Aktualisiert 19.10.2012 10:30

Heusler-Kritik«Vogel fehlte in letzter Zeit der Bezug zu Basel»

FCB-Präsident Bernhard Heusler nennt auf Telebasel erstmals Details zur Entlassung von Trainer Heiko Vogel. Und er bringt Verständnis für diejenigen auf, die den Trainerwechsel scharf kritisieren.

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Mit der Entlassung Heiko Vogels überraschte der FC Basel vergangenen Montag die Fussball-Schweiz. In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Bekanntgabe der Entlassung und Murat Yakins Präsentation als neuer Trainer stand FCB-Präsident Bernhard Heusler am Donnerstagabend in der Sendung «061live» auf Telebasel Red und Antwort.

«Das sind die schlimmsten Momente. Es war ein verdammt schwieriger Entscheid, der uns auch weh getan hat», blickt Heusler auf den vergangenen Montag zurück. Vogel ist gegenüber Medien derzeit nicht für eine Stellungnahme zu haben. Heusler habe aber die vergangenen Tage mehrmals mit dem 37-jährigen Pfälzer telefoniert. «Es ist schön, dass man sich menschlich und persönlich absolut noch in die Augen schauen kann. Herr Vogel hat mir gestern gesagt, er werde mir ewig dankbar sein, dass wir vor einem Jahr den Mut hatten, ihm das Amt des Cheftrainers zu übertragen.»

Heusler erklärt sich zumindest rudimentär

In die Gründe für Vogels Kündigung gewährt Heusler drei Tage nach dem Entscheid zumindest teilweise Einblick. Der 48-jährige Wirtschaftsanwalt macht kein Geheimnis daraus, dass er einen Trainer will, der nicht nur zu hundert Prozent hinter dem Klub, sondern auch hinter der Stadt Basel steht. «Ich erwarte, dass der neue FCB-Trainer seinen Lebensmittelpunkt in Basel hat. Ich will, dass er in der «Freien Strasse» einkaufen geht und den Menschen begegnet. Das ist etwas, was mir in der letzten Zeit gefehlt hat.» Vogel sei bei jeder Gelegenheit zu seiner Familie in Bayern abgedüst.

Für den Münchensteiner Murat Yakin kein Problem. Bis er eine geeignete Wohnung in der Region gefunden hat, zieht der 38-Jährige zu seiner Mama Emine. Heusler legt nach zwei deutschen Trainern (Fink, Vogel) wieder mehr Wert darauf, dass der FC Basel einen Trainer hat, der sich mit dem Schweizer Fussball identifizieren kann. «Wir wollten jemanden präsentieren, der Erfahrung im Schweizer Fussball hat. Jemanden, dem man nichts mehr erklären muss.» Die Super League sei etwas Kompliziertes. «Wenn man von aussen kommt – vor allem aus Deutschland –, hat man das Gefühl, man sei in der Provinz.»

Viel Unverständnis bei den Fans

Während er Vogel «fehlende Führungsqualität» attestierte, ist der FCB-Boss von der Akribie und der Besessenheit Yakins angetan. «Ich glaube, Muri hat sehr viel von Christian Gross' Besessenheit übernommen. Genau diese Besessenheit verlange ich von einem Trainer.»

Die Wogen bei den FCB-Anhängern haben sich auch drei Tage nach der Entlassung von Vogel nicht geglättet. Heusler bringt viel Verständnis für die negative und emotionsgeladene Kritik der Fans auf. «Wir spüren das und haben geahnt, dass es so kommen wird. Die Menschen sind in ihrem Informationsbedürfnis nicht befriedigt worden – auch jetzt nicht. Wir hätten auch häppchenweise Informationen an die Medien abgeben können, um den Trainer langsam zu destabilisieren. Aber es gehört zu unseren Prinzipien, das wir die Menschen schützen, die für uns arbeiten.»

Retourkutsche auf Alpstaeg-Kritik

Als Beispiel für das momentane Unverständnis der Fans nennt Heusler folgendes Beispiel: «Auch diejenigen, die geschrieben haben, ich wäre ohne Heiko Vogel ein Nichts und hätte noch nichts bewirkt beim FCB, dürfen wissen, dass jedes Mail angeschaut wird.» Für Heusler sind die Reaktionen aus dem Umfeld nichts Neues. «Aber wir können keine Umfrage machen, ehe wir einen Entscheid fällen.»

Er sei kein Präsident, der den Verein wie einen «Komödiantenstadel» führt. So, wie das bei anderen Klubs der Fall sei, «wo sich Aktionäre zu Wort melden», so die zynische Retourkutsche an FCL-Investor Bernhard Alpstaeg, der zuletzt in einem Interview bei «Radio Central» über Heusler und Yakin («Joggelibueb») wetterte.

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