Star Style: Vitamin Z
Aktualisiert

Star StyleVitamin Z

Zooey Deschanel hat ihr eigenes Erfolgsrezept: Sie spielt zwar in Blockbustern, pflegt daneben aber ihren Indie-Style.

von
Martin Fischer

Sonnenschein und Palmen. Teure Autos und noch viel teurere Villen. Üppige Blondinen schmücken die Barhocker neben dauergutgelaunten, dicke Zigarren rauchenden Herren. Hier ist sie aufgewachsen: Zooey Deschanel (29), die «Queen of Indie», wie sie Schauspielkollege Mark Wahlberg in einem Interview betitelte. Irgendwie scheint sie nicht ganz in diese grossspurige Stadt zu passen mit ihrem bleichen Teint, der kindlichen Pony-Frisur, dem unergründlichen Kulleraugen-Blick. Und ihrem alten Volvo.

Doch Zooey pflegt ihr Image als Vorzeigedame von Hollywoods Indie-Clique mit echter Hingabe: Sie trägt fast ausschliesslich Vintage-Roben. Schon mit 13 Jahren durchforstete sie L.A.s Secondhand-Shops. Für ihren ersten Auftritt an den Oscars trug sie ein Abschlussball-Kleid aus den 1950ern, das sie für 15 Dollar gekauft hatte. Abends zieht sie sich lieber bei einem Glas Rotwein einen alten Film-Klassiker rein, als mit ihren Berufskollegen durch die Clubs zu ziehen. Und während Drehpausen verzehrt Zooey gerne deftige Lesekost wie Nietzsche oder Sartre.

Schuld daran sind die Eltern. Ihre stilbewusste Mutter Mary Jo, Schauspielerin, schickte Zooey stets in süssen Kleidchen in den Kindergarten und den Sandkasten. Zooey hatte gar nie eine Chance, sich für Durchschnittsklamotten zu erwärmen. Als Oscarnominierter Kameramann bannte Vater Caleb ihr ganzes Leben auf Film. «Es ist sehr angenehm», äusserte sich «Zo» zur väterlichen Kameraüberwachung. Für sie muss es das Natürlichste auf der Welt sein, vor der Kamera zu stehen. Mit elf Jahren wurde sie von Papa mit Hitchcocks Gesamtwerk vertraut gemacht. Ein Jahr später war Kubrick dran.

Während der Schulzeit aber hatte das Indie-Girl auch ziemlich zu beissen. Sie hatte kaum Freunde. Ausser ihren Eltern, natürlich. Sie hing lieber mit Mama und Papa zuhause rum, als mit Jungs im Kino zu knutschen. In der Klasse wurde sie gehänselt: «Weil ich dick war. Als ich dann auf einmal über den Sommer viel Gewicht verlor, mochten mich plötzlich alle.» Doch bevor ihre Kilos purzelten, hatte sie etwas Wichtiges gewonnen: Ehrgeiz. «Die ganzen Sticheleien machten mich taffer. Ich fing an, hart an mir zu arbeiten.» In jener Zeit baute Zooey ganz auf ihre Liebe zur Schauspielerei: «Ich wurde geboren, um zu performen!» Für ihren grossen Traum von der grossen Leinwand musste sie sich allerdings in Geduld üben. Die Eltern wollten keinen Kinderstar als Tochter. Das hätte auch nicht in den Indie-Erziehungsplan gepasst. Zooey durfte erst an Film-Castings, als sie alt genug war, um selbst dorthin zu fahren. Ihren angeborenen Performance-Drang musste sie also lange Zeit anderweitig befriedigen: beim Heimtheater mit der älteren Schwester (heute natürlich ebenfalls Schauspielerin), mit Schultheater-Auftritten — und Musik. Schon als Teenie schrieb sie eigene Songs.

Mit der Musik hat sich «Miss Indie» inzwischen eine weitere Karriere-Option aufgegleist. Im letzten Sommer veröffentlichte sie gemeinsam mit US-Musiker M. Ward unter dem Namen She & Him ihr gefeiertes Debütalbum. Die beiden hatten sich bei einem Filmdreh kennengelernt.

M. Ward ist es zu verdanken, dass Zooey ihre über die Jahre angehäuften Demo-Songs aus ihrem Computer freiliess.

Es wird Zooey Deschanel nicht so schnell langweilig werden im sonnigen Los Angeles. Und sie wird wohl noch eine ganze Weile als strahlende Indie-Königin im Retro-Kleidchen über Hollywood thronen.

Neuer Film: «Yes Man»

Carl Allen (Jim Carrey) mutiert nach der Scheidung von seiner Frau zum Griesgram. Doch dank eines Selbsthilfeprogramms schöpft Carl neuen Lebenseifer, indem er zu allem und jedem Ja sagt — von Gitarrenlektionen bis Bungee-Jumping. Und als ihm die bezaubernd-schräge Sängerin Allison (Zooey Deschanel) über den Weg läuft, kann er erst recht nicht Nein sagen. «Yes Man», ab 19. Februar im Kino.

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