Referendum: Volk entscheidet über zweite Gotthard-Röhre
Aktualisiert

ReferendumVolk entscheidet über zweite Gotthard-Röhre

100'000 Unterschriften hat der Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» bereits gesammelt. Die Befürworter des Projekts reagierten postwendend.

Der als Warendepot und Parkplatz genützte rechte Tunneleingang des Südportals, der als Einfahrt für die zweite Gotthardröhre gedacht ist.

Der als Warendepot und Parkplatz genützte rechte Tunneleingang des Südportals, der als Einfahrt für die zweite Gotthardröhre gedacht ist.

Zum Bau einer zweiten Strassentunnelröhre am Gotthard hat das Volk das letzte Wort. Nur zweieinhalb Monate nach dem Sammelstart haben die Gegner des vom Parlament verabschiedeten Tunnelprojekts nach eigenen Angaben bereits über 100'000 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Beglaubigt sind aktuell 52'931 Unterschriften, wie der Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» am Freitag mitteilte. Damit habe das Komitee das Ziel bereits knapp einen Monat vor Ablauf der Referendumsfrist erreicht. Nötig für das Zustandekommen sind 50'000 Unterschriften. Zurzeit würden die letzten Unterschriften von den Gemeinden beglaubigt.

Jon Pult, Co-Präsident des Referendumskomitees, wollte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda noch nicht verraten, wie viele Unterschriften in den beiden Gotthardkantonen Uri und Tessin gesammelt worden sind. «Wir sagen es dann bei der offiziellen Übergabe an die Bundeskanzlei.»

Starker Widerstand gegen die zweite Röhre

Co-Präsidentin Caroline Beglinger zeigte sich glücklich über den Erfolg ihres Komitees: «Wir sind sehr zufrieden, dass wir das Referendum so gut und so rasch geschafft haben», liess sie sich in einer Mitteilung zitieren.

Überraschend ist der Erfolg nicht: Über fünfzig nationale, regionale und lokale Organisationen und Parteien machen mobil gegen den Bau eines zweiten Strassentunnels am Gotthard. Dazu gehören unter anderem die Alpeninitiative, der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) und die Parteien SP, Grüne und GLP.

Die Gegnerinnen und Gegner befürchten, dass nach der Inbetriebnahme beider Tunnels über kurz oder lang in jeder Richtung auf zwei Spuren gefahren wird. Damit würde die Kapazität erhöht, was der Verfassung widerspreche, kritisieren sie.

Gewerbeverband bekämpft Referendum

Die Befürworter des Projekts reagierten nach der Erfolgsmeldung des Referendumskomitees postwendend. Der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) teilte mit, er werde «das links-grüne Referendum bekämpfen.» Laut der Dachorganisation der Schweizer KMU ist nur mit einem «Sanierungstunnel» gewährleistet, dass das Tessin nicht vom Rest der Schweiz abgeschnitten wird.

«Bevölkerung und Wirtschaft auf beiden Seiten des Gotthards sind aus Versorgungsgründen auf eine permanente Strassenverbindung durch den Gotthard angewiesen», hiess es vonseiten der Befürworter. Eine gänzliche Sperrung des Gotthardtunnels und die gleichzeitige Errichtung einer rollenden Landstrasse kämen den Kundenbedürfnissen in keiner Weise nach.

Auch die BDP und das überparteiliche Komitee «Ja zum Sanierungstunnel am Gotthard» sagten dem Referendum den Kampf an. Eine Abstimmung über die zweite Tunnelröhre am Gotthard kann frühestens am 14. Juni 2015 stattfinden.

Volk bislang ausbauskeptisch

Es wäre das dritte Mal nach 1994 (Alpenschutzinitiative) und 2004 (Gegenvorschlag zur Avanti-Initiative), dass das Volk direkt oder indirekt über den Bau eines zweiten Tunnels durch den Gotthard befinden würde. Bisher lehnte es solche Bestrebungen ab.

Der neue Tunnel soll ab etwa 2020 in sieben Jahren gebaut werden. Anschliessend würde der bestehende, 1980 eröffnete Strassentunnel gesperrt und saniert. Ab etwa 2030 sollen dann beide Tunnels betrieben werden, aber je einspurig. Für das Projekt veranschlagt der Bundesrat rund 2,8 Milliarden Franken. (sda)

Deine Meinung