Strafgericht BL: Volg-Leiter fingierte Raub wegen Geldproblemen
Aktualisiert

Strafgericht BLVolg-Leiter fingierte Raub wegen Geldproblemen

Aus Geldnot inszenierte der damalige Filialleiter 2015 einen Raubüberfall auf den Volg in Diegten. Der Coup flog rasch auf. Das Gericht war milde mit den reuigen Amateurganoven.

von
lha
1 / 3
Hier ereignete sich am 9. Dezember 2015 der inszenierte Raub. Der Filialleiter steckte mit dem Räuber unter einer Decke und wollte mit dem Bargeld aus dem Laden-Safe seine Schulden tilgen.

Hier ereignete sich am 9. Dezember 2015 der inszenierte Raub. Der Filialleiter steckte mit dem Räuber unter einer Decke und wollte mit dem Bargeld aus dem Laden-Safe seine Schulden tilgen.

Google Street View
Der Schwindel flog innert weniger Tage auf und der Filialleiter und sein Komplize landeten für eine Nacht in der Zelle.

Der Schwindel flog innert weniger Tage auf und der Filialleiter und sein Komplize landeten für eine Nacht in der Zelle.

Tom Bisig
Am Dienstag mussten sie nun vor dem Einzelrichter antraben und zeigten sich reuig. Das wurde belohnt, ebenso ihre Kooperation währen des Verfahrens. Dafür gab es vom Richter einen Strafrabatt.

Am Dienstag mussten sie nun vor dem Einzelrichter antraben und zeigten sich reuig. Das wurde belohnt, ebenso ihre Kooperation währen des Verfahrens. Dafür gab es vom Richter einen Strafrabatt.

Tom Bisig

«Bewaffneter Raubüberfall auf Lebensmittelgeschäft», titelte 20 Minuten am 9. Dezember 2015. Im beschaulichen Diegten sei der Filialleiter des Volg kurz nach 5 Uhr morgens beim Aufschliessen des Ladens von zwei maskierten Männern mit einem unbekannten Gegenstand bedroht und zur Herausgabe von Bargeld gezwungen worden. Die Täter erbeuteten einen stattlichen Barbetrag, fesselten den Filialleiter und türmten, so die Polizeimeldung.

Alles gelogen: In Tat und Wahrheit steckte der Filialleiter mit dem Täter unter einer Decke und teilte die Beute von gerade mal 9039 Franken brüderlich. Den heute 28-Jährigen plagten Geldsorgen und er konnte seinen Kumpel für die Tat gewinnen. Der Polizei erzählte er von zwei Tätern, um eine falsche Fährt zu legen. Die Polizei schöpfte aber von Anfang an Verdacht. Als das Institut für Rechtsmedizin zum Schluss kam, dass die Spuren nicht mit dem geschilderten Tathergang übereinstimmten, krachte das Lügengebäude in sich zusammen.

«Wir haben eine Dummheit begangen»

Der Coup flog innert weniger Tage auf. Die Amateurganoven gestanden und verbrachten eine Nacht in der Zelle. Am Dienstag mussten sie nun vor dem Einzelrichter antraben. «Wir haben eine Dummheit begangen», erklärte der Komplize reuig. Richter Daniel Seiler nahm ihnen die Reue ab und lobte sie sogar. «Auch die Polizei sagte, sie verhielten sich sehr kooperativ und anständig.»

Es war aber nicht die einzige Dummheit, die sie sich zu schulden kommen liessen. Bei der Hausdurchsuchung kamen noch weitere Schandtaten der beiden ans Licht. Auf ihren Handys hatten sie Fotos von Graffitis gespeichert. «Sie dokumentierten ihre Taten», so Seiler. Auch hier waren sie geständig.

Richter belohnt Reue

Ihre Reue und Kooperation wurden vom Gericht belohnt. In seinem Urteil reduzierte Richter Seiler den Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Diese verlangte für den ehemaligen Filialleiter eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 50 Franken und 3000 Franken Busse, für den Komplizen 330 Tagessätze à 100 Fr. und 4000 Fr. Busse. Seiler reduzierte die Tagessätze auf 40 und 70 Franken und drückte die Bussen auf 2000 und 2500 Franken.

Die Milde begründete er mit den finanziellen Verhältnissen der Beschuldigten. Der ehemalige Filialleiter hat zwar wieder Fuss gefasst im Detailhandel, muss aber Unterhalt für ein Kind und rund 10'000 Franken Schulden abbezahlen. Sein Komplize ist zwar ebenfalls erwerbstätig, aber mit den Steuern im Verzug.

«Das sollte ihnen eine Lehre sein»

Die Ironie der Geschichte: Die Schmierereien kommen die beiden noch teurer zu stehen. Die Gemeinde Möhlin und die SBB haben als Geschädigte über 4500 Franken Schadenersatz geltend gemacht. Den Betrag teilen sich die Partner in crime ebenfalls brüderlich. Obendrauf fallen noch je rund 2500 Franken Prozesskosten an. «Das sollte ihnen eine Lehre sein. Wenn sie wieder delinquieren droht dann schnell mal eine unbedingte Strafe», warnte Seiler, schloss die Verhandlung und entliess die beiden in Freiheit.

Deine Meinung