31.07.2020 08:56

Dubler-«Mohrenköpfe»

Volg bezeichnet Süssigkeit als «Eiweissmasse mit Migrationshintergrund»

Shitstorm für Volg: Eine Filiale nannte Dubler-«Mohrenköpfe» auf einem Schild «mit Schoggi überzogni Eiwiissmassä mit Migrationshintergrund». Die Tafel wurde inzwischen entfernt.

von
Bettina Zanni
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«Mit Schoggi überzogni Eiwiissmassä mit Migrationshintergrund :-)», preist ein Schild in einer Volg-Filiale die Dubler-«Mohrenköpfe» an.  Auf Twitter sorgt die Aktion für Wirbel.

«Mit Schoggi überzogni Eiwiissmassä mit Migrationshintergrund :-)», preist ein Schild in einer Volg-Filiale die Dubler-«Mohrenköpfe» an. Auf Twitter sorgt die Aktion für Wirbel.

Screenshot/Twitter
Seit der «Black Lives Matter»-Bewegung ist die Bezeichnung «Mohrenkopf» für die bekannte Süssigkeit höchst umstritten.

Seit der «Black Lives Matter»-Bewegung ist die Bezeichnung «Mohrenkopf» für die bekannte Süssigkeit höchst umstritten.

KEYSTONE
Während einige Menschen darin eine klar rassistische Bezeichnung sehen, verteidigen andere den Namen als Schweizer Tradition.

Während einige Menschen darin eine klar rassistische Bezeichnung sehen, verteidigen andere den Namen als Schweizer Tradition.

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Darum gehts

  • Ein Schild in einem Ostschweizer Volg preist Dubler-«Mohrenköpfe» als «Eiweissmasse mit Migrationshintergrund an».
  • Das Angebot sorgte auf Social Media für einen Shitstorm.
  • Mittlerweile hat Volg das Schild entfernt. Der Ton sei eindeutig verfehlt worden, heisst es dort.

Seit der «Black Lives Matter»-Bewegung ist die Bezeichnung «Mohrenkopf» für die bekannte Süssigkeit höchst umstritten. Während einige Menschen darin eine klar rassistische Bezeichnung sehen, verteidigen andere den Namen als Schweizer Tradition. Eine Volg-Filiale zieht die «Mohrenkopf»-Debatte nun auf einem Schild durch den Kakao, wie ein Tweet zeigt. «Mit Schoggi überzogni Eiwiissmassä mit Migrationshintergrund :-)», preist dieses die Dubler-«Mohrenköpfe» an. Auf Twitter sorgt die Aktion für Wirbel.

«Ist das eurer Ernst, Volg? Oder wollt ihr einfach die Nähe zur SVP wieder mal herausstreichen?», ärgert sich Thomas Häfliger, der das Schild auf Twitter postete. Laut Häfliger zirkuliert das Foto des Angebots seit Donnerstag auf Facebook und Whatsapp. Gegenüber 20 Minuten vermutet er, dass dahinter eine «verbale Entgleisung eines lustig sein wollenden Filialleiters» stecke. Auch andere User halten die Wortwahl für unangebracht. Entweder verkaufe man das Produkt oder nicht, schickt ein Kritiker voraus. «Aber diese Produktbeschriftung ist jenseits!» Eine Userin rechnet sogar damit, dass Volg ein Imageproblem drohen könnte.

«Verblödender Scherzkeks?»

Manche rätseln spöttisch über den möglichen Autor des Schilds. «Ist die Filialleitung grad in den Ferien und der Schildlimacher ein Scherzkeks am Verblöden?», fragt ein Twitterer. Der Kolumnist Peter Schneider lässt durchblicken, dass der Scherz seiner Meinung nach richtig in die Hose ging. «Schenkelklopf! Lauthalsschmunzel! Lustighab», so sein Kommentar dazu.

Einige User halten die Aufregung über die Produktbeschreibung hingegen für übertrieben. Ob ihm schon klar sei, dass das Schild ein Fake sei, fragt SVP-Politiker Michael Frauchiger Thomas Häfliger. Um die Botschaft zu verstehen, sollte gesunder Menschenverstand reichen. Ein Twitterer schliesst sich an: «Ja, linker Gesinnungskontrolleur. Das ist ein Fake. Auch wenn es bei dem ganzen hysterischen Gesinnungsterror von Linken durch Black Lives Matter eine erheiternde Idee wäre.» Für einen User zeugen die Reaktionen von Überempfindlichkeit. «Skandal, OMG, Skandal. Hört mich denn niemand, hallo!? Die sitzen im Volg und machen Witze über unsere Bünzligkeit. Muss ich gleich auf Twitter meinen Frust rauslassen!!»

Schild sei entfernt worden

«Das besagte Schild stammt aus einem Volg-Laden in der Region Ostschweiz», sagt Luana Covre, Fachfrau Kommunikation bei der Volg Konsumwaren AG. Es sei gemäss aktuellem Kenntnisstand aus Eigeninitiative von einer Mitarbeiterin erstellt und nur in der betroffenen Filiale eingesetzt worden. «Mittlerweile wurde das Schild entfernt.»

Vor dem Hintergrund der kontrovers geführten öffentlichen Diskussion über die korrekte Bezeichnung von Süssigkeiten, Ortsnamen und weiteren Namensgebungen sei der Ton hier eindeutig verfehlt worden, so Covre. «Wir bedauern den Vorfall und werden unser Ladenpersonal entsprechend sensibilisieren.»

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