Aktualisiert 05.01.2020 12:38

ElektromobilitätSo will Volkswagen Tesla vom E-Thron stossen

Mit der elektrischen ID-Familie will Volkswagen in den kommenden Jahren zum «Weltmarktführer in der E-Mobilität» werden.

von
Dieter Liechti
5.1.2020
Ab Sommer 2020 startet Volkswagen mit dem ID.3 seine Aufholjagd gegen Tesla.

Ab Sommer 2020 startet Volkswagen mit dem ID.3 seine Aufholjagd gegen Tesla.

Volkswagen
Angela Merkel bei ihrer Ansprache im Werk Zwickau, wo ab 2021 bis zu 330000 E-Fahrzeuge von Volkswagen pro Jahr vom Band laufen werden.

Angela Merkel bei ihrer Ansprache im Werk Zwickau, wo ab 2021 bis zu 330000 E-Fahrzeuge von Volkswagen pro Jahr vom Band laufen werden.

Volkswagen
Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer hält viel vom neuen VW-Chef Herbert Diess (im Bild): «Er stellt sich den aktuellen Fragen, reagiert sehr intelligent und treibt neue Technologien mit Elan voran.»

Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer hält viel vom neuen VW-Chef Herbert Diess (im Bild): «Er stellt sich den aktuellen Fragen, reagiert sehr intelligent und treibt neue Technologien mit Elan voran.»

Volkswagen

Noch bevor das erste Serienfahrzeug der elektrischen ID-Familie von Volkswagen im Sommer auf die Strasse rollt, haben die Wolfsburger die Prognose für die Produktion von E-Autos angehoben. Die strategische Zielmarke von einer Million E-Autos soll laut neusten Planungen bereits Ende 2023 statt 2025 erreicht werden. «2020 wird ein Schlüsseljahr für die Transformation von Volkswagen», bekräftigt Thomas Ulbrich, Vorstand E-Mobilität der Marke. «Mit dem Marktstart des ID.3 wird unsere E-Offensive auch auf der Strasse sichtbar.»

Der ID.3 basiert auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) von Volkswagen und bietet Reichweiten von 330 bis 550 Kilometern (WLTP). Die Basisversion des Modells wird um die 32'000 Franken kosten und bislang haben mehr als 37'000 Kunden den ID.3 reserviert und als Frühbucher eine Anzahlung geleistet. Gefertigt wird das Fahrzeug im Werk Zwickau, wo ab 2021 bis zu 330'000 E-Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen. Zwickau wird damit zum grössten und leistungsfähigsten E-Auto-Werk Europas. Auch international laufen die Vorbereitungen zum Anlauf der ID. Familie in China und den USA auf Hochtouren, im chinesischen Werk Anting hat bereits die Vorproduktion begonnen.

50 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Fahrzeuge

Höchste Zeit. Denn Volkswagen will beim Elektroboom nicht nur mitmachen, sondern, laut eigenen Angaben, «in den kommenden Jahren zum Weltmarktführer in der E-Mobilität werden». Und damit US-Pionier Tesla von Platz 1 verdrängen. Dafür investiert Volkswagen bis 2024 konzernweit 33 Milliarden Euro, 11 Milliarden in der Marke VW. Das ist viel, aber kein Novum: Schon Ende 2012 bestätigte der Konzern unter der damaligen Leitung von Martin Winterkorn, in den folgenden drei Jahren 50,2 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Fahrzeuge, die Effizienzsteigerung in der Produktion und den Bau neuer Werke zu stecken. Mit dem klaren Ziel: Die weltweite Nummer 1 zu werden. Das hat, trotz Dieselskandal, geklappt.

Auto-Wissenschafter Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt, dass die Wolfsburger auch das neustes Ziel erreichen werden und Tesla bei den Stromern überholen. «Mit Audi und Porsche im Premiumsegment und den Volumenmarken VW, Seat und Skoda ist man breit aufgestellt. Also wird der VW-Konzern Tesla überholen», erklärt der Professor am Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen. «Die einzige Frage ist der Zeitpunkt.»

Volkswagen setzt bei der E-Offensive auf einen ganzheitlichen Ansatz und hat eine Reihe von strategischen Geschäftsfeldern besetzt. Mit dem Tochterunternehmen Elli treibt VW den Aufbau der Ladeinfrastruktur voran und gemeinsam mit seinen Händlern bauen die Wolfsburger auch eigene Ladepunkte auf – bis 2025 sollen 36'000 neue Ladepunkte in ganz Europa entstehen.

So läutet VW mit dem ID3 eine neue Ära ein

Mit dem rein elektrischen Nachfolger des VW Golf, dem ID.3, will VW jetzt den Wechsel vom Verbrenner zum Stromer schaffen und in eine neue Ära aufbrechen.

«VW schickt die Ladesäule zum Auto»

Weiter in die Zukunft blickt VW mit dem Laderoboter: Gestartet via App oder steuert dieser eigenständig das zu ladende Fahrzeug an und kommuniziert mit diesem. Vom Öffnen der Ladeklappe, über das Anschliessen des Steckers bis hin zum Entkoppeln – der gesamte Ladevorgang verläuft ohne jegliche menschliche Beteiligung. «Der Laderoboter kann eine Revolution beim Laden in Parkhäusern, auf Parkplätzen oder in Tiefgaragen auslösen», bestätigt Mark Möller, Entwicklungschef der Volkswagen Group Components. «Es ist eine visionäre Studie, die aber durchaus schnell Realität werden kann.»

Mit diesem Elektroauto will Ford Tesla angreifen

Ford setzt auf seine Sportwagenmarke Mustang, um im Geschäft mit Elektroautos Fuss zu fassen. Allerdings ist der neue Mustang mehr SUV als Coupé.
(Video: Vizzr)

Bereits umgesetzt worden ist zudem die Öffnung des Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) für andere Hersteller. Als eine der ersten Marken wird Ford den MEB von Volkswagen nutzen. Obwohl die Amerikaner erst vor kurzem den E-SUV Mustang Mach-E auf eigener Elektro-Basis enthüllt haben, will das Unternehmen ab 2023 ein MEB-Fahrzeug in Europa anbieten und rechnet mit mehr als 600'000 verkauften Fahrzeugen innerhalb von sechs Jahren. Aber auch bei den Batteriezellen hat Volkswagen Weichen gestellt: Ab 2020 soll in Salzgitter eine 16-Gigawattstunden-Batteriezellfabrik entstehen, zudem haben die Wolfsburger ein Joint-Venture mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt gegründet.

«Winterkorn war ein reiner Machtmensch»

«VW ist unter den klassischen Autobauern derjenige, der am konsequentesten auf das E-Autos setzt. Und das wird sich auszahlen», ist Dudenhöffer überzeugt. Für ihn ist auch klar, dass dieser Wandel viel mit dem neuen VW-Chef Herbert Diess zu tun hat. «Während Winterkorn beispielsweise ein reiner Machtmensch war, der mit Autorität, Arroganz und Besserwisserei als Absolutist geherrscht hat, stellt sich Diess den aktuellen Fragen. Er reagiert sehr intelligent und treibt neue Technologien mit Elan voran.»

Digitalisierung

Der Volkswagen Konzern baut seine Kompetenzen in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung, Software-Entwicklung, Elektrifizierung und Connectivity mit hohem Tempo aus. 2020 stellt der Konzern mit seinen Marken allein in Deutschland rund 2500 Experten neu ein. Zusätzlich bildet Volkswagen in seiner konzerneigenen Fakultät Hunderte von Softwareentwicklern aus. «Der VW Konzern bietet IT-Experten beste Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten», so Personalvorstand Gunnar Kilian: «Schon heute arbeiten allein in unserer IT weltweit rund 12'000 Beschäftigte – unter anderem Softwareentwickler, UX-Designer, Cloud-Architekten und Experten für Künstliche Intelligenz.» lie

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