird steigen, doch nicht jeder kann es sich leisten, ohne Verdienst eine Ausbildung zu machen», sagt Kathrin Ziltener, Gewerkschaftssekretärin der Unia.

Unia sieht auch Unternehmen in der Pflicht

Auch der Bezug von Arbeitslosenentschädigung müsste aus Sicht der Unia einfacher und schneller gestaltet werden. «Wenn ein junger Mensch existenzielle Sorgen hat und gleichzeitig einen Job suchen soll, ist das ein einschneidendes Ereignis», sagt Ziltener.

Schliesslich nimmt die Gewerkschaft die Arbeitgeber in die Pflicht: «Klar, ist es gerade für kleinere Betriebe derzeit nicht einfach. Doch die Gesellschaft hat sie mit Kurzarbeit und Krediten durch diese Krise getragen. Nun müssen auch die Betriebe ihre Verantwortung gegenüber den Lernenden wahrnehmen.»

Selbst Bürgerliche fordern staatliche Hilfe

Selbst aus dem bürgerlichen Lager werden Rufe nach staatlicher Hilfe laut. So hat etwa SVP-Nationalrat Mike Egger in der Sommersession den Bundesrat aufgefordert, Anreize zu prüfen, um das Problem zu entschärfen. «Ich könnte mir etwa steuerliche Entlastungen für die Unternehmen vorstellen, welche Ausbildungsplätze anbieten und ihre Lehrlinge dann auch weiterbeschäftigen.»

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sieht die Unternehmen zumindest zum Teil in der Pflicht: «Wo möglich sollen sie Brückenangebote schaffen, etwa in Form von Sprachaufenthalten, um die Lehrlinge später, wenn sich die Situation wieder etwas entspannt hat, wieder anzustellen.» Das Ziel müsse klar sein, Anschlusslösungen für möglichst viele Lehrabgänger zu finden: «Um das zu erreichen, können auch steuerliche Anreize ein Mittel sein», sagt Wasserfallen.

«Auch Lehrabgänger müssen flexibel sein»

Während Politik und Gewerkschaften also den Staat und die Betriebe in der Pflicht sehen, ortet Forscherin Renold das Problem noch woanders: «Eine Krise wie diese erfordert auch von den Jugendlichen eine gewisse Flexibilität. Wer derzeit Hunderte Bewerbungen für einen Job als Kauffrau/Kaufmann in der Tourismusbranche schreibt, wäre wohl gut beraten, seine Strategie für die Suche zu ändern.» Die Krise treffe nicht alle Branchen gleich heftig. Auch die Jobsuche in einem anderen Kanton oder in einer anderen Abteilung innerhalb eines Grosskonzerns seien Lösungen.

3 Fragen an Fabian Maienfisch

«Jugendliche überproportional betroffen»

Mehr als 20’000 15- bis 24-Jährige hatten Ende August keinen Job. Wie prekär ist die Situation?
Fabian Maienfisch: Die Covid-19-Krise hat ab März bei allen Altersgruppen zu einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Jugendliche waren überproportional betroffen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass jüngere Personen seltener zur Stammbelegschaft von Betrieben gehören. Auch sind sie eher in flexibleren Tätigkeiten, wie Arbeiten auf Abruf oder Temporärarbeiten, beschäftigt. Diese Arbeitnehmenden sind eher von Entlassungen, aber auch von Einstellungsstopps betroffen.

Die Jugendarbeitslosigkeit war im Jahresschnitt zuletzt 2010 höher, als die Nachwirkungen der Finanzkrise noch spürbar waren. Treffen Krisen junge Arbeitnehmer härter?Tatsächlich ist es ein typisches Muster, dass die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen in Krisen stärker ansteigt. Umgekehrt sind die Jungen in der Regel die Ersten, die vom Aufschwung profitieren.

Was kann gegen die steigende Jugendarbeitslosigkeit getan werden?

Entscheidend wird die Konjunkturentwicklung in den kommenden Monaten sein. Normalerweise gelingt nach den Sommermonaten ein rascher Abbau der Jugendarbeitslosigkeit. Wir werden eng beobachten, ob dies auch diesmal der Fall sein wird. Die Arbeitslosenversicherung verfügt über zahlreiche Instrumente zur Unterstützung bei der Stellensuche und auch zum Erhalt und zur Stärkung der Vermittlungsfähigkeit, die bei Bedarf natürlich auch jüngeren Stellensuchenden zur Verfügung stehen. Beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf ist bisher noch keine Krisensituation feststellbar.

Fabian Maienfisch ist stellvertretender Kommunikationsleiter des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). 

Fabian Maienfisch ist stellvertretender Kommunikationsleiter des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco).

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
334 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Ärklärbär

11.09.2020, 23:28

Super abgeschrieben! Natürlich copy and paste.... Habt ihr auch was eigenes oder unterliegt ihr dem kontrolliertem Mainstream?

Zinaida

11.09.2020, 19:25

Leidenschaftliche Damen suchen Jungs für einen lustigen Abend. Seite - Getbаdgіrl. com

Jiddu Krishnamurti

11.09.2020, 18:11

Ich bin auch gelernter Logistiker und habe auch 14 Jahre Berufserfahrung. Da ich aber stets auf temporäre Jobs angewiesen war. Und mir keiner einen festen Job anbieten wollte wegen Vorurteile. Habe ich ein schwere Entscheidung getroffen. Ich arbeite nun 100% zu Hause und kümmere mich um meine zwei Kinder. Es ist praktisch unmöglich irgendwo Fest zu arbeiten. Da immer alle gierig und Vorurteile haben. Was solls ein verschwenderisches Talent.