Feuerlauf: «Völlig unverständlich, wie sich 25 Menschen verletzen konnten»

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Feuerlauf«Völlig unverständlich, wie sich 25 Menschen verletzen konnten»

25 Personen haben sich bei einem Feuerlauf in Wädenswil teils schwer verletzt. Feuerlauf-Coach Otto Gerber mahnt: «Ein Feuerlauf ist kein Partyspiel, um die Gäste aufzulockern.»

von
Marino Walser
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Bei einem Teamanlass auf der Halbinsel AU ereignet sich gestern ein Unfall. Nach einem organisierten Feuerlauf verletzen sich 25 Personen teilweise schwer.

Bei einem Teamanlass auf der Halbinsel AU ereignet sich gestern ein Unfall. Nach einem organisierten Feuerlauf verletzen sich 25 Personen teilweise schwer.

20min/Michael Scherrer
Zehn Rettungswagen rückten aus, weil sich in Wädenswil ZH 25 Personen bei einem Feuerlauf verletzten.

Zehn Rettungswagen rückten aus, weil sich in Wädenswil ZH 25 Personen bei einem Feuerlauf verletzten.

20min/News-Scout
25 Personen mussten medizinisch behandelt werden, 13 erlitten schwere Verletzungen. Sie alle gingen bei einem Feuerlauf über einen Glutteppich.

25 Personen mussten medizinisch behandelt werden, 13 erlitten schwere Verletzungen. Sie alle gingen bei einem Feuerlauf über einen Glutteppich.

IMAGO/Westlight

Darum gehts

  • Bei einer privaten Veranstaltung sind mehrere Personen über glühende Kohlen gelaufen.

  • 25 Personen mussten medizinisch behandelt werden, 13 erlitten schwere Verletzungen.

  • Ein Feuerlauf-Coach ist davon überzeugt, dass in Wädenswil schwerwiegende Fehler begangen wurden.

Am Dienstagabend mussten Polizei und Sanität mit einem Grossaufgebot nach Wädenswil (ZH) ausrücken. Bei einer privaten Veranstaltung waren mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ein glühendes Kohlebecken gelaufen. Dabei verletzten sich 25 Personen, 13 davon schwer. Mehr als die Hälfte der Personen musste ins Spital gebracht werden.

Wie 20 Minuten weiss, passierte der Unfall im Rahmen eines Firmenfests. Otto Gerber aus Wädenswil ist selbst Feuerlauf-Coach und war nach eigenen Angaben beim gestrigen Anlass nicht involviert. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, wie sich gleich 25 Personen beim Lauf über die bis zu 700 Grad heisse Glut verletzen konnten. «Wenn sich nur schon vier Menschen dabei verbrennen, ist dies unverständlich», sagt Gerber.

«Das ist eine seriöse Sache, das braucht Vorbereitungszeit»

«Die Glut ist durchschnittlich drei bis fünf Meter lang. Dass sich 25 Personen gleichzeitig auf der Glut befanden, ist daher unwahrscheinlich. Dieser Zwischenfall muss auf einen schwerwiegenden Fehler des Coaches zurückzuführen sein», sagt Gerber. Ein verantwortungsvoller Leiter läuft nach Aussagen Gerbers als Erstes mindestens zwei Mal über die Glut – um die Hitze abschätzen zu können und Verbrennungen vorzubeugen.

«Es ist auch nicht auszuschliessen, dass am gestrigen Anlass Alkohol mit im Spiel war», sagt Gerber. Dies sei dann zusätzlich zu verurteilen. Denn ein Feuerlauf ist laut dem Wädenswiler kein Partyspiel, um die Gäste einfach ein wenig aufzulockern. «Es ist eine seriöse Sache, die vor allem auch eine lange und konzentrierte Vorbereitungszeit benötigt.»

Der Wädenswiler ist nach eigenen Angaben der Erste gewesen, der in der Schweiz Feuerläufe angeboten hat. Mittlerweile hat Gerber mehr als 10’000 Feuerlaufende über die heisse Glut begleitet. «Aufgrund meiner Erfahrung müssen die Teilnehmenden bei mir auch keinen Haftungsausschluss unterschreiben», sagt Gerber.

In der Zeit, in der Gerber als Feuerlauf-Coach tätig ist, konnte er immer mehr feststellen, dass auch viele esoterische Gruppen einen solchen Feuerlauf für eine Art Zeremonie nutzen. «Aufgrund dieser Entwicklung gibt es immer mehr Feuerläufe, die nicht von offiziellen Coaches durchgeführt werden. Dies führt dann eben zu solchen Zwischenfällen.»

Würdest du über heisse Glut gehen, um die eigenen Grenzen zu überschreiten?

Vorbereitungszeit hätte vermutlich länger dauern müssen

Auch zwei weitere Feuerlauf-Coaches bestätigen die ersten Einschätzungen Gerbers. Zum einen sei sicherlich fraglich, wieso bereits am späten Nachmittag der Feuerlauf stattgefunden habe, da die Glut im Hellen nicht genügend sichtbar sei, und zum anderen, ob wirklich genügend Vorbereitungszeit für den Feuerlauf stattgefunden habe.

«Wir bereiten die Teilnehmenden mindestens vier Stunden auf den Feuerlauf vor. Das ist wichtig, um auch herausfinden zu können, ob die Laufenden bereit dazu sind», sagt ein Feuerlauf-Coach. In diesen Stunden werden die Konzentration, die Präsenz und das Selbstvertrauen gestärkt. Für ihn sei es ebenfalls nicht erklärbar, wie es dazu kommen konnte, dass sich gleich 25 Personen verbrannten.

Der zweite Coach stellt sich neben der Vorbereitungszeit auch die Frage, wie gut die Kohle für den Lauf vorbereitet wurde. «Ist zu viel Sauerstoff im Feuer, hält man den Fuss nur ein einziges Mal in die Glut.» Er selbst sei immer mit mindestens zwei weiteren Personen am Anlass vertreten – einem weiteren Coach und einem Feuermeister, der das Feuer für den Lauf herrichtet. «Es ist wichtig, dass der Glutteppich optimal für einen Lauf vorbereitet wird. Der Sauerstoffgehalt der Glut muss beachtet werden und der Glutteppich muss frei von grossen Holzstücken sein, damit die Läufer nicht stolpern.» Des Weiteren verlange es seine Professionalität von ihm, dass Feuerläufe vorab bei der Feuerwehr angemeldet sind, damit Dritte unter Umständen nicht ein Feuer melden.

Goldbach Group hatte Seminar gebucht

Gemäss der Kantonspolizei Zürich ging gegen 18 Uhr eine Meldung bei Schutz und Rettung Zürich ein. Vor Ort wurden 25 Personen medizinisch behandelt, wovon 13 Personen mit schwereren Verletzungen hospitalisiert werden mussten. Die Kantonspolizei Zürich sicherte Spuren und nahm die Ermittlungen zu den Umständen des Unfalls auf.

Bei den Teilnehmenden des Seminars handelt es sich um Mitarbeitende des Werbevermarkters Goldbach, der wie 20 Minuten zur TX Group gehört. «Das Feuerlaufen war für alle Teilnehmenden freiwillig, es wurde niemand gezwungen. Die Message vor Ort war, dass man mindestens so viel Mut beweist, wenn man nicht über die glühende Kohle geht», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Auch eine Einverständniserklärung hätten die Teilnehmenden nicht unterschreiben müssen, da die Teilnahme freiwillig gewesen sei, sagt sie weiter.

Inzwischen konnten alle Mitarbeitenden das Spital wieder verlassen. Die Geschäftsleitung steht laut einer Mitteilung mit den betroffenen Mitarbeitenden und Teams in engem Austausch. Michi Frank, CEO der Goldbach Group, sagt: «Wir bedauern den Vorfall ausserordentlich und wir setzen alles daran, dass es unseren Mitarbeitenden schnell wieder gut geht.»

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