Basler Kantonsarzt: «Virusmutation wird zu stark dramatisiert»
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Basler Kantonsarzt«Virusmutation wird zu stark dramatisiert»

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen warnt vor Schreckenszenarien wegen der neuen Virusmutation, die gemäss einer neuen Studie der Universität Oxford doch nicht ganz so ansteckend ist.

von
Lukas Hausendorf
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Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sieht ermutigende Daten aus England und warnt vor zu viel Alarmismus im Umgang mit der neuen Virusmutation.

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sieht ermutigende Daten aus England und warnt vor zu viel Alarmismus im Umgang mit der neuen Virusmutation.

Youtube/Gesundheitsdepartement BS
Er ist überzeugt, dass man sich gegen die britische Mutation erfolgreich wehren könne, wenn man sich jetzt ausreichend bemühe.

Er ist überzeugt, dass man sich gegen die britische Mutation erfolgreich wehren könne, wenn man sich jetzt ausreichend bemühe.

Steve Last
Nachdem die Mutante in Oberwil an der Primarschule Thomasgarten aufgetaucht war, wurde ein Massentest angeordnet. Dabei wurden 21 neue Corona-Fälle festgestellt, die Schule wechselt nun auf Fernunterricht.

Nachdem die Mutante in Oberwil an der Primarschule Thomasgarten aufgetaucht war, wurde ein Massentest angeordnet. Dabei wurden 21 neue Corona-Fälle festgestellt, die Schule wechselt nun auf Fernunterricht.

Roland Zumbuehl

Darum gehts

  • Die neue, ansteckendere Virusvariante aus Grossbritannien ist mit einer der Gründe für die verschärften Corona-Massnahmen in der Schweiz.

  • Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sagt, die Gefahr werde allerdings überzeichnet.

  • Neue Daten aus England zeigen, dass die Mutation wohl nicht ganz so ansteckend ist, wie zunächst angenommen.

In der Schweiz geht die Angst vor dem mutierten Virus um. Massentests in St. Moritz und an einer Baselbieter Primarschule, die nun sogar auf Fernunterricht umstellt. Wo die britische Mutation des Coronavirus nachgewiesen wird, wird alles unternommen, um die Fälle zu isolieren und die weitere Ausbreitung der Mutation b117 zu stoppen. Der Bundesrat hat die Notwendigkeit der seit Montag geltenden neuen Massnahmen auch mit der hochansteckenden Virusvariante begründet.

«Man muss die Gefahr durchaus ernst nehmen, aber die Gefahr wird zu stark dramatisiert», sagt der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen am Donnerstag im «Tages Anzeiger». Der Präventivmediziner geht davon aus, dass die Fallzahlen in den kommenden Wochen weiter sinken werden, was dazu führe, dass das mutierte Virus kaum die kritische Masse erreichen werde, um das Gesundheitswesen neuerlich an seine Kapazitätsgrenze zu bringen. Alarmismus sei darum fehl am Platz. «Das kann bei Leuten in einer Ermüdung münden, die unerwünschte Verdrängungen und Gegenreaktionen provoziert», warnt Steffen.

Ermutigende neue Daten aus England

Tatsächlich sind die neusten Infektionszahlen aus England ermutigend. Und auch eine neue Studie der Universität Oxford, die erstmals bevölkerungsrepräsentative PCR-Daten ausgewertet hat, kommt zum Schluss, dass die neue Variante viel eher 35 Prozent ansteckender ist als 70 Prozent, wie zunächst gewarnt wurde. «Dieser Wert ist ziemlich wasserdicht», sagt der deutsche Virologe Christian Drosten in der jüngsten Ausgabe des Corona-Update von NDR.

Steffen stellt denn auch nicht die vom Bundesrat beschlossenen Verschärfungen infrage, vermisst in der Behördenkommunikation aber die Einordnung. Seine fällt vorsichtig optimistisch aus. Er ist überzeugt, dass man sich gegen die britische Mutation erfolgreich wehren könne, wenn man sich jetzt ausreichend bemühe. Das betonte Steffen auch schon jüngst in einem Interview mit 20 Minuten. «Wirklich sehen, wie stark die mutierten Viren das Infektionsgeschehen tatsächlich beeinflussen, werden wir wohl erst gegen Ende Februar.»

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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