Vogelgrippe: Stallpflicht gut angelaufen
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Vogelgrippe: Stallpflicht gut angelaufen

Ärzte und Apotheken sollen kein Tamiflu auf Vorrat abgeben, damit das Medikament bei der saisonalen Grippewelle ausreichend zur Verfügung steht.

Laut Direktor Thomas Zeltner vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) wurden sie entsprechend informiert.

Zeltner und Direktor Hans Wyss vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) orientierten die Medien - wie inskünftig jeden Freitag - im Bundeshaus über die jüngste Entwicklung im Zusammenhang mit der Vogelgrippe und der «normalen» Grippe. Zuvor hatte im BVET wie üblich der Vogelgrippe-Ausschuss getagt.

Situation unverändert

Weltweit habe sich die Situation seit letzter Woche nicht verändert, sagte Zeltner. 121 Menschen seien am Vogelgrippe-Virus H5N1 erkrankt, 62 gestorben. In Südostassien bestehe ein Herd des Virus in den Geflügelpopulationen mit seltenen Ansteckungen von Menschen. In Europa gebe es weder Infektionen noch Verdachtsfälle.

Laut Zeltner findet vom 7. bis 9. November in Genf eine Konferenz der Weltgesundheitsorganisation WHO, der Welternährungsorganisation FAO und der Weltbank statt. Dabei soll insbesondere erörtert werden, wie den stark betroffenen Ländern bei der Bekämpfung der Seuche finanziell geholfen werden kann.

Kleiner Grenzverkehr

Was die normale saisonale Grippe angeht, wiederholte Zeltner die Empfehlung, dass sich Menschen über 65 Jahre und solche mit Atemwegserkrankungen sollten impfen lassen. Aller Impfstoff liege bereits bei den Ärzten und Apotheken. Er könnte deshalb früher ausgehen als erst zum Jahreswechsel wie in den letzten Jahren.

Zum Verschreiben oder zur Abgabe des Grippemittels Tamiflu gebe es derzeit keine Indikation, sagte Zeltner. Ärzte und Apotheken sollten damit zuwarten, bis sich die Epidemie abzeichne. Offenbar versuchten Ausländer im Grenzgebiet, sich in der Schweiz auf Rezept mit dem bei ihnen ausverkauften Mittel zu versorgen.

Strausse im Balzstadium

Die Umsetzung des seit letzten Dienstag geltenden Freilandverbots für Geflügel funktioniere «im Grundsatz gut», sagte Wyss. Das Verständnis sei gross. Gewisse Probleme bereite die Stallpflicht bei privat gehaltenen Wasservögeln und insbesondere bei Straussen, zumal diese im Balzstadium seien.

Nach Auskunft eines BVET-Sprechers wurden in der Schweiz bisher 90 Zugvögel untersucht - alle negativ. Ob im Frühling bei der Rückkehr der Tiere aus Afrika erneut eine Stallpflicht für das Schweizer Geflügel verfügt werden muss, konnte Wyss nicht sagen.

Eine Impfung des Geflügels steht laut Wyss nicht zur Diskussion. In Frage komme sie nur dort, wo die Vogelgrippe bereits flächendeckend aufgetreten sei. In Kontakt stehe man allerdings mit den Zoologischen Gärten: «Hier könnte eine Impfung sinnvoll sein.»

(sda)

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