Massensterben: «Vogelsterben gibt es auch in der Schweiz»

Aktualisiert

Massensterben«Vogelsterben gibt es auch in der Schweiz»

Das mysteriöse Vogelsterben geht weiter. Experte Matthias Kestenholz betreibt Ursachenforschung und erklärt, warum auch hier immer wieder Vögel vom Himmel fallen.

von
Felix Burch

Seit in Arkansas tausende Vögel aus noch immer ungeklärten Gründen vom Himmel gefallen sind, kommen fast täglich neue Meldungen von massenhaftem Vogelsterben dazu. Heute Mittwoch meldet auch der US-Bundesstaat Kentucky, es seien hunderte tote Sterlinge, Wanderdrosseln und Stare entdeckt worden. Was steckt wirklich dahinter? Der Schweizer Experte Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach gibt Auskunft.

Warum fallen plötzlich an mehreren Orten auf der Welt Vögel vom Himmel?

Matthias Kestenholz: Das ist nichts Neues, leider passiert es immer wieder. Ich habe mich schon fast an solche traurigen Nachrichten aus der Vogelwelt gewöhnt.

Gab es auch in der Schweiz schon solche Fälle?

Ja, immer wieder. Am 26. Dezember 1999 zum Beispiel kamen bei uns viele Vögel durch den Sturm «Lothar» um. Es «blies» hunderte Möwen und Sturmschwalben von Frankreich in die Schweiz, die dann erschöpft vom Himmel auf Strassen und Felder fielen. Zudem starben vor wenigen Jahren Zugvögel im Glanerland und in Nidwalden. Sie gerieten nachts in dichten Nebel und verloren die Orientierung. In einer Art Blindflug entdeckten sie dann Lichtkegel von Lampen oder aus Häusern. Wie Motten flogen sie um diese herum, bis sie vor Erschöpfung eingingen.

Sind es also immer Stürme, die für das Massensterben von Vögeln verantwortlich sind?

Nicht immer, aber oft. Es gibt zwei Ursachengruppen: natürliche und menschliche. Bei den natürlichen handelt es sich fast immer um extreme Wettersituationen. Stürme, Waldbrände, Hagel, Schnee, Eisregen oder lange Kälteperioden sind mögliche Ursachen. Dazu kommen Seuchen. Menschliche Ursachen haben oft mit Chemie zu tun.

Was ist die Ursache für das Massensterben in den USA?

Es ist schwierig, dies aus der Ferne zu beurteilen. Stürme gab es dort offenbar keine. Gemeinsam haben die gefundenen Arten Rotschulterstärlinge, Dohlen und Stare, dass sie in Gruppen am selben Platz übernachten. Möglicherweise wurden sie nachts aufgeschreckt, haben bei schlechter Sicht die Orientierung verloren und sind dann gegen Häuser, Autos oder Hindernisse wie Stromleitungen geflogen.

Wodurch könnten sie aufgeschreckt worden sein?

Feuerwerk wurde ja bereits erwähnt. Es könnte aber auch sein, dass sie von Farmern bewusst, beispielsweise mit Chemie, bekämpft wurden. Die Rotschulterstärlinge und Stare gelten in den USA als Ernteschädlinge und sind bei den Bauern sehr unbeliebt.

Es gab auch in Schweden einen mysteriösen Fund mit toten Dohlen. Wie ist die aktuelle Häufung erklärbar?

Gelangt eine Meldung an die Öffentlichkeit, sind die Menschen sensibilisiert auf das Thema. Momentan wird fast jeder Vogelfund gemeldet und gelangt dann in die Medien.

Was halten Sie von Verschwörungstheorien wie Tests von biologischen Waffen?

Nichts. Es gibt zu viele andere mögliche Ursachen. Alle Fundorte, auch innerhalb einzelner Staaten, liegen weit auseinander. Ich glaube deshalb an lokal verschiedene Gründe für das Vogelsterben. Einen Zusammenhang gibt es wohl nicht.

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