10.02.2020 03:52

UmfrageVolk dürfte auch die Homo-Ehe durchwinken

Nach dem Ja zum Anti-Diskriminierungsgesetz zeigte eine Umfrage: Auch für die Homo-Ehe gibts eine klare Mehrheit – Samenspende für lesbische Paare inklusive.

von
daw
1 / 7
Fieberten in Bern mit: Die Befürworter der Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm.

Fieberten in Bern mit: Die Befürworter der Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm.

20 Minuten
Die LGBTQ-Verbände jubeln – doch der Triumph ist für sie nur ein Etappensieg. Sie forderten schon kurz nach der Abstimmung, nun auch bei der «Ehe für alle» Gas zu geben.

Die LGBTQ-Verbände jubeln – doch der Triumph ist für sie nur ein Etappensieg. Sie forderten schon kurz nach der Abstimmung, nun auch bei der «Ehe für alle» Gas zu geben.

Keystone/Peter Klaunzer
Die Ehe für alle kommt im Frühling ins Parlament. Heute können gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft bloss eintragen lassen.

Die Ehe für alle kommt im Frühling ins Parlament. Heute können gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft bloss eintragen lassen.

Keystone/Peter Klaunzer

63,1 Prozent der Stimmbürger sagten am Sonntag Ja zur Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm. Die LGBTQ-Verbände jubeln – doch der Triumph ist für sie nur ein Etappensieg. Sie forderten schon kurz nach der Abstimmung, nun auch bei der «Ehe für alle» Gas zu geben. «Mit diesem klaren Resultat sind wir noch zuversichtlicher, dass es gut kommt. Es gibt uns Schwung für die Ehe für alle», sagt etwa Anna Rosenwasser von der Lesbenorganisation Schweiz Los.

Sieger-Interview mit Anna Rosenwasser

Anna Rosenwasser nimmt Stellung zum Ja zur Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm

Rosenwasser jubelt.

Die Ehe für alle kommt im Frühling ins Parlament. Heute können gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft bloss eintragen lassen. Die Öffnung der Ehe für alle brächte ihnen unter anderem das Recht, Kinder zu adoptieren. Umstritten ist, ob lesbische Paare zugleich der Zugang zur Samenspende erhalten, wie er heterosexuellen Ehepaaren offensteht, wenn diese keine Kinder bekommen können. Diese Frage will etwa die CVP auf später verschieben.

Umfrage: Klare Mehrheit für Ehe für alle

Die LGBTQ-Community geht nun aufs Ganze: «Ohne den Zugang zur Samenspende ist es nur eine Partnerschaft Plus, aber keine Ehe», sagt Rosenwasser. Zudem müssten gleichgeschlechtliche Ehepaare ab Geburt ihres gemeinsam geplanten Kindes gemeinsam auch rechtlich Eltern sein.

Wie die 20-Minuten-Nachbefragung zeigt, hat die Ehe für alle tatsächlich beste Chancen: Derzeit sprechen sich 61 Prozent für die Ehe mit einem vollen Adoptionsrecht aus, 36 Prozent dagegen, während 3 Prozent keine Meinung kundtun. Die Wähler aller grösseren Parteien, mit Ausnahme der SVP, unterstützen das Anliegen mehrheitlich. Doch auch bei den SVP-Anhängern sprechen sich 38 Prozent für die Homo-Ehe aus.

Auffällig: Die Zustimmung sinkt mit dem Alter. Während bei den 18- bis 35-Jährigen satte 75 Prozent für die Homo-Ehe sind, sind es bei den über 65-Jährigen bloss 49 Prozent. Ginge es nach dem Volk, hätte auch der Zugang zur Samenspende gute Karten: 58 Prozent sprechen sich laut der Umfrage dafür aus, 37 Prozent dagegen, 5 Prozent äusserten keine Meinung.

«Zeitgeist spricht gegen uns»

Am Schluss dürfte wiederum das Volk das letzte Wort haben: Die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) hat bereits das Referendum in Aussicht gestellt. SVP-Mitglied Anian Liebrand, der die Nein-Kampagne gegen den Homo-Artikel koordiniert hat, stellt sich auf einen schwierigen Kampf ein: «Der Zeitgeist spricht gegen uns. Jetzt hatten wir noch liberale Verbündete. Diese werden bei der Homo-Ehe fehlen.»

Doch auch wenn der Trend in eine andere Richtung gehe, bleibe er seiner Position treu: «Die SVP hat die Ablehnung der Homo-Ehe noch immer im Parteiprogramm.

Der Staat soll ein traditionelles Familienbild pflegen.» Das vertrage sich nicht mit der Ehe für alle und dem Zugang zur Samenspende für lesbische Paare.

Politologe Thomas Milic von der Uni Zürich sagt, das Resultat werde die Befürworter der Ehe für alle zuversichtlich stimmen. Ein Selbstläufer sei es aber nicht: «Die Ehe für alle und der Diskriminierungsschutz für Homosexuelle sind zwei Forderungen mit ganz unterschiedlicher Emotionalität. Es wird eine klar höheren Beteiligung an der Urne geben.»

Zur Umfrage

10'317 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 6. bis 8. Februar online an der Nachbefragung von Tamedia und 20 Minuten zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 9. Februar 2020 teilgenommen. Die Umfragedaten werden von LeeWas nach demografischen, geografischen und politischen Variablen modelliert. Der Fehlerbereich liegt bei 2,1 Prozentpunkten. Weitere Infos gibts hier.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.