Aktualisiert 10.02.2004 22:37

Vogelgrippe: EU-Abgeordnete werfen Brüssel Versäumnisse vor

Im Europaparlament ist am Dienstag deutliche Kritik an der Reaktion der EU-Kommission auf die in Asien grassierende Vogelgrippe laut geworden.

Es sei zu spät reagiert worden, lautete der Vorwurf.

Sprecher aller massgeblichen Fraktionen warfen Verbraucherkommissar David Byrne vor, er habe erst sehr spät - am 23. Januar - einen Einfuhrstopp gegen Geflügel und Geflügelprodukte aus Thailand verhängt.

Byrne sei Anfang Januar in Thailand gewesen und habe zunächst nichts unternommen, kritisierte der britische Konservative Neil Parish. Es stelle sich die Frage, ob in der EU die Interessen des Handels wichtiger seien, als die Volksgesundheit.

Die Kommission reagiere immer erst, wenn eine Epidemie ausgebrochen sei, kritisierte die konsumpolitische Sprecherin der sozialistischen Fraktion, Dagmar Roth-Behrendt. Dabei sei bekannt, dass die Hygienebedingungen bei der Massentierhalteung in Asien gemessen an EU-Standards «eine Katastrophe» seien.

Vorwürfe zurückgewiesen

Byrne wies die Vorwürfe zurück. Die Kommission habe nach Bekanntwerden der Epidemie «innerhalb weniger Stunden» mit einem Importverbot reagiert. Für die Einfuhrkontrollen an den Grenzen seien die Mitgliedsländer verantwortlich. Derzeit prüfe die Kommission, ob die Herkunftsangaben für Lebensmittelimporte verbessert werden müssten.

Laut Byrne sollen sich die Gesundheitsminister der EU am Donnerstag bei einem Treffen in Brüssel mit der Vogelgrippe befassen. Sie sollen unter anderem prüfen, ob in der EU ausreichende Impfstoffreserven gegen diese Krankheit vorhanden sind.

Vietnam lockert Auflagen

Die vietnamesischen Behörden lockerten unterdessen die strengen Auflagen zur Tötung von Geflügel im Umkreis von Vogelgrippe- Infektionsherden.

In einem Brief an die 64 Provinzen zog Landwirtschaftsminister Le Huy Ngo seine Anordnung zurück, wonach nach einem Ausbruch der auch für Menschen gefährlichen Krankheit alle Hühner in einem Radius von drei Kilometern zu töten seien. Als Grund führte er die Existenzgefährdung für die Landwirtschaft des Landes an.

Vietnam hat nach dem Ausbruch der Hühnerpest etwa 30 Millionen seines insgesamt 250 Millionen Tiere zählenden Geflügelbestandes schlachten lassen. Das südostasiatische Land ist von der Krankheit bislang am schlimmsten betroffen: Von den 19 Toten stammten 14 aus Vietnam; 5 Opfer wurden in Thailand gezählt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf forderte unterdessen weitere Tests, um sicherzustellen, dass das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen wurde.

Importe aus USA gestoppt

China stellte wegen der Vogelgrippe seine Geflügelimporte aus den USA ein, wie das staatliche Radio berichtete. Die Volksrepublik folgt damit anderen asiatischen Staaten wie Japan, Malaysia und Singapur.

Diese Staaten hatten nach der Entdeckung der Viruskrankheit im US-Bundesstaat Delaware ihre Einfuhren umgehend gestoppt hatten. Unterdessen brach auf einer zweiten Farm in Delaware die Vogelgrippe aus. Die 72 000 Hühner sollen umgehend geschlachtet werden.

(sda)

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