23.09.2020 17:00

Voll-Hybrid oder Plug-in – was ergibt mehr Sinn?

Benjamin will seinen Diesel durch ein klimafreundlicheres Fahrzeug ersetzen. Soll er sich einen Plug-in-Hybriden anschaffen?

von
Markus Peter, AGVS
23.9.2020

Frage von Benjamin ans AGVS-Expertenteam:

Es ist an der Zeit, meinen Diesel durch einen saubereren Antrieb zu ersetzen. Ein rein elektrisch angetriebenes Auto ist mir aufgrund der beschränkten Infrastruktur zu ungewiss. Benziner der Effizienzkategorie A gibt es nicht mehr. Nur Plug-in- und Vollhybride mit Benzinmotoren liefern aktuell brauchbare Ergebnisse. Besonders Plug-in-Hybride erreichen gemäss Herstellern sehr geringe Verbrauchswerte. Allerdings haben mir Bekannte, die sich bereits einen solchen Plug-in-Hybriden zugelegt haben, gegenteiliges berichtet: Die Fahrzeuge schlucken deutlich mehr als fünf Liter Benzin auf 100 Kilometer. Einer berichtet sogar von ganzen 7 Litern! Könnt ihr mir dieses Phänomen erklären? Wäre ein Vollhybrid nicht die bessere Alternative, da damit ähnliche Verbrauchswerte erreicht werden, ohne zusätzlich eine Batterie zu laden?

Antwort des AGVS:

Lieber Benjamin

Für eine Beurteilung, welches für dich die ideale Antriebstechnologie ist, müssen natürlich immer die individuellen Anforderungen sowie die Infrastruktur in deiner Umgebung berücksichtigt werden. Ich denke da unter anderem an die gewünschte Transportkapazität, die normale Tagesdistanz, die Anzahl Tankstellen oder Ladestationen in der Nähe oder die Möglichkeit, das Fahrzeug zu Hause elektrisch zu laden. Was ich festhalten kann: Die Infrastruktur für alternative Treibstoffe (Elektro, CNG und in kleinerem Rahmen auch Wasserstoff) verbessert sich zusehends.

Bei den tiefen Verbrauchswerten der Plug-In-Hybride geht oft vergessen, dass sich deren Verbrauch aus einer Kombination von Treibstoff- und Stromkonsum zusammensetzt. Ein typischer Normverbrauchswert nach WLTP setzt sich zum Beispiel aus 2 Litern Benzin und 15 kWh elektrischer Energie auf 100 Kilometer zusammen. Bei Plug-In Hybriden mit grösserer Batterie ist der Anteil des Stromverbrauchs am Normverbrauch entsprechend höher. Gleichzeitig sind die ausgewiesenen CO2-Emissionen tiefer.

Bei der Bestimmung des Normverbrauchs kann natürlich nur ein theoretisches Nutzungsverhalten berücksichtigt werden. In der Praxis kommt es sehr darauf an, ob jemand sein Fahrzeug an die Steckdose anschliesst, sobald die elektrische Reichweite aufgebraucht ist, oder ob auch der Treibstofftank öfters mal leergefahren wird. Da ein Plug-In-Hybrid aufgrund der «doppelten» Antriebstechnik und der relativ grossen Batterie recht schwer ausfällt, verbraucht er bei leerer Batterie mehr als ein Hybrid-Fahrzeug ohne Plug-In-Technologie. Wer also praktisch nur auf kurzen Strecken unterwegs ist, für den eignet sich ein reines Elektroauto wohl am besten – vorausgesetzt natürlich, dass er einfachen Zugang zu einer Ladestation hat. Auch ein Plug-In-Hybrid sollte regelmässiger Gast bei einer «Stromtankstelle» sein, sonst ergibt sein Konzept keinen Sinn. Gegenüber dem reinen Elektroauto bietet er den Vorteil einer grösseren kombinierten Reichweite für gelegentliche längere Fahrten. Dies erkauft man sich aber mit aufwendiger Technik, die sich sowohl auf der Waage als auch im Portemonnaie bemerkbar macht.

Wer mit dem Auto öfters auch grosse Distanzen ohne längere Aufenthalte an Tankstellen möglichst umweltfreundlich zurücklegen möchte, der findet in CNG-betriebenen Autos (Erdgas und Biogas) oder in Hybridfahrzeugen ohne Plug-In-Funktion eine spannende und vor allem auch preiswerte Alternative.

Gute Fahrt!

Sende deine Frage(n) einfach per Mail an autoratgeber@20minuten.ch. Die interessantesten und aktuellsten Fragen und natürlich die Antworten publizieren wir jeden Mittwoch unter dem Vornamen des Fragenden hier im Lifestyle-Channel von 20 Minuten.

Der AVGS

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräfte in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind. Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
29 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Bürger

24.09.2020, 23:03

Ich verstehe immer noch nicht warum die E-Autos kein Mehrganggetriebe haben denn somit kann man extrem Energie sparen. Denn E-Motoren haben genug Drehmoment um auch in einer Übersetzung niedertourig zu drehen

Bürger

24.09.2020, 23:01

Da alle E-Autos nur eine Untersetzung von 10 : 1 haben wäre es besser ein 5 Gangschaltgetriebe einzubauen um Strom zu sparen um eine kleinere Batterie zu integrieren. habe das das bei einem Verbrenner ausprobiert : Verbrenner Raus Elektro rein mit Getriebe verbunden 30 KW Batterie eingebaut Ergebnis: 1500 km Reichweite !!!

Logisch

24.09.2020, 18:06

Logisch wäre das alte Auto zu behalten, ist klimafreundlicher als ein neues da dies bereits produziert wurde! Wegwerfgesellschaft ahoi