Vogelgrippe von Sohn zu Vater übertragen
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Vogelgrippe von Sohn zu Vater übertragen

Ein 52-jähriger Chinese hat sich wahrscheinlich bei seinem 24-jährigen Sohn mit der Vogelgrippe angesteckt. Das untermauert ein detaillierter Erbgutvergleich der Viren.

Den Vergleich haben Forscher um Yu Wang vom chinesischen Seuchenkontrollzentrum in Peking im Medizinjournal «The Lancet» (online vorab) veröffentlicht. Der Fall hatte als mögliche H5N1-Übertragung von Mensch zu Mensch im vergangenen Dezember Schlagzeilen gemacht. Der Vater überlebte dank schneller medizinischer Hilfe, sein Sohn starb.

Die bei Vater und Sohn isolierten Viren seien genetisch identisch, abgesehen von einer einzigen kleinen Veränderung in der Abfolge der Erbgutbausteine, berichten die Forscher. Bei den Viren seien jedoch keine grundlegenden Mutationen festgestellt worden, die eine Ansteckung von Mensch zu Mensch erleichtern würden.

Mediziner fürchten eine solche Veränderung des Vogelgrippeerregers, die eine weltweite schwere Grippewelle mit hunderttausenden Toten auslösen könnte.

Welche Eigenschaften das Virus leicht unter Menschen übertragbar machen könnten, sei weiterhin unbekannt, betonen die Autoren der Studie. Häufungen von Vogelgrippefällen in Familien müssten daher stets umgehend und genau untersucht werden.

Bislang ist nur in Einzelfällen eine H5N1-Übertragung von Mensch zu Mensch bekannt, etwa aus Vietnam, Kambodscha und Indonesien. Zuletzt hatte das pakistanische Gesundheitsministerium in der vergangenen Woche über einen Fall berichtet, in dem sich zwei Männer bei ihrem Bruder angesteckt haben sollen. Tests der Weltgesundheitsorganisation stützen diese These.

Das Virus H5N1 gilt derzeit nur bei sehr engem Kontakt als übertragbar von Mensch zu Mensch. Wie viele der bislang rund 380 registrierten Fälle weltweit genau auf Ansteckungen unter Menschen zurückgehen, ist unbekannt. Die Forscher um Yu betonen jedoch, dass etwa ein Viertel der registrierten Fälle in Gruppen von zwei oder mehr Menschen aufgetreten seien, die miteinander in Kontakt standen.

Allerdings teilen sich diese Menschen oft auch andere Risikofaktoren für die Vogelgrippe, weil sie etwa denselben Hühnerbestand bewirtschaften oder auf demselben Markt verkaufen.

(sda)

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