Vogelgrippe: Erster Fall in Zuchtbetrieb in Frankreich
Aktualisiert

Vogelgrippe: Erster Fall in Zuchtbetrieb in Frankreich

Die Vogelgrippe hat erstmals eine Geflügelfarm in der EU erreicht. In einem Betrieb nahe der Schweizer Grenze ist das Virus H5N1 bei verendeten Tieren nachgewiesen worden. Präsident Chirac hat unterdessen eindringlich vor Panikmache gewarnt.

In dem Truthahnzuchtbetrieb in Versailleux im Département Ain waren mehr als 400 der 11 000 Tiere an der Krankheit verendet. Fünf Mitarbeiter des betroffenen Betriebes werden präventiv medizinisch behandelt. Alle Truthähne des Betriebs seien getötet worden, betonte das Ministerium.

Die betroffenen Gebäude würden derzeit desinfiziert. Schon vor der Bestätigung der Infektion sei die Beobachtungszone auf 160 Gemeinden ausgedehnt worden. Es werde untersucht, wie sich die Truthähne die nicht unter freiem Himmel, sondern in Ställen gehalten worden seien, infiziert hätten, hiess es in der Erklärung weiter.

Versailleux liegt direkt neben dem Fundort der ersten Wildente, die in Frankreich als Träger des Vogelgrippevirus H5N1 identifiziert wurde. Frankreich verfügt über Europas grösste Geflügelindustrie.

Japan verhängte umgehend einen Importstopp, wie das Landwirtschaftsministerium in Tokio mitteilte. Frankreich werde zudem gebeten, mehr Informationen über die Vogelgrippe zu liefern. Japan hatte im vergangenen Jahr 1510 Tonnen Geflügelfleisch sowie 377 Tonnen Innereien aus Frankreich importiert.

Kein Grund zur Panik

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat nach dem Nachweis der Vogelgrippe vor Panikmache gewarnt. Er rufe insbesondere die Medien auf, deutlich zu machen, dass keine Gefahr für die Verbraucher bestehe, sagte Chirac am Samstag bei einem Treffen mit Tierärzten und Geflügelproduzenten bei einer Landwirtschaftsmesse in Paris.

Er beobachte die Entwicklung einer «vollkommen ungerechtfertigten Art von Panik, mit allen wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die das mit sich bringt», kritisierte der französische Präsident. Chirac wies daraufhin, dass der Verzehr von Geflügel und Eiern ungefährlich seien.

Schweiz eingekreist

Die ostfranzösische Region Ain grenzt an die Schweiz. Seit Ende letzter Woche sind deshalb in Genf zehn tote oder krank aufgefundene Schwäne sowie andere Wasservögel auf das Vogelgrippe- Virus untersucht worden. Bisher fielen alle Tests negativ aus; keines der Tiere war Träger des H5N1-Virus.

Auch Norden der Schweiz rückt das Vogelgrippe-Virus immer näher. Bei einer Tafelente, die auf der deutschen Seite des Bodensees tot aufgefunden wurde, wurde das Virus H5N1 nachgewiesen. Das Landratsamt Bodensseekreis richtete eine Sperrzone mit einem Radius von zehn Kilometern ein.

Innerhalb eines Radius von drei Kilometern wird das Nutzgeflügel kontrolliert, Geflügeltransporte wurden verboten. Dass am Bodensee infizierte Vögel gefunden werden würden, war erwartet worden: Am Bodensee überwintern tausende von Wasservögel oder verbringen umgekehrt ihren Sommer dort.

In Deutschland ist der Bodensee das dritte Gebiet, in dem Vögel gefunden wurden, die am auch für Menschen gefährlichen Virus H5N1 gestorben sind. Zuerst aufgetreten war die Vogelgrippe auf der Ostseeinsel Rügen. Am Donnerstag war der erste Fall im nördlichen Bundesland Schleswig-Holstein aufgetaucht.

Quelle: SDA/AP

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