Aufnahmestopp bei den Tierheimen – Volle Heime, weil vor der Anschaffung der Tiere nicht weit gedacht wurde
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Aufnahmestopp bei den TierheimenVolle Heime, weil vor der Anschaffung der Tiere nicht weit gedacht wurde

Was während des Shutdowns prophezeit wurde, tritt nun ein. Viele Leute, die sich ein Haustier zugelegt hatten, wollen es wieder loswerden. Das hat Folgen für die Tiere und die Heime.

von
Tino Limacher
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Im Shutdown haben sich viele Personen ein Haustier zugelegt, nun möchten einige ihre Tiere wieder weggeben.  

Im Shutdown haben sich viele Personen ein Haustier zugelegt, nun möchten einige ihre Tiere wieder weggeben.

Tierheim an der Ron
Tierheime werden nun mit Anfragen überhäuft. So beispielsweise das Tierheim Paradiesli in Nidwalden. 

Tierheime werden nun mit Anfragen überhäuft. So beispielsweise das Tierheim Paradiesli in Nidwalden.

Tierheim Paradiesli
Oder auch das Tierheim Burg in Schwyz. 

Oder auch das Tierheim Burg in Schwyz.

Tierheim Burg

Darum gehts

  • Die Tierheime werden mit Anfragen überhäuft und können momentan teilweise keine weiteren Tiere aufnehmen.

  • Deshalb wurden Wartelisten erstellt, respektive Aufnahmestopps verhängt.

  • Vor allem Corona dürfte das Problem verschärft haben. Während sich viele im Shutdown ein Haustier zugelegt haben, möchten einige ihre Tiere jetzt wieder loswerden.

Während des Shutdowns haben sich viele, ohne sich grosse Gedanken darüber zu machen, entschieden, sich ein Haustier zuzulegen. Gründe dafür waren der Einsamkeit zu entkommen, die Langeweile zu überbrücken oder die Sicherheit, dass man mit einem Hund ins Freie gehen darf. Durch die eingeführten Lockerungen kamen aber mit dem Alltag auch wieder die Verpflichtungen und das frühere Freizeitvergnügen zurück. Und jetzt beginnt für den neuen vierbeinigen Freund eine traurige Zeit, weil er zur Last geworden ist und viele Neutierhalter sich von ihm entledigen möchten. Die Lösung: Das Tierheim darf diese Misere nun ausbaden.

So verzeichnet etwa das Tierheim Paradiesli in Nidwalden einen vermehrten Zuwachs von Anfragen: «Wir werden etwa seit einem Monat mit solchen Anliegen überhäuft. Es waren so viele, dass wir nur noch Tiere aus Nid- und Obwalden aufnehmen können und für andere Kantone eine Warteliste erstellen mussten», sagt Tierpflegerin Flavia Purtschert.

Laut Purtschert sind vor allem Hunde davon betroffen. Auch Tanja Looser, Leiterin des Tierheims Burg in Schwyz, bestätigt auf Anfrage, dass sie ebenfalls einen Aufnahmestopp für Hunde einführen mussten.

Aufnahmestopp bis Anfang November

Petra Roos, Betriebsleiterin Tierheim an der Ron in Root, zeichnet ein ähnliches Bild: «Wir werden ebenfalls seit einigen Wochen mit sehr vielen Nachfragen konfrontiert und mussten einen Aufnahmestopp für Verzichtstiere verhängen. Dieses können wir voraussichtlich erst Anfang November wieder aufheben.» Für die Tierheimleiterin ist klar, dass auch Corona zu dieser Verschärfung geführt hat. «Wenn jemand bei uns ein Tier abgibt, füllen wir gemeinsam mit den Besitzern einen Fragebogen aus, damit wir möglichst viele Informationen über das Tier erhalten können. Bis jetzt hat natürlich niemand ‹Corona› als Abgabegrund angegeben, aber der Zeitpunkt der Anschaffung lässt teilweise darauf schliessen.»

Ob ein Haustier im Tierheim an der Ron aufgenommen wird, hängt laut Roos auch immer damit zusammen, ob man für den Zuwachs den Platz, die benötigten finanziellen Mittel sowie personelle Ressourcen aufwenden kann. Zudem dauert es auch einige Zeit, bis ein Tier wieder vermittelt und somit der Platz für ein anderes Tier freigegeben werden kann. Roos: «Gerade bei Hunden laden wir potenzielle Besitzer mindestens drei Mal ein, um sich mit dem gewünschten Hund anzufreunden. Damit überprüfen wir in erster Linie, ob der Hund in guten Händen wäre, aber auch, ob der zukünftige Besitzer sich mit dem Hund anfreunden kann.»

Zudem weist Roos darauf hin: «Wer sich ein Haustier anschaffen möchte, soll sich vorher gut erkundigen und langfristig planen. So würden weniger Tiere als ‹Wanderpokal› enden oder im Tierheim abgegeben werden.»

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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