Tatort Strandbad: Vogelkot brachte keine Entlastung
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Tatort StrandbadVogelkot brachte keine Entlastung

In Erlenbach ist der Besitzer eines Ruderbootes widerrechtlich in das Hoheitsgebiet des Strandbades Winkel eingedrungen. Die Darstellung des Ruderers, wonach er die Bojen wegen Vogelkot übersehen habe, liess das Zürcher Obergericht nicht gelten.

von
Attila Szenogrady

Es war ein schöner Sommerabend, als ein Treuhänder aus Erlenbach am 5. Juli 2008 mit seinem Ruderboot auf dem Zürichsee unterwegs war. Kurz nach 17 Uhr passierte es: Der heute 50-jährige Familienvater kam unversehens mit dem Strafgesetz in Konflikt. Grund dafür: Er drang plötzlich in die Gewässer der gut besuchten Seebadi ein und näherte sich dem nördlichen Steg bis auf 20 Zentimeter. Dabei gefährdete er laut Statthalteramt nicht nur die Badegäste, sondern hatte sich auch des Befahrens einer für die Schifffahrt gesperrten Wasserfläche schuldig gemacht.

Vogelkot als Entlastungsbeweis

Der offenbar von der Seepolizei erwischte Ruderer kassierte in der Folge eine Busse von 150 Franken. Eine Strafe, die er aber nicht akzeptierte und juristisch durch einen Rechtsanwalt anfechten liess. Kürzlich auch vor dem Zürcher Obergericht. Der Verzeigte machte geltend, dass er gar nicht bemerkt habe, dass er auf eine gesperrte Wasserfläche gerudert sei. So seien die gelben Bojen durch Vogelkot völlig bedeckt gewesen. Weshalb der Verteidiger die verschmutzten Schwimmkörper als nichtige Verkehrszeichen einstufte und deshalb einen vollen Freispruch verlangte.

Weisser Vogeldreck hebt sich auch vom Wasser ab

In seinem am Freitag eröffneten Urteil hat das Obergericht die Anträge des Bootsbesitzers abgelehnt. Die Berufungsinstanz räumte zwar ein, dass die Bojen tatsächlich aus der Luft verdreckt worden seien. Allerdings hebe sich auch die weisse Farbe des Vogelkots vom blauen Wasser ab, steht im Urteil. Weshalb die Bojen laut Obergericht immer noch deutlich erkennbar waren. Zudem handle es sich beim Beschuldigten um einen ortskundigen Eingeborenen, der in Erlenbach aufgewachsen sei und den Tatort schon als Kind oft aufgesucht habe.

Es wird teuer…

Mit dem Schuldspruch wurde die Busse von 150 Franken bestätigt. Allerdings wird es für den Einsprecher viel teurer. So wird er ins Rudern kommen, da er sämtliche bisher aufgelaufene Verfahrens- und Gerichtskosten von rund 2000 Franken zu bezahlen hat. Zudem die beträchtlichen, jedoch bisher erfolglosen Aufwendungen seines erneut unterlegenen Rechtsanwaltes. So hatte bereits das Bezirksgericht Meilen den Bootsbesitzer im September 2009 antragsgemäss für schuldig befunden.

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