14.09.2018 17:11

Gemeinderat protestiert

Volkswille wird angeblich missachtet

Der Gemeinderat von Wattwil SG protestiert gegen den Baustopp beim Spital, den der Verwaltungsrat der Spitalverbunde verhängt hat, und verweist auf die Volksabstimmung von 2014.

Das Spital Wattwil, aufgenommen am Freitag, 24. Oktober 2014.

Das Spital Wattwil, aufgenommen am Freitag, 24. Oktober 2014.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Das laufende Projekt zur Erneuerung des Spital Wattwil müsse «ohne Verzug dem Volkswillen entsprechend» umgesetzt werden. Der Gemeinderat Wattwil sei «zutiefst befremdet über das Verhalten der St. Galler Spitalverantwortlichen», heisst es in einer Stellungnahme der Behörde vom Freitag.

Die vom Verwaltungsrat Anfang September verordnete «Denkpause» beim Spital Wattwil sei «rechtsstaatlich und demokratiepolitisch inakzeptabel». Die Stimmberechtigten des Kantons hätten das 85-Millionen-Projekt zur Erneuerung und Erweiterung des Spitals Ende 2014 beschlossen. Nun sei dieses Projekt «ohne Verzug voranzutreiben und umzusetzen». Der Baustopp verursache zusätzliche Kosten wegen bereits erteilter Aufträge und durch unnötige Provisorien.

«Das Spital Wattwil ist entscheidend für die Gesundheitsversorgung im Toggenburg», wird Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner zitiert. Das Spital sei der grösste Arbeitgeber der Region. Das Gesundheits- und Sozialwesen biete in der Region rund 1700 Stellen, das seien 14 Prozent aller Stellen. Die Branche sei volkswirtschaftlich sehr bedeutend.

«Voreilige Abbaupläne»

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde schüre mit seinen «voreiligen Abbauplänen» Verunsicherung und wolle «Fakten für den Abbau schaffen», schreibt der Gemeinderat. «Wir müssen vermuten, dass der Verwaltungsrat das Spital Wattwil ‹aushungern› will», befürchtet Alois Gunzenreiner.

Hintergrund des Protests ist ein Vorschlag des Verwaltungsrats, aus Kostengründen die Bettenstationen in den fünf Regionalspitälern Flawil, Wattwil, Walenstadt, Altstätten und Rorschach zu schliessen. Patienten sollen nur noch in St. Gallen, Wil, Uznach und Grabs stationär behandelt werden.

Die St. Galler Stimmberechtigten hatten Ende 2014 Kredite von 805 Millionen Franken für die Erneuerung und den Ausbau der Spitäler gutgeheissen. Die Zustimmung zum Generationenprojekt betrug über 70 Prozent. Durch die «Denkpausen» in Wattwil und Altstätten ist jetzt ein Teil dieser Investitionen wieder infrage gestellt. (sda)

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