Bodensee: Vögel halten Stand-up-Paddler für Jäger
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BodenseeVögel halten Stand-up-Paddler für Jäger

Stand-up-Paddler sind ein Problem für die Natur am Bodensee. Sie kommen dem Ufer zu nahe und bedrohen so diverse Vogelarten. Die Vögel halten die Paddler für Jäger.

von
qll

«Es wird ein zunehmend grösseres Problem», warnt Eberhard Klein, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried. Immer öfter sieht man auf dem Bodensee Stand-up-Paddler. Das Problem: Die Trendsportler paddeln in den Naturschutzgebieten zwischen der Schweiz und Deutschland und kommen dabei zu nahe ans Ufer und in die Schilfbereiche. Dadurch gefährden sie die dort lebenden Wasservögel. Gegenüber dem «Südkurier» berichtete er von mehreren gravierenden Vorfällen in den vergangenen Wochen.

Viele Sportler kennen Seezeichen nicht

Laut Klein sind besonders das Wollmatinger Ried und die Mainaubuchten Obere und Untere Güll betroffen. Beides Gebiete, die für die Wasservögel von grosser Bedeutung sind. Rund um die Insel Mainau sei es aber besonders schwierig, da das Gebiet auch für Wassersportler sehr attraktiv sei. Zwar ist das Naturschutzgebiet dort gekennzeichnet, die Kennzeichnungen seien jedoch nicht optimal. Zudem haben laut Klein viele Wasserportler wenig Ahnung von Seezeichen und fahren deshalb unabsichtlich in Naturschutzgebiete hinein. Es sei also nicht unbedingt böse Absicht, sondern eher Unwissen. «Dass das den Vögeln schadet, darauf kommen die Leute nicht», so Klein.

Das Problem bei den Paddlern ist, dass die Bretter kaum Tiefgang haben. So können sich diese dem Ufer ganz einfach nähern. Hinzu kommt die Körperhaltung des Menschen: Da die Sportler senkrecht auf dem Brett stehen und sich mit einem Paddel in der Hand fortbewegen, würden die Vögel das unbekannte Objekt als Gefahr deuten. «Was der Vogel sieht, ist ein klar erkennbarer Mensch in relativer Nähe, der irgend so ein Ding in der Hand hat», erklärt Klein. «Das ist für ihn ein Jäger ganz in der Nähe und das heisst: Höchste Gefahr!» Wenn dann ein Vogel Panik bekommt und auffliegt, verstehen die anderen Tiere das als Signal und der ganze Schwarm folgt ihm.

Durch die Störung sinken Überlebenschancen

Durch die Störung durch die Stand-up-Paddler machen sich die Wasservögel auf die Suche nach einer neuen Lebensstätte. Laut Klein verlieren sie dabei Zeit und viel Energie, anstatt durch Futter neue aufzunehmen. Dadurch sinken die Überlebenschancen der Tiere im Winterhalbjahr. «Ausserdem gibt es ohnehin wenige Schutzzonen für Wasservögel am Bodensee,» erläutert Klein. Durch das ständige Eindringen von Wassersportlern in die geschützten Bereiche würden für die Tiere noch mehr Flächen wegfallen, auf denen sie sich ungestört aufhalten könnten.

Auch in der Schweiz weiss man um die Bedrohung der Wasservögel. Rolf Niederer, Stellvertretender Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Thurgauer Amt für Raumentwicklung, sieht nebst den Paddlern aber noch weitere Probleme für die Tiere: «Mit jeder Wassernutzung wird der Druck auf die Vögel grösser.» Dabei bräuchten die Vögel ruhige Buchten, in die sie sich zurückziehen und den Winter überdauern könnten.

Die Vögel zu stören sei auch während der Brutzeit kritisch, wie Pro Natura Thurgau auf Anfrage erklärt. «Wenn die Vögel wegfliegen müssen, wird die Brut nicht warm gehalten und könnte dadurch zerstört werden», sagt Felix Somm, Projektleiter der Pro Natura Thurgau.

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