Visa-Affäre: Schweiz schickt zwei Polizisten nach Pakistan
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Visa-Affäre: Schweiz schickt zwei Polizisten nach Pakistan

Wegen des Verdachts, die Schweizer Botschaft in Pakistan sei zur Drehscheibe missbräuchlich erteilter Visa geworden, schickt Bern zwei Polizisten nach Islamabad.

Dies sagte Micheline Camly-Rey am Samstag vor den Medien in Islamabad.

Die beiden auf das Thema Schlepperorganisationen spezialisierten Polizisten werden Anfang kommende Woche dort erwartet, wie der Sprecher der Aussenministerin, Lars Knuchel, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA am Telefon aus der pakistanischen Hauptstadt sagte.

Das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement schicke die beiden auf Bitten des Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nach Pakistan. Ziel sei, die «bessere Erfassung» der Arbeit von Schlepperorganisationen. Die Zusammenarbeit mit den pakistanischen Ermittlern solle verstärkt werden.

Visa-Abteilung bleibt zu

Die Visa-Abteilung der Schweizer Botschaft bleibe «bis auf Weiteres» geschlossen, sagte Calmy-Rey laut Knuchel. Er konnte keinen Zeitrahmen für eine Wiedereröffnung nennen.

«Wir haben keine Zweifel, dass wir Ziel einer mafiösen Organisation wurden, die Menschenhandel betreibt», sagte die EDA- Chefin demnach an der gemeinsamen Medienkonferenz mit Pakistans Aussenminister Mian Khurshid Mahmud Kasuri.

Die Botschaft in Islamabad werde zudem mit Vertretern anderer Länder, «die in einer ähnlicher Lage sein könnten», Kontakt aufnehmen und Informationen austauschen.

Calmy-Rey habe betont, dass die Schweiz sich wegen der Visa- Missbräuche in einer schwierigen Lage befinde. Die Aussenministerin habe die Missbräuche auch als «Attacke gegen die Interessen Pakistans» bewertet.

Keine Hinweise auf Schweizer

Knuchel bestätigte einen Bericht des «Tages-Anzeigers» vom Samstag, wonach Botschafter Martin Dahinden, Chef der Direktion für Ressourcen und Aussennetz im EDA, sich mit dem Generaldirektor der pakistanischen Bundespolizei (FIA), Tariq Khosa, am Freitag getroffen habe.

Laut Khosas Auskunft gebe es bislang keine Anhaltspunkte, dass Schweizer Botschaftspersonal in die Missbräuche verwickelt seien, sagte Knuchel unter Bezug auf das Gespräch. Khosa habe betont, dass Hinweise aus der Schweizer Botschaft «entscheidend» gewesen seien, um dem Schlepperring auf die Spur zu kommen.

Die FIA ermittelt nach eigenen Angaben seit Ende Februar. Ein pakistanischer Angestellter der Schweizer Botschaft sitzt in Untersuchungshaft. Er soll nach pakistanischen Medienberichten Sex als Gegenleistung für ein Einreisevisum verlangt haben.

Ein Ex-Mitarbeiter wird per Interpol gesucht. Pakistanische Medien hatten berichtet, eine Schlepperbande habe Pakistani via die Schweiz in andere Länder gebracht.

Treffen mit Musharraf und Aziz

Calmy-Rey befindet sich auf einer viertägigen Reise in Pakistan. Knuchel betonte, dass dabei nicht die Visa-Affäre im Zentrum gestanden habe.

Es sei vor allem über die Entwicklungszusammenarbeit und den Wiederaufbau nach dem Erdbeben vom vergangenen Oktober in der Kashmir-Region gesprochen worden. Weitere Themen seien die Menschenrechte, die Wirtschaftsbeziehungen sowie der Kampf gegen Geldwäsche.

Am Samstag traf Calmy-Rey neben Aussenminister Kasuri auch mit Präsident Pervez Musharraf und Premier Shaukat Aziz zusammen. Am Sonntag sollte die Bundesrätin in die Schweiz zurückkehren.

(sda)

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