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Visa-Affäre: Schweizer Experten in Islamabad

Zwei Experten aus Bern sind in Pakistan eingetroffen, um die Behörden zu unterstützen in der Untersuchung um Visa-Missbrauch in der Schweizer Botschaft in Islamabad. Ein Angestellter beschuldigt Schweizer Diplomaten, Menschenschmuggel dirigiert zu haben.

Die pakistanischen Polizeibehörden prüften die Anschuldigungen, die der frühere Angestellte der Visa-Abteilung in Verhören gemacht habe, sagte Tariq Khosa, Generaldirektor der pakistanischen Bundespolizei (FIA), am Montag der Nachrichtenagentur SDA. Der Inhaftierte, ein Pakistaner, habe die Namen der Schweizer Verantwortlichen genannt.

Dies seien die Aussagen eines einzigen Zeugen, schränkt Khosa ein. Für eine Schuldzuweisung reiche das noch nicht. Die Verantwortung für die Visa-Abteilung der Botschaft sei aber in Schweizer Hand. Es sei daher kaum vorstellbar, dass Unregelmässigkeiten nicht zumindest auffallen.

Der frühere Botschaftsangestellte, der in Untersuchungshaft sitzt, hat nach pakistanischen Medienberichten Geld und Sex als Gegenleistung für Schweizer Visa verlangt.

Unregelmässigkeiten

Khosa lässt derzeit die Visa-Erteilungs-Praxis des vergangenen Jahres durchleuchten, wie er der SDA weiter sagte. Dabei seien auch in Verbindung mit Schweizer Diplomaten Unregelmässigkeiten aufgetaucht. Die FIA ermittelt nach eigenen Angaben schon seit Februar in der Angelegenheit.

Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sagte am Samstag vor den Medien in Islamabad: «Wir haben keine Zweifel, dass wir Ziel einer mafiösen Organisation wurden, die Menschenhandel betreibt.»

Allerdings gebe es nach wie vor keine Hinweise, dass Schweizer Botschaftspersonal in die Missbräuche um Visa-Erteilung verwickelt sei, sagte Jean-Philippe Jeannerat, Informationschef des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Montagnachmittag. Schweizer seien seines Wissens auch nicht Gegenstand der pakistanischen Ermittlungen.

Fedpol-Experten

Vor einem Monat hatte das Aussenministerium in Bern eine Administrativuntersuchung zu den Vorgängen in Islamabad angeordnet. Diese dürfte nach Jeannerats Einschätzung noch mehrere Wochen dauern. Die beiden Experten aus dem Bundesamt für Polizei (fedpol), die nun in Pakistan seien, dürften nicht ermitteln, sie machten sich aber ein Bild über die Arbeitsweise der Schlepperbanden vor Ort. (sda)

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