Schweizer Sci-Fi: Visuell überwältigend - inhaltlich nebulös

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Schweizer Sci-FiVisuell überwältigend - inhaltlich nebulös

Mit «Cargo» hat die Schweiz ihren ersten selbstgemachten Science-Fiction-Spielfilm. Optisch kann er tadellos mit der Weltspitze mithalten, allein die Handlung ist nicht immer leicht nachzuvollziehen.

Die Auslegeordnung - die Menschheit nach dem Öko-Kollaps der Erde - ist zugegeben spannend und wird in der Eröffnungssequenz genial visualisiert: Eine Frau im adretten Sommerkleid steht in einem bis an den Horizont reichenden Kornfeld, die Sonne scheint, ein Lüftchen weht - es ist ein Werbeclip für den Auswanderungsplaneten Rhea, gezeigt in einer Raumstation voller elender Menschen in Lumpen.

Wir schreiben das 23. Jahrhundert. Die Menschheit ist in Raumstationen zwischengelagert, während die Regierung - eine Art globaler Maschinenkonzern - nach bewohnbaren Planeten forscht. Rhea, ein erdähnliches Paradies, ist bisher der einzige Fund.

Aber der Planet liegt fünf Lichtjahre entfernt und die Auswanderung dahin ist entsprechend teuer. Trotzdem wird intensiv dafür geworben - weil das den Menschen Hoffnung macht.

Freund oder Feind?

Wie alle möchte auch die junge Ärztin Laura (Anna Katharina Schwabroh) nach Rhea - zu ihrer Schwester, die die Auswanderung im Preisausschreiben gewonnen hat. Regelmässige Video-Handy-Telefonate zeigen, wie schön Arianne es auf dem fernen Planeten hat.

Um sich Geld für die Reise zu verdienen, hat Laura für eine achtjährige Mission auf dem heruntergekommenen Frachtschiff Kassandra angeheuert. Ein Besatzungsmitglied hat jeweils mehrere Monate Wachdienst, die anderen liegen im Kälteschlaf. Doch Laura hat während ihrer Schicht das Gefühl, nicht allein zu sein. Der Kapitän wird geweckt und kommt auf mysteriöse Weise um.

Die restliche Besatzung wird reaktiviert und Laura macht im Frachtraum eine verwirrende Entdeckung. Der Air Marshal (Martin Rapold) bringt sie zusätzlich mit einer Verschwörungstheorie durcheinander. Und obwohl die beiden ein Liebespaar werden, ist lange nicht klar, ob er Freund oder Feind ist.

Schliesslich zeigt sich, dass buchstäblich nichts ist, wie es scheint. Selbst der Öko-Terrorist - der auf Schurken abonnierte Schauspieler Gilles Tschudi - ist nicht so böse, wie die Regierung behauptet.

Mal zu langsam, mal zu schnell

«Cargo» lebt von der unheimlichen Atmosphäre auf dem Schrottkutter. «Die Spannungsmomente sollten maximal ausgereizt werden», erläutert der Regisseur in den Presseunterlagen. Da wurde allerdings zu viel zerdehnt, allzuoft schlägt die Spannung in Langeweile um. Für zwei Stunden Laufzeit ist die Story zu dünn.

Vor allem die Gespräche sind zu kurz. Man muss schon sehr gut aufpassen, um mitzubekommen, wer wen warum umgebracht hat. Und manches scheint schlicht falsch: Warum etwa behauptet das Computergirl, der Autopilot sei umprogrammiert worden? Das Schiff landet ja wie geplant auf Station 42, die allerdings nicht ist, was sie vorgibt.

Verschenkt

Ansonsten beweist Ivan Engler, dass er ein Kenner des Genres ist. Science-Fiction-Fans werden viele Filmzitate wiedererkennen, von «Matrix» bis zu «Event Horizon». Auch die Besatzung - Yangzom Brauen als asiatische Computerspezialistin, Michael Finger als Space-Punk, Claude-Oliver Rudolph als Pflänzchengärtner - hat grosse Vorbilder.

Nur das Drehbuch hätte der Regisseur, der bisher auf Werbefilme und Music-Clips spezialisiert war, von jemand anderem schreiben lassen sollen.

«Cargo» startet am 24. September in Schweizer Kinos. (sda)

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