Strafgericht BS: Vogelfederdieb soll für vier Jahre hinter Gitter

Aktualisiert

Strafgericht BSVogelfederdieb soll für vier Jahre hinter Gitter

Die Sammelsucht machte einen Greifvogel-Fan zum Federdieb. Auf seiner Beutetour durch zahlreiche Museen profitierte er auch von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen.

von
lha
1 / 5
Bälge in einer Schublade der Greifvogel-Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel. Der diebische Sammler hatte hier in den Jahren 2002 und 2006 anlässlich mehrerer Besuche Federn gerupft.

Bälge in einer Schublade der Greifvogel-Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel. Der diebische Sammler hatte hier in den Jahren 2002 und 2006 anlässlich mehrerer Besuche Federn gerupft.

Keystone/Georgios Kefalas
Im Sammlungsmagazin hatte der Federdieb leichtes Spiel. Er konnte die ausgestopften Exponate unbeaufsichtigt begutachten. Er hinterliess einen Sachschaden von mindestens 246'000 Franken.

Im Sammlungsmagazin hatte der Federdieb leichtes Spiel. Er konnte die ausgestopften Exponate unbeaufsichtigt begutachten. Er hinterliess einen Sachschaden von mindestens 246'000 Franken.

Keystone/Georgios Kefalas
Ein beschaedigter Balg eines Maeusebussards (buteo buteo) in der Greifvogel-Sammlung im Sammlungsmagazin im Naturhistorischen Museum in Basel. Schon eine einzelne Feder ist meist mehrere hundert Franken wert.

Ein beschaedigter Balg eines Maeusebussards (buteo buteo) in der Greifvogel-Sammlung im Sammlungsmagazin im Naturhistorischen Museum in Basel. Schon eine einzelne Feder ist meist mehrere hundert Franken wert.

Keystone/Georgios Kefalas

Viele sind in irgend einer Form Sammler – und in seltenen Fällen wird daraus eine Obsession, die zu kriminellen Handlungen verführt. So bei einem Solothurner Greifvogel-Enthusiasten, dessen Sammel-Leidenschaft ihn sozusagen zur diebischen Elster machte. Zwischen 2002 und 2012 rupfte er in Museen in Basel, Stuttgart, Berlin oder Wien und anderen Städten tausende Federn von seltenen oder gar ausgestorbenen Greifvögeln und Eulen. Am Dienstag mussten er und ein Mitttäter sich vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Der 45-jährige Familienvater, der ein unauffälliges, bürgerliches Leben führt, ist reuig und geständig. Bereits als Zehnjähriger begann er mit dem Sammeln von Federn. Irgendwann wurde es schwierig, auf legalem Weg an die gewünschten Exemplare zu kommen. «Bei Sammlern sprach sich herum, dass in Museen wahnsinnig viele Präparate liegen», erklärte er. Sein mitangeklagter Sammlerkollege habe ihn 2002 erstmals ins Naturhistorische Museum Basel mitgenommen. Danach war er angefixt.

«Ich wollte von jeder Art eine Feder»

Sein Verteidiger Daniel Borter sprach in seinem Plädoyer davon, dass sein Mandant «in Versuchung geführt wurde», so lasch seien die Sicherheitsvorkehrungen gewesen. Der Sammler meldete sich bei den Museen jeweils an, nachdem er im Internet recherchiert hatte, welche Institutionen Exponate von Arten besassen, die in seiner Sammlung fehlten. «Ich wollte von jeder Art eine Feder haben.» Erst waren es nur Federn, doch dann interessierten ihn auch anatomische Zusammenhänge – er riss teilweise ganze Flügel ab.

Im Leben ein unbescholtener Bürger, der Recht von Unrecht unterscheiden konnte, wurde er angesichts der Federn zum Dieb. Den Museen fiel der Schaden in ihren Sammlungen jahrelang nicht auf. Erst als ein Berliner Kurator die Schäden bemerkte, flog der Mann auf: Weil er der einzige Besucher war, der für die Tat in Frage kam, konnte er überführt werden. Das Berliner Museum informierte andere Institutionen – und immer mehr Fälle kamen zum Vorschein.

«Als würde bei einem Picasso ein Stück fehlen»

Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmte die Polizei 27'731 Federn, von denen sich 17'250 als geklaut herausstellten. Der angerichtete Sachschaden soll fast 6 Millionen Franken betragen. Kuratoren sagten, dass schon bei fünf fehlenden Federn ein Totalverlust entstehe: «Als würde bei einem Picasso ein zehn mal zehn Zentimeter grosses Stück fehlen», führte Staatsanwältin Lea Lanz in ihrem Plädoyer aus. Sie forderte für den gierigen Sammler eine vierjährige Haftstrafe. Er sei systematisch und gewerbsmässig vorgegangen. «Er kam, sah und stahl», so Lanz.

«Es wurde ihm zu leicht gemacht»

Sein Verteidiger plädiert derweil auf eine bedingte Haftstrafe. Seine Familie sei auf ihn angewiesen und andernfalls ruiniert, so Borter. Kriminelle Energie bestritt er bei seinem Mandanten: «Es wurde ihm zu leicht gemacht.» Zudem bezweifelte er den von der Anklage akribisch aufgelisteten und bezifferten Sachschaden. «Wären die Exponate von so grossem wissenschaftlichem Wert, hätten die Museen doch entsprechende Vorkehrungen getroffen.»

Für den Mitttäter wurde ein Freispruch beantragt. Dessen Diebstähle seien bereits verjährt und beim Vorwurf der Hehlerei habe die Staatsanwältin das Anklageprinzip verletzt. Das Gericht eröffnet sein Urteil am Mittwoch.

«Federn wurden gewaltsam rausgerissen»

Ein Greifvogel-Fan muss sich ab Dienstag vor dem Strafgericht verantworten. Er soll in Museen seltene Federn für seine private Sammlung gestohlen haben.

Basil Thüring, Direktor a.i. des Naturhistorischen Museums Basel äussert sich zu den Diebstählen.

Deine Meinung