Österreich: Vizekanzler Pröll mag nicht mehr

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ÖsterreichVizekanzler Pröll mag nicht mehr

Er hatte gesundheitliche Probleme. Jetzt tritt Österreichs Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll zurück und verlässt die Politik.

Tritt aus gesundheitlichen Gründen ab: Der österreichische Vizekanzler Josef Pröll.

Tritt aus gesundheitlichen Gründen ab: Der österreichische Vizekanzler Josef Pröll.

Am Mittwoch gab Josef Pröll in Wien seinen Rücktritt von allen Funktionen bekannt. Er habe sich «nicht gegen die Politik, sondern für die Gesundheit und die Familie» entschieden, sagte er.

Er zog damit die Konsequenzen aus einer beidseitigen Lungenembolie, die er Mitte März erlitten hatte. «Das war ein deutlicher Warnschuss und eine Zäsur in meinem Leben», sagte der 42- jährige Vorsitzende der konservativen Volkspartei (ÖVP) an einer eiligst einberufenen Medienkonferenz.

Erster Auftritt seit Erkrankung

Seit seiner Erkrankung war er nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Beim informellen Finanzministertreffen im ungarischen Gödöllö letzte Woche liess er sich von seinem Finanz-Staatssekretär vertreten.

Ursprünglich wollte Pröll erst nach Ostern bekannt geben, wie es politisch weitergehen soll. Am Dienstagabend wurde dann aber in der Familie entschieden, der Gesundheit den Vorrang zu geben. Sein Zustand sei mit der Spitzenpolitik nicht mehr vereinbar, sagte der dreifache Familienvater.

Hochzeitsreise statt Sitzung

Damit blieb der Österreicher sich selbst treu. Der konsensorientierte Politiker zeigte viel Engagement im Beruf, konnte aber auch dem Privaten den Vorrang geben.

In Brüssel erklärte er einmal seine bevorstehende Abwesenheit bei einem kurzzeitig anberaumten EU-Finanzministertreffen mit der «zweiten Hochzeitsreise», die er seiner Frau versprochen hatte.

Kritik an Freund und Feind

Seit Dezember 2008 war Pröll nicht nur Finanzminister, sondern auch Vizekanzler der grossen Koalition in Wien unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Werner Faymann. Bei seiner Rücktrittserklärung sparte er nicht mit Kritik an Parteikollegen und an der Koalition.

Die Regierung, der er selbst von Beginn an angehörte, kritisierte er für ihren «Stillstand». In wesentlichen Zukunftsbereichen sei deren Lösungskompetenz fraglich.

Mit Bezug auf den Korruptionsskandal um Ex-Innenminister Ernst Strasser, der nach Vorwürfen der Bestechlichkeit als EU-Parlamentarier zurückgetreten war, kritisierte Pröll mangelnden Anstand. «Wesentliche Teile der Politik verharren in Opportunismus und Populismus.»

(sda)

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