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Grosser Rat - BEVolksschule ohne Selektion: Vorstoss klar abgelehnt

Der bernische Grosse Rat hat am Donnerstag einen Vorstoss klar abgelehnt, mit dem die SP/JUSO-Fraktion den Weg für eine Volksschule ohne Selektion ebnen wollte. Die Sozialdemokraten erhielten nur von einem Teil der Grünen Unterstützung.

Das Kantonsparlament lehnte die von Eva Baltensperger (SP/ Zollikofen) erstunterzeichnete Motion mit 99 zu 36 Stimmen ab. Der Regierungsrat muss demnach mit der Totalrevision des Volksschulgesetzes keine Varianten für eine selektionsfreie Volksschule vorlegen. Diese Revision ist für 2012 vorgesehen.

Baltensperger ist die Präsidentin des kürzlich gegründeten Vereins für eine Volksschule ohne Selektion. Sie sagte im Rat, es handle sich derzeit erst um eine Vision und sie wolle das System «nicht über Nacht umkrempeln».

Trotz dieser Aussagen stiess die Idee etwa bei der EDU auf totales Unverständnis, während Franziska Stalder-Landolf (Muri) namens der FDP von einem Verkennen der Realitäten sprach. Schüler würden beispielsweise auch in einer selektionsfreien Schule weiterhin bewertet, sagte sie.

Stalder erklärte auch, derzeit sei in der Schweiz eher die Harmonisierung der Schule Trumpf. Würde der Kanton Bern die Selektion abschaffen, wäre Isolation die Folge.

Reallehrer Werner Hostettler (Zollbrück) führte im Namen der SVP aus, Selektion könne auch positiv sein, schütze nämlich Schüler und Lehrpersonen vor Überforderung. Selektion könne auch eine optimale Steuerung der künftigen Laufbahn bewirken.

Näf holte wieder Würfel hervor

Demgegenüber nahm Roland Näf (Muri) namens der SP wieder den Würfel hervor, den er schon im letzten Herbst Erziehungsdirektor Bernhard Pulver übergeben hatte. Damals debattierte das Kantonsparlament über die Selektion an der Volksschule aufgrund einer Interpellation der SP-/JUSO-Fraktion. Für die SP/JUSO-Fraktion symbolisiert der Würfel den Zufall, der im Kanton Bern ihrer Auffassung nach beim Selektionieren herrscht.

Die SP meint damit, dass in gewissen stadtnahen Gemeinden kaum ein Schüler in die Realschule geht. Auf dem Land hingegen ist der Prozentsatz teilweise sehr hoch. Das haben Untersuchungen gezeigt. «Es ist richtig: Selektion findet immer statt», sagte Näf an die Adresse der Gegner. «Aber sie funktioniert nicht.»

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) versuchte im Rat, die Bedeutung der Selektion zu relativieren. Viele Elemente trügen dazu bei, dass ein Schulsystem erfolgreich sei oder nicht. Die Wissenschaft sei sich nicht immer einig bezüglich der Auswirkungen einer selektionsfreien Schule auf die Schüler.

Pulver sagte auch, der Kanton Bern sei erfolgreich: Mit immer wieder 92 bis 95 Prozent Schülerinnen und Schüler mit einem Abschluss der Sekundarstufe zwei liege Bern national an der Spitze und die Jugendarbeitslosigkeit sei hier verhältnismässig tief. Die Regierung beantragte Ablehnung der Motion.

Mit Stichentscheid für Postulat

Mehr Unterstützung als die SP erhielt Corinne Schärer (Grüne/ Bern) für ihr Postulat, mit dem sie den Regierungsrat auffordert, integrative Schulmodelle zu fördern und dafür Anreize zu schaffen.

Diesem Prüfungsauftrag an die Regierung stimmten etwa die EVP und die CVP zu, welche die SP-Motion noch abgelehnt hatten. Mit dem Stichentscheid von Präsidentin Chantal Bornoz Flück (SP) überwies der Rat das Begehren mit 71 zu 70 Stimmen bei 2 Enthaltungen. (sda)

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