Aktualisiert 13.11.2007 12:39

Vitali Kalojew zurück in Russland

Vitali Kalojew ist zurück in seiner Heimat. Der 51-jährige Russe, der nach der Flugkatastrophe von Überlingen einen Fluglotsen der Schweizer Flugsicherung Skyguide erstochen hatte, ist heute Morgen in Moskau gelandet.

«Das wichtigste für mich ist, dass ich die Gräber meiner Kinder, meiner Familie, besuchen kann», sagte Kalojew in einem Interview mit dem russischen Fernsehen. «Die Schweiz ist Schuld am Tod meiner Kinder», sagte der 51-Jährige weiter. «Aber ich kann nicht schlecht von allen Schweizern denken. Ich habe viele Freunde dort, Menschen, die mich unterstützt haben». Kalojew war am (gestrigen) Montagabend nach Verbüssung von zwei Dritteln seiner Strafe von fünfeinviertel Jahren wegen vorsätzlicher Tötung aus der Haft entlassen worden. Für seine Bluttat erntete Kalojew in Russland viel Verständnis und Sympathie.

Das Bundesgericht hatte am Donnerstag vergangener Woche die Haftentlassung angeordnet. Die Lausanner Richter wiesen zunächst eine Beschwerde der Zürcher Staatsanwaltschaft gegen das Strafmass von fünfeinviertel Jahren ab. Weil der Russe zwei Drittel seiner Strafe verbüsst hat, wurde zudem die sofortige Freilassung verfügt. Kalojew hatte am 24. Februar 2004 einen 36-jährigen dänischen Fluglotsen an dessen Wohnort in Kloten erstochen. Dieser hatte in der Nacht zum 2. Juli 2002 den Luftraum über dem Bodensee überwacht, als zwei Flugzeuge kollidierten. Unter den 71 Toten, darunter 49 Kinder und Jugendliche, waren die Frau und die beiden Kinder Kalojews. Die Familie wollte ihren Vater in Spanien besuchen. Kalojew ist Architekt und baute in Spanien ein Privathaus.

Das Bundesgericht hielt fest, dass angesichts der Brutalität der Tat eigentlich eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren angemessen wäre. Die Strafminderung auf noch fünfeinviertel Jahre erachteten zwei der fünf Richter als zu mild, auch wenn die stark verminderte Zurechnungsfähigkeit unbestritten blieb. Die Mehrheit der Richter hielt das Strafmass für vorsätzliche Tötung auf Grund der stark verminderten Schuldfähigkeit für gerechtfertigt. Der Antrag der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, die eine Rückweisung des Urteils oder reformatorisch eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren beantragt hatte, wurde mit drei gegen zwei Stimmen abgelehnt. Einstimmig abgelehnt wurde der Antrag des Russen, seine Strafe sogar auf vier Jahre zu senken.

Das Zürcher Obergericht musste im vergangenen Juni eine erste Freiheitsstrafe vom Oktober 2005 wegen vorsätzlicher Tötung auf Weisung des kantonalen Kassationsgerichts von acht Jahren auf fünfeinviertel Jahren reduzieren. Am vergangenen 15. August ordnete das Obergericht die Entlassung Kalojews auf den 24. August an, weil dieser zwei Drittel der verkürzten Strafe verbüsst hatte. Diesen Entscheid focht der Staatsanwalt am Bundesgericht an.

Im Prozess um die Verantwortlichkeiten vor dem Bezirksgericht Bülach waren Anfang September vier von acht angeklagten Skyguide-Mitarbeitern schuldig gesprochen worden. Drei Kadermitglieder erhielten wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung bedingte Freiheitsstrafen von je zwölf Monaten, ein vierter Angeklagter eine bedingte Geldstrafe. Das Gericht kam zum Schluss, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können. Die Betroffenen akzeptierten die Urteile. (dapd)

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